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Der zurückgetretene IG OeV-Präsident Urs K. Scheller übt Kritik an Wiler Verkehrskonzept

Zwölf Jahre lang war Urs K. Scheller Präsident der IG OeV Wil. Nun tritt er zurück und zieht eine durchzogene Bilanz. Er kritisiert, die Region Wil messe dem öffentlichen Verkehr nicht genügend Bedeutung bei – und sagt, was sie besser machen müsste.
Lara Wüest
Urs K. Scheller setzte sich zwölf Jahre dafür ein, dass der Busverkehr den Autos bevorzugt wird. Jetzt hat er genug. (Bild: Lara Wüest)

Urs K. Scheller setzte sich zwölf Jahre dafür ein, dass der Busverkehr den Autos bevorzugt wird. Jetzt hat er genug. (Bild: Lara Wüest)

Urs K. Scheller ist ein energischer Mann. Wenn er etwas sagt, spricht er langsam und mit Nachdruck, sein Gesicht bleibt ernst. Und zu sagen hat er viel, sobald die Sprache auf den öffentlichen Verkehr in Wil kommt. Zwölf Jahre leitete er, erst als Vizepräsident, später als Präsident, die Geschicke der Interessengemeinschaft Öffentlicher Verkehr Region Wil, kurz IG OeV Wil. Zweck der Interessengemeinschaft ist es, den öffentlichen Verkehr in der Region zu fördern und die Belange von dessen Benutzerinnen und Benutzern zu vertreten.

Nach zwölf Jahren tritt Urs K. Scheller nun zurück. Bewirkt, sagt er, habe er in seiner Zeit als Präsident zu wenig. «Ich habe das Amt zwar gerne ausgeführt, aber die Mühlen der Wiler Verkehrspolitik mahlen mir zu langsam.» Jahrelang hat der 78-Jährige dafür gekämpft, dass der öffentliche Verkehr, konkret die Busse, gegenüber dem Individualverkehr bevorzugt werden. «Die steigenden Benutzerzahlen des öffentlichen Verkehrs sprechen schliesslich dafür», sagt er. Doch erreicht hätten er und seine Mitstreiter einzig, dass die Busse im Viertel-Stunden-Takt fahren. «Das ist wenig», sagt er. Nach zwölf Jahren ist seine Geduld am Ende.

Grossspurige Umfahrung der Stadt gefordert

Die Region Wil ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Ostschweiz, viele Auto-, Bus- und Velofahrer sowie Fussgänger suchen sich täglich ihren Weg durch die hiesigen Strassen. Und diese Strassen bereiten vielen rote Köpfe. Schon lange kämpft Wil mit ein und demselben Problem: Die Strassen durch die Stadt sind oft verstopft, zu den Hauptverkehrszeiten brauchen ihre Nutzer viel Geduld.

Gründe dafür gibt es mehrere: Die Strassen sind grundsätzlich stark befahren. Es fehlt zudem an separaten Busspuren, oft müssen sich die Busfahrer in die Autokolonnen einfädeln, Verspätungen sind an der Tagesordnung. Und die Anschlussstelle zur bestehenden Autobahn beim Kreisel Freudenau ist so kurz, dass bereits zwei Lastwagen ausreichen, um die Strassen zu verstopfen. Dann staut sich der Verkehr bis auf die Georg-Rennerstrasse Richtung Toggenburg.

Stadt und Region wollen die verstopften Strassen mit verschiedenen Projekten bekämpfen. Dass dies gelingt, bezweifelt Urs K. Scheller. Er kritisiert: «Es gibt zu viele Teilprojekte. Einige behindern sich gegenseitig.» Es fehle eine übergeordnete Lösung, sagt der 78-Jährige – und schlägt eine solche auch gleich vor: Scheller fordert eine grossspurigere Umfahrung der Stadt mit einem neuen Tunnel. Und die Absenkung des Schwanenkreisels unter die Erde.

«Nieselbergtunnel drängt sich auf»

Eines der Teilprojekte, das die Stadt zur Entlastung der verstopften Strassen plant, ist das Verkehrskonzept 2030-35. Dieses sieht zum Teil grundlegende Änderungen vor: Busse erhalten eigene Spuren, Durchmesserlinien entstehen, die Zürcher-, St. Galler-, Glärnisch- und Toggenburgerstrasse werden zu Hauptverkehrsachsen. Dieses Konzept, sagt Urs K. Scheller, löse die Probleme jedoch nur teilweise. «Die geplanten Zufahrten der neuen Autobahnausfahrt Wil West sind zu klein.» Die Probleme bei der Rudenzburgkreuzung und beim Schwanenkreisel würden nicht richtig angegangen. Eine leistungsfähige Umfahrung des Ortskerns sei aus dem Konzept nicht ersichtlich. Scheller spricht sich deshalb für eine grossräumigere Umfahrung der Stadt aus und fordert «stärkere» Zufahrten beim Autobahnanschluss Wil West, zudem einen Autobahnanschluss Wil Ost und einen neuen Tunnel: den Nieselbergtunnel. «Dieser drängt sich geradezu auf», sagt er. Wer aus Richtung St. Gallen nach Rossrüti fährt, könnte also vor der Stadt abbiegen.

Härtere Worte findet Scheller für das Betriebs- und Gestaltungskonzept «Zürcherstrasse». Auch das ein Projekt, welches die Strassen entlasten soll, etwa mit separaten Busspuren. Die Arbeit, die das Planungsbüro Metron hier geleistet hat, ist mickrig und enttäuschend», sagt Scheller. Seine Kritik: «Durch das Projekt Wil West wird es künftig rund 20 Prozent mehr Verkehr auf der Zürcherstrasse haben. Das Planungsbüro rechnet jedoch nur mit 1 Prozent Mehrverkehr.» Eine separate Busspur sei zudem nur auf einzelnen Strassenabschnitten vorgesehen. Scheller ist sich sicher: «Die Zürcherstrasse wird nach der Realisierung von Wil West noch mehr verstopft sein als heute.» Die Lösung, die Urs K. Scheller vorschwebt, ist eine radikale: Er fordert, dass der Schwanenkreisel unter die Erde verlegt wird. «Oberirdisch sollen nur noch die Busse, Velos und Fussgänger unterwegs sein.»

«Neuer Bahnhofplatz birgt Gefahren»

Auch am neuen Bahnhofplatz, über den die Wilerinnen und Wiler im Jahr 2022 abstimmen, übt Urs K. Scheller Kritik: Es sei ein «mediokres Siegerprojekt ohne Pepp». «Es ist zu teuer und bringt für Zug- und Busfahrende Mühsal und Gefahren.» Was Scheller besonders stört: Die Mittelinsel, an der 12 von 14 Bussen ihre Haltestellen haben, sei schlecht geplant. Die Passagiere müssten vom Bahnhof zur Insel zwischen den fahrenden Bussen hindurchlaufen. «Wer in Eile ist oder bei Regen seinen Schirm aufgespannt hat und deswegen unaufmerksam ist, läuft Gefahr, von einem Bus angefahren zu werden», kritisiert Scheller. Er fordert, dass die bereits bestehenden Unterführungen West und Ost direkt auf die Mittelinsel hochführen. Sein Fazit: «Wenn die Region die Probleme mit dem Verkehr nicht angeht, sieht die Zukunft düster aus.»

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