Diaspora
Für Integration und gegen Kulturverlust: Wil hat neu einen Albanischen Verein

Um die eigene Kultur zu bewahren, aber auch den Landsleuten bei der Integration zu helfen, hat sich der Albanische Verein Wil formiert.

Gianni Amstutz
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Aktuell laufen die Vorbereitungen für den Tag der offenen Tür am 25. September.

Aktuell laufen die Vorbereitungen für den Tag der offenen Tür am 25. September.

Bild: Gianni Amstutz

Albanerinnen und Albaner machen in der Schweiz die viertgrösste Zuwanderungsgruppe aus. Auch in Wil sind sie zahlreich vertreten. Sie alle über einen Kamm zu scheren, macht jedoch wenig Sinn. Nur schon, weil zwischen ihnen oft grosse Unterschiede bestehen und sie aus verschiedenen Nationen kommen.

Manche leben in zweiter oder dritter Generation hier, kennen die Heimat mehrheitlich aus den Ferien, andere sind erst vor ein paar Jahren in die Schweiz gekommen. Die einen sind bestens integriert und teils eingebürgert, die anderen bleiben aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse eher unter sich. Diese Gründe sieht Betim Salija unter anderem als mögliche Ursachen dafür, dass es unter den Albanern in Wil keine wirkliche Gemeinschaft gibt. Doch damit soll bald Schluss sein.

Die Funktion eines Brückenbauers

Salija hat zusammen mit acht weiteren Personen den Albanischen Verein Wil gegründet. Dieser verfolgt zwei Hauptziele: Er soll eine Art Brückenbauerfunktion zwischen Albanern und der Stadt einnehmen. Denn obwohl die Stadt viele tolle Angebote habe, die bei der Integration und dem Leben allgemein in Wil helfen, gelangten die Informationen oft nicht zu den albanischen Familien, sagt Feride Hasani, die ebenfalls im Vorstand des Vereins tätig ist.

«Das Problem ist, dass manche Personen nicht wissen, wo sie sich Hilfe holen können.»

Hier soll der Verein ins Spiel kommen, der näher an diesen Familien dran ist als die Stadt und sie bei Problemen und Fragen an die entsprechenden Stellen weitervermitteln kann.

Kultur bewahren und zum gegenseitigen Verständnis beitragen

Doch es geht beim Albanischen Verein längst nicht nur um Integrationshilfe. Denn gerade jene Albaner, die sehr gut integriert sind und seit mehreren Generationen in der Schweiz leben, drohen den Bezug zu ihrer Kultur zu verlieren. «Das wollen wir verhindern und die albanische Kultur pflegen», sagt Betim Salija.

Der Albanische Verein Wil möchte auch zum gegenseitigen Verständnis zwischen Albanern und Schweizern beitragen. Denn noch immer gebe es Vorurteile, die teilweise auch medial verstärkt würden, sagt Salija. Er habe gelernt, solche Anfeindungen und Generalisierungen zu ignorieren. Er und die anderen Vorstandsmitglieder wollen mit ihrem Verein aber dafür sorgen, dass Vorbehalte zwischen den Kulturen überwunden, die verschiedenen kulturellen Hintergründe als Bereicherung empfunden werden.

An Ideen mangelt es nicht. Doch zurzeit hemmt die Coronapandemie das Tempo etwas, mit dem der Verein vorwärtsmachen will. Denn öffentliche Veranstaltungen zu organisieren, ist mit vielen Unsicherheiten verbunden. Ein Anlass, um den Verein bekannt zu machen, findet aber trotzdem statt. Am 25. September lädt der Verein zum Tag der offenen Tür im Mattschulhaus ein.

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