DESASTER: Auf einen Schlag 75 Millionen weg

Ohne Angabe von Gründen haben sich die türkischen Investoren vom FC Wil abgewandt. Damit bleiben die versprochenen Millionen für Investitionen und Spielbetrieb aus. Der Verwaltungsrat ist von den Türken und ebenso vom Wiler Stadtrat enttäuscht.

Hans Suter
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Mit 45 Millionen Franken wollten die türkischen Investoren die IGP-Arena zum Vorzeigestadion ausbauen. Visualisierung: PD

Mit 45 Millionen Franken wollten die türkischen Investoren die IGP-Arena zum Vorzeigestadion ausbauen. Visualisierung: PD

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Es begann wie ein Märchen, als im Juli 2015 der türkische Milliardär Mehmet Nazif Günal mit seiner MNG Group als Hauptaktionär bei der FC Wil 1900 AG einstieg. Auf einen Schlag war der traditionsreiche Wiler Challenge-League-Club seine finanziellen Sorgen los. Allerdings auch die Entscheidungsfreiheit: Fortan hatten die Türken das Sagen. Das trug der damaligen FC-Wil-Führung harsche Kritik ein.

Vom Millioneninvestment zum Sanierungsfall

Die Investoren hatten ambitionierte Pläne. Spielerisch wurde ein möglichst rascher Aufstieg in die höchste Schweizer Spiel­klasse angestrebt, um sodann im europäischen Fussball mitmischen zu können. Um diese Ziele zu erreichen, wurde grosszügig in die Mannschaft investiert. Das Jahresbudget wurde mit über 10 Millionen Franken fast vervierfacht. Sodann sollte ein Sport­hotel errichtet und die IGP-Arena so ausgebaut werden, um auch internationalen Spielen zu genügen. Seit gestern sind diese Pläne vom Tisch. Die türkischen Verwaltungsräte sind zurückgetreten, der Geldfluss ist gekappt. Damit mutiert der FC Wil auf einen Schlag vom Millioneninvestment zum Sanierungsfall.

Es geht um hohe Summen, die nun ausbleiben werden. In den Ausbau des Fussballstadions in Wil wollte die MNG Group 45 Millionen Franken investieren. Weitere 30 Millionen Franken hätten in den Bau eines Recreation-Centers (Sporthotel) fliessen sollen. Ingesamt ein Bauvolumen von 75 Millionen Franken, wie der neu konstituierte Verwaltungsrat der FC Wil 1900 gestern an einer Medienkonferenz ausführte. Zudem ist davon auszugehen, dass pro Saison weitere rund 10 Millionen Franken in den Betrieb geflossen wären. «In den 18 Monaten seit ihrem Einstieg haben die neuen Mehrheitsaktionäre rund 18 Millionen Franken in Personal, Spieler und Stab investiert», sagte Roger Bigger, der dem neuen Verwaltungsrat als Präsident vorsteht. An anderer Stelle war gar die Rede von 25 bis 30 Millionen Franken. Welche Zahl auch immer stimmen mag: Sie gehört der Vergangenheit an.

Enttäuschung und Verärgerung

Der Verwaltungsrat macht keinen Hehl daraus, dass er vom Verhalten der türkischen Investoren enttäuscht ist. Sie haben sich vom FC Wil abgewandt, ohne sich dazu zu äussern. Günal ist für den FC Wil auf keinem Kanal erreichbar. Ein Stil, der laut Beobachtern nicht zu ihm passt. Ob die politischen Wirren in der Türkei oder die schwierige Annäherung mit den Wiler Behörden zum Eclat geführt haben, ist dem Verwaltungsrat nicht bekannt.

Maurice Weber, im Verwaltungsrat für Baufragen zuständig, ist enttäuscht und verärgert ob dem Verhalten der Stadt Wil. Er wirft den Behörden vor, sich nicht adäquat für die Bauvorhaben der Investoren eingesetzt zu haben. Stattdessen seien laufend Steine in den Weg gelegt worden. Zum Teil widersprechen sich öffentliche Aussagen von Stadt und FC Wil diametral. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, wird einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten sein – mit vorerst wohl ungewissem Ausgang. 15

FC Wil: SVP fordert Aufklärung

Die SVP Wil hat vom Ausstieg der türkischen Investoren beim FC Wil Kenntnis genommen. «Die SVP bedauert diesen Entscheid», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Sie hatte erwartet, dass nach den Turbulenzen beim FC Wil in den letzten Jahren mit der Übernahme der Aktienmehrheit seitens der MNG-Gruppe von Mehmet Nazif Günal Ruhe in den Verein einziehen werde. «Das wäre dringend notwendig gewesen, nicht zuletzt um dem traditionsreichen FC Wil zu erlauben, sich auf die sportlichen Leistungen konzentrieren zu können.» Nun stehe die Stadt Wil einmal mehr vor einem fussballerischen Scherbenhaufen.

«Es ist der SVP ein Anliegen, dass die Umstände, die zu dieser unglücklichen Situation geführt haben, schonungslos aufgeklärt werden», hält die Partei fest. In einem ersten Schritt wird die SVP-Fraktion an der Sitzung des Wiler Stadtparlaments von heute Abend eine dringliche Interpellation einreichen, «um die Rolle der Stadt in dieser für Wil schädlichen Angelegenheit zu erfahren». Abhängig von den erhaltenen Antworten behält sich die SVP-Fraktion vor, weitere Schritte auf der politischen Ebene in die Wege zu leiten. (ph)