Diät gehalten für die Wissenschaft: Aurora Rago aus Uzwil hat sich für ihre Maturaarbeit sieben Wochen lang nach der Low-Carb-Diät ernährt

Während dieser Zeit hat die Gymischülerin fünf Kilogramm an Gewicht verloren, doch ums Abnehmen ging es ihr eigentlich gar nicht. Uneingeschränkt empfehlen kann sie die Low-Carb-Diät trotzdem nicht.

Lara Wüest
Drucken
Teilen
Durch die fehlenden Kohlenhydrate fehlte Aurora Rago auch die Energie zum Joggen. (Bild: Lara Wüest)

Durch die fehlenden Kohlenhydrate fehlte Aurora Rago auch die Energie zum Joggen. (Bild: Lara Wüest)

Die Gymischülerin Aurora Rago ist weder zu dünn noch zu dick, ihr Gewicht liegt im Normalbereich. Trotzdem hat sich die 18-Jährige Uzwilerin entschlossen, für ihre Maturaarbeit Diät zu halten. Während sieben Wochen hat sie im vergangenen Sommer auf Brot, Teigwaren, Reis und Süsses verzichtet und sich vorwiegend von Gemüse, Früchten Eiern, Fisch und Fleisch ernährt.

Diese Ernährungsweise ist auch bekannt unter dem Namen Low-Carb-Diät. Die Kohlenhydrate werden dabei durch Fette und Proteine ersetzt. In Fitnesskreisen wird Low-Carb häufig als effiziente Methode zum Abnehmen angepriesen. Immer wieder steht die Diät aber auch in der Kritik. So kann sie zum Beispiel das Risiko für einen Herzinfarkt oder Nierenschäden erhöhen, wenn man es mit dem Verzicht auf Kohlenhydrate übertreibt. Und der Jojo-Effekt ist vorprogrammiert. Auch Rago machte mit Low-Carb nicht nur gute Erfahrungen. Insgesamt zieht sie aber ein positives Fazit.

Einmal pro Woche zum Hausarzt

Aurora Rago wollte mit ihrem Projekt nicht abnehmen, in ihrem Körper fühlt sie sich wohl. Zwar ist sie, wie viele Jugendliche in ihrem Alter, dem Fitnesstraining ein wenig verfallen. «Ich trainiere drei- bis viermal pro Woche», sagt sie. Doch das mache sie, weil sie sich gerne bewege. Mit ihrer Diät wollte Rago vielmehr herausfinden, was der Verzicht auf Kohlenhydrate mit ihrem Körper macht.

Seit längerem interessiert sie sich für Ernährungsthemen in Zusammenhang mit Gesundheit und Sport. Einmal pro Woche ging sie deshalb für ihr Projekt zum Hausarzt und liess dort ihren Blutzucker, den Cholesterinspiegel und das Körperfett messen. Zu Hause überwachte sie die Veränderung ihres Gewichts und überprüfte regelmässig ihre Ausdauer. Dazu ging sie zweimal pro Woche auf die Laufbahn und zählte die Runden, die sie innerhalb von 15 Minuten drehen konnte. In einem Tagebuch notierte sie zudem jeden Tag, wie sie sich fühlte.

«Die Ernährung hat einen grossen Einfluss auf das Wohlbefinden.»

Auch das sollte deshalb in ihre Messungen miteinfliessen.

Die Energie aus den Kohlenhydraten fehlte

Um die Schlussfolgerungen ihres Versuches zu stützen, holte sie zudem eine Kollegin als Kontrollperson mit ins Boot, die alle Test mitmachte, ihre Ernährung aber wie gewohnt beibehielt. Einige Ergebnisse der Tests waren erfreulich: Der Blutzucker von Rago sank, der Fettgehalt ihres Körpers ging zurück, am Ende der sieben Wochen hatte sie fünf Kilogramm abgenommen. Bei ihrer Kollegin blieben die Werte konstant. Einige Gesundheitsdaten verschlechterten sich jedoch auch. Ihr Cholesterinspiegel stieg an, da sie mehr tierische Lebensmittel ass. Und ihre sportliche Leistungsfähigkeit nahm deutlich ab. Während die Kontrollperson immer mehr Runden auf der Laufbahn drehte, fiel ihr das Rennen zunehmend schwer.

«Mir fehlte die Energie aus den Kohlenhydraten.»

Als sich Rago nach sieben Wochen wieder normal ernährte, erlebte sie zudem zwei böse Überraschungen. Eine Woche nach der Diät schoss der Blutzucker in die Höhe, der Körper musste sich erst wieder an die vielen Kohlenhydrate gewöhnen. Und ihr Gewicht kletterte stark nach oben. Einige Zeit war sie sogar schwerer als vor der Diät. «Ich erlebte den klassischen Jojo-Effekt», sagt sie.

Die Pasta vermisst

Am härtesten war für Rago jedoch die Ernährungsumstellung in den ersten zwei Wochen. «Ich hatte ständig Hunger und war völlig energielos», sagt sie. Zudem ist es der Uzwilerin mit italienischen Wurzeln schwergefallen, auf Pasta zu verzichten. «Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre mir das Ganze schwergefallen», sagt sie.

Ihre Mutter, die in der Familie Rago das Kochen übernimmt, hat ihre Rezepte den Low-Carb-Vorgaben angepasst, und ihr Vater hat bei der Diät seiner Tochter gleich mitgemacht. Und so waren denn auch die Eltern froh, als die sieben Wochen dann vorbei waren. «Meine Mutter hat zum Spass gesagt ‹Nie wider!›», sagt Rago und lacht. «Es war alles sehr aufwendig.»

«Nicht nur gut für die Gesundheit»

Die Worte ihrer Mutter wird sich Rago wohl zu Herzen nehmen. «Längerfristig ist Low-Carb eher teuer und nicht nur gut für die Gesundheit.» Beim Abendessen verzichtet die Schülerin allerdings weiterhin auf Kohlenhydrate. «Ich schlafe dann deutlich besser», sagt sie.

Das Thema Gesundheit wird in ihrem Leben aber auch nach ihrem Experiment eine wichtige Stellung einnehmen. Nach der Matura möchte sie Physiotherapie studieren. «Ich konnte mich nicht zwischen Medizin und Sport entscheiden. Und mit der Physiotherapie kann ich beides kombinieren», sagt sie.