Die Ära Hilber geht zu Ende

Vor 14 Jahren wurde Andreas Hilber als Präsident von Wil Tourismus gewählt. Nun tritt er zurück. Was war prägend, was ist noch offen? Mit der Wiler Zeitung sprach er über die vergangenen Jahre und die Entwicklung des Vereins.

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Herr Hilber, Sie treten nach 14 Jahren als Präsident von Wil Tourismus zurück. Wie hat sich der Verein in dieser Zeit verändert? Wie stark hat sich Ihr persönlicher Aufwand verändert?

Andreas Hilber: Der Verein hat sich in verschiedenen Bereichen weiterentwickelt. So ist die Geschäftsstelle im Stadtsaal professioneller geworden. Damit einhergehend sind laufend zusätzliche Aufgaben übernommen worden. Auch der Zielsetzung einer stetig verbesserten Eigenfinanzierung konnten wir gerecht werden. Der optische Auftritt wurde mit einem neuen Logo verjüngt und modernisiert. Dank der hervorragend funktionierenden Geschäftsstelle ist mein zeitlicher Aufwand nicht angestiegen. Auch konnte die Anzahl Vorstandssitzungen den verbesserten Strukturen angepasst werden.

Sie wohnen in Rickenbach und arbeiten in St. Gallen. Zu Beginn ihrer Zeit als Präsident war Ihr Arbeitsort in Wil. Hat dieses «Wegrücken» Ihr Engagement bei Wil Tourismus beeinflusst?

Hilber: Nein, überhaupt nicht. Die Aufgaben erledigte ich mit gleichem Engagement. Mit den heutigen Möglichkeiten lassen sich Organisation und Kommunikation zwischen Geschäftsführer und Vorstandsmitgliedern problemlos bewältigen. Mail, Telefone, Internet vereinfachen dies. Das einzige, was etwas verloren- gegangen ist, ist der direkte Zugang zu Infos oder eben News und Gerüchten rund um Wil. Meine Mitgliedschaft im Kiwanis Club Wil und regelmässige Meetings bei der UBS Wil kompensieren dies teilweise.

Welche Projekte der vergangenen Jahre haben sich bei Ihnen eingeprägt, und wo haben Sie am meisten Herzblut gegeben?

Hilber: Da gibt es einige: die Wiler Vereinsbühne, die laufende Suche nach einem Durchführungsort für die 1.-August-Feier, das Jubiläumsprojekt 1250 Jahre Stadt Wil mit unseren Beiträgen bzw. Mitwirken Wiler Turm, Stadtfest und Stadtlexikon «Wilnet». Am meisten Herzblut investierte ich in die Realisierung des Wiler Turms. Nebst bewilligungstechnischen Hürden war die Suche nach Spendengeldern aufwendig, intensiv und hürdenreich. Für diese Aktivitäten wurden Christian Schmid und ich im Jahre 2006 mit der Auszeichnung Wiler Nörgeli beehrt. Was mich natürlich noch heute freut, denn kurz nach dieser Auszeichnung folgte die Grundsteinlegung. Selbstverständlich war auch unser 125-Jahr-Vereinsjubiläum ein weiterer Meilenstein in meiner Präsidialzeit. Nicht vergessen darf ich aber auch die traditionellen Wiler Anlässe wie Neuzuzügerbegrüssung, Behördenempfang mit anschliessendem Laternenumzug. Diese Anlässe waren jeder für sich immer ein Höhepunkt. Überhaupt, meine Präsidentenzeit war von vielen tollen Begegnungen, Ereignissen, Projekten, Situationen geprägt, wofür ich auch dankbar bin.

Gibt es ein offenes Dossier, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Hilber: Die Lücke, die das Hotel Freihof hinterlassen hat, muss schnellstmöglich geschlossen werden. Aber hier ist der Einfluss von Wil Tourismus leider sehr beschränkt. Zudem habe ich noch kleine Wünsche oder Visionen, wie eine eigene Homepage für Wil Tourismus, eine eigene Smartphone App Wil Tourismus und neue, elektronische Informationstafeln an den Einfahrtsstrassen von Wil. Leider sind die Kosten für eine Realisierung dieser Wünsche hoch.

Die Schliessung des «Freihofs» hat in Wil hohe Wellen geschlagen. Wie sehen Sie die Zukunft der Wiler Hotellerie?

Hilber: Wie bereits erwähnt, diese grosse Lücke muss schnellstmöglich geschlossen werden. Die bestehenden Hotels können die Nachfrage in Wil nicht absorbieren. Wir benötigen dringend ein gutes Mittelklasshotel. Sei es mit der Wiedereröffnung des «Freihofs» oder mit einem neuen Hotel. Für beides braucht es langfristig denkende Investoren.

Wie ist Ihrer Ansicht nach Wil touristisch zu bewerten?

Hilber: Wil ist keine grosse klassische Tourismusdestination. Wil ist für Tagestouristen und Durchgangsreisende mit seinem breiten Angebot eine attraktive Stadt. Ganz nach dem Slogan Kultur erleben – Einkaufen geniessen – erfolgreich tagen. Wil bietet viel, nämlich eine historische Altstadt, viele Einkaufsmöglichkeiten, diverse Sportmöglichkeiten, ein vielfältiges Kulturangebot und ein grosszügiges Naherholungsgebiet. Wil ist ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort, der hervorragend erschlossen ist. Die Anbindung an den öV und an das Strassennetz ist ideal. Wil – ein Regionalzentrum mit einem Einzugsgebiet von rund 100 000 Einwohnern. Wil – die attraktivste Stadt zwischen Bodensee und Zürichsee.

Felix Aepli, ehemals Wiler Spitaldirektor, wird Ihr Nachfolger. Wie kam der Kontakt zustande?

Hilber: Ich kenne Felix Aepli schon seit Jahren, und der Kontakt zwischen uns ist auch während seiner Tätigkeit in Asien nie abgebrochen. Er war während all seiner Auslandjahre an Anlässen wie der 1.-August-Feier oder dem Silvesterlaternenumzug regelmässig in Wil anzutreffen. Dies hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass ihm Wil am Herzen liegt. Ich habe Felix Aepli angefragt und mich über seine Zusage gefreut.

Was möchten Sie Ihrem Nachfolger Felix Aepli mit auf den Weg geben?

Hilber: Ich schätze mich glücklich, dass ich meinem Nachfolger eine tadellos funktionierende Geschäftsstelle übergeben kann. Christian Schmid und Claudia Dönni bürgen für einen reibungslosen Betrieb. Sie beide bezeichne ich als wichtige Stütze für die Aufgaben des Präsidenten. Einen persönlichen Wunsch an Felix Aepli: Er soll versuchen, seine beruflichen Asien-Erfahrungen und -Verbindungen gewinnbringend für unsere Stadt einsetzen. Wil und seine Region zu besuchen sollte ein «Must» für jeden Asiaten sein, der Europa bereist.

Interview: Monique Stäger

Die Hauptversammlung des Vereins Wil Tourismus mit der Wahl des neuen Präsidenten findet am nächsten Montag, 30. April, um 19 Uhr im Stadtsaal Wil statt.

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