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«Die Ängste sind unnötig»

Bischof Markus Büchel hat dem katholischen Zuzwiler Pfarrer Simon Niederer einen Stellenwechsel nahegelegt. Kirchbürger befürchten, dass mit seinem Weggang das kirchliche Leben verkümmern würde.
Ursula Ammann

Taufen, Eucharistiefeiern, Beerdigungen: Um das und vieles mehr kümmert sich ein Pfarrer. In der Gemeinde Zuzwil ist ebendieser vom Kirchenverwaltungsrat gekündigt worden. Dass Simon Niederer aus Zuzwil weggehen soll, findet auch Bischof Markus Büchel. Er plädiert für einen Stellenwechsel. Steht Zuzwil bald ohne Priester da? Fallen damit die Gottesdienste weg, die Betreuung der Angehörigen bei Todesfällen oder die Heilige Erstkommunion? Das sind Befürchtungen, welche Teile der Kirchbürgerschaft beschäftigen. Claudius Luterbacher, Kanzler des Bistums St. Gallen, rät davon ab, sich Sorgen zu machen.

Claudius Luterbacher, es herrscht Priestermangel. Steuert Zuzwil auf die sakramentale Unterversorgung zu, falls Simon Niederer geht?

In unseren Seelsorgeeinheiten kommt es immer wieder zu Vakanzen. Die priesterliche Versorgung ist aber auch in diesen Fällen gewährleistet.

Wie das?

Es wird jeweils ein Pfarreiadministrator ad interim eingesetzt. Das können beispielsweise Priester aus anderen Seelsorgeeinheiten sein. Es gab aber auch schon Ordensleute, die eine solche Funktion übernommen haben oder Ehemalige, wie beispielsweise alt Stadtpfarrer Meinrad Gemperli aus Wil. Durch diese Lösung finden Festgottesdienste, Taufen und Eucharistiefeiern in den Vakanzzeiten wie gewohnt statt, bis ein neuer Priester gefunden ist. In solchen Fällen zeigt sich auch ein Vorteil des Systems mit den 33 Seelsorgeeinheiten. Fast in jeder sind zwei Priester tätig. Müssten wir für alle 142 Pfarreien einen Priester bereitstellen, ginge das heute nicht mehr.

Bedeutet das, dass bei einem Weggang einfach mehr Aufgaben auf weniger Priester verteilt werden?

Wir haben zwar immer noch gleich viele Seelsorgerinnen und Seelsorger wie vor 50 Jahren, aber mehr Katechetinnen und Pastoralassistentinnen/Pastoralassistenten. Auch diese übernehmen viele Aufgaben – so etwa Diakon Primo Grelli in der Seelsorgeeinheit Mittleres Fürstenland. Bei den kirchlichen Diensten gibt es stets ein Miteinander.

Einer Eucharistiefeier beispielsweise kann aber nach wie vor nur ein Priester vorstehen. Ist hier ein Abbau zu befürchten?

Der Gottesdienstplan ist in vielen Pfarreien permanent ein Thema, unabhängig von der Personalsituation. Wenn wir feststellen, dass gewisse Feiern nicht mehr besucht werden, kann dies zu Änderungen führen. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass es auch in Zukunft genügend Eucharistiefeiern geben wird.

Kirchbürger befürchten, dass mit dem Weggang von Simon Niederer das gesamte kirchliche Leben wegbricht, dass es kein Glockengeläute mehr gibt, keine Mesmerdienste und keine Festgottesdienste mit Kirchenchor.

Diese Ängste sind unnötig. Das Glockengeläut geschieht elektronisch und völlig unabhängig vom Pfarrer. Auch ein Mesmer wird trotz Vakanz der Pfarrstelle in jeder Pfarrei anzutreffen sein. Gleich verhält es sich mit dem Kirchenchor. Der hört nicht einfach auf, in der Kirche zu singen, weil der Pfarrer die Stelle wechselt. Es wäre auch seltsam, wenn dies alles an einer Person hängen würde. Manchmal ist eine Vakanzzeit für eine Pfarrei, respektive Seelsorgeeinheit, sogar wichtig, damit ein Nachfolger tatsächlich neu starten kann. Nicht selten haben sich zudem in einer Phase des Umbruchs neue, aktive Freiwilligen-Gruppen gebildet.

Wenn man davon ausgeht, dass Pfarrer Niederer die Spannungen in Zuzwil verursacht, weshalb versetzt man ihn dann? Ist das nicht eine Problemverschiebung?

Es mag solche Fälle geben, bei denen eine Versetzung zu den selben Problemen führt. Im Falle von Pfarrer Niederer sehe ich das aber nicht so. Eine Konfliktsituation hat stets viele Gesichter. Es gibt immer mehrere Beteiligte und keinen, der allein die Gesamtschuld trägt. Trotzdem ist jetzt ein Wechsel sinnvoll, davon bin ich und auch der Bischof überzeugt.

Was geschieht, wenn sich Simon Niederer partout weigert, eine neue Stelle anzutreten?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Fakt ist, dass er nach der erfolgten Kündigung durch den Kirchenverwaltungsrat staatskirchenrechtlich bald keine Anstellung mehr hat. Insofern ist er also in der gleichen Lage wie jeder andere auch, der arbeitslos ist. Was wir machen können, ist, ihm behilflich zu sein, eine neue Stelle zu finden.

Nach den Vorkommnissen in Zuzwil hat Pfarrer Niederer nicht gerade gute Referenzen. Wie gross sind seine Chancen, überhaupt noch irgendwo eine Anstellung zu bekommen?

Der Bischof kann und wird Pfarrer Niederer an einem anderen Ort zur Wahl empfehlen, aber er kann keiner Kirchgemeinde diktieren, dass sie ihn einstellen muss. Im dualen System liegt dies letztlich in der Entscheidung des Kirchenverwaltungsrats, respektive im Fall einer Pfarrerstelle bei der Kirchbürgerversammlung, die ihn wählen muss. Ich kann mir Simon Niederer gut als Seelsorger in einer anderen Seelsorgeeinheit vorstellen, die Situation in Zuzwil scheint mir aber irreparabel zu sein.

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