Die Ablehnung der Dorfbachsanierung in Zuzwil hat Folgen: Jetzt geht es den Bachanstössern ans Portemonnaie

Nach dem doppelten Nein zum Hochwasserschutz am Zuzwiler Dorfbach an der Urne soll nun ein Gewässerunterhaltskonzept erstellt werden.

Andrea Häusler
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Im Zentrumsbereich wurden am Dorfbach in den Jahren 2010, 2015 und 2019 nennenswerte Unterhaltsarbeiten durchgeführt. (Bild: Andrea Häusler)

Im Zentrumsbereich wurden am Dorfbach in den Jahren 2010, 2015 und 2019 nennenswerte Unterhaltsarbeiten durchgeführt. (Bild: Andrea Häusler)

Mit einem neuen, umfassenden Hochwasserschutzprojekt für den Zuzwiler Dorfbach ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. So lässt sich die Strategie interpretieren, die der Gemeinderat im lokalen Mitteilungsblatt kommuniziert. Statt auf Ausbau wird zunächst auf Unterhalt gesetzt. In einem ersten Schritt soll durch ein Ingenieurbüro ein Konzept erarbeitet werden, welches Massnahmen zum Erhalt der Abflusskapazität des heutigen Gerinnes und zur Pflege der natürlichen Ufer definiert. Die aufgezeigten Massnahmen wären dann in einem zweiten Schritt umzusetzen. Die Zuständigkeit dafür liegt beim Perimeterunternehmen. Die Bachanstösser haben auch die Kosten zu tragen – abzüglich des Gemeindebeitrags von 25 Prozent. Dies ist eine direkte Konsequenz des Neins zum Hochwasserschutzprojekt. Denn als integrierender Bestandteil dessen wäre das vom Kanton geforderte Konzept/die Unterhaltsplanung von einer finanziellen Beteiligung der Bachanstösser befreit gewesen.

Informationsanlass für Perimeterpflichtige

 «Die Stimmberechtigten haben am 20. Oktober beide Hochwasserschutzprojekte abgelehnt. Das akzeptieren wir», sagt Gemeindepräsident Roland Hardegger. Jetzt unverzüglich mit einem neuen Projekt aufzuwarten, würde als Zwängerei ausgelegt.  Ungeachtet dessen gehe vom Bach bei intensiven Niederschlägen weiterhin eine Gefahr mit grossem Schadenpotential aus. «Deshalb hat sich der Gemeinderat zusammen mit Vertretern der Abteilung Wasserbau im Amt für Wasser und Energie, Gedanken zum weiteren Vorgehen gemacht.» Das Resultat: Die Gewässerunterhaltsarbeiten sollen generell definiert, die Massnahmen koordiniert und die vordringlichen ausgeführt werden.

Vorgesehen sei, sagt Hardegger, sämtliche Perimeterpflichtigen an einem Informationsanlass über das Unterhaltspapier und die Unterhaltspflicht am Dorfbach zu informieren. Er geht davon aus, dass das Konzept im Laufe des nächsten Jahres vorliegen wird. Die Kosten dürften in einem tieferen fünfstelligen Bereich liegen.

Unterhalt bisher nicht vernachlässigt

Wurde der Unterhalt des Bachs, vor allem im neuralgischen Bereich des Dorfzentrums, bisher vernachlässigt? Roland Hardegger verneint. «In den Jahren 2010, 2015 und 2019 wurden in diesem Abschnitt Unterhaltsarbeiten durchgeführt.» Alle weiteren seien allerdings, weil ein Konzept fehlt, je nach unmittelbarer Notwendigkeit eher punktuell ausgeführt worden. Ein Unterhaltskonzept ermögliche langfristig einen seriösen Unterhalt des Bachs über die ganze Länge zwischen Thur und Im Hag und mache zudem die Kosten transparent.

Partizipationsverfahren «Hochwasserschutz»

Und wie geht es mit dem eigentlichen Hochwasserschutz weiter? Unter anderem ging ja am 20. November ein Brief des Ad-Hoc-Komitees zur Rettung des Dorfbachs an die Gemeinde und das  Perimeterunternehmen mit der Forderung, den Bach im Zentrum von Zuzwil «ohne weiteren Verzug zu unterhalten» und für die Hochwasserschutzplanung eine Projektgruppe einzusetzen. Roland Hardegger bestätigt das Vorliegen des Schreibens, sagt aber, das dessen Inhalt die nun vorliegende Strategie in keiner Weise beeinflusst habe.

Was den Hochwasserschutz betreffe, gelte es zunächst das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Ein erster Schritt in diese Richtung soll ein runder Tisch mit verschiedenen Interessenvertretern sein. Weiter sei ein Mitwirkungsverfahren angedacht, in dem die Bürgerschaft ihre Meinung frühzeitig einbringen könne, sagt Roland Hardegger. «Mit diesem Prozess soll geklärt werden, ob Sanierungsmassnahmen, die über den Bachunterhalt hinausgehen und einen tatsächlichen Schutz vor Überschwemmungen bieten grundsätzlich überhaupt erwünscht sind.»