Der Wiler Sportförderer René Brühwiler hat sein Leben dem Judo verschrieben: «Ich würde meinen Lebensunterhalt gerne mit der japanischen Kampfsportart verdienen» 

Der Judo-Weltkampfrichter René Brühwiler ist an der 13. Nacht des Wiler Sports zum Sportförderer 2019 ausgezeichnet worden. Für den 55-Jährigen aus Rossrüti ist Judo mehr als ein Sport – und er hat noch einen letzten grossen Traum.

Tim Frei
Hören
Drucken
Teilen
René Brühwiler aus Rossrüti war in seiner Dankesrede den Tränen nahe.

René Brühwiler aus Rossrüti war in seiner Dankesrede den Tränen nahe. 

Urs Bucher

Dieser Moment sagt so viel über den 55-jährigen René Brühwiler: Als er bei der Nacht des Wiler Sports als Sportförderer 2019 ausgezeichnet wird, ist er den Tränen nahe. Brühwiler ringt in seiner Dankesrede um Worte. «Ich bin völlig überrascht», sagt er.

Beinahe wäre der Judo-Weltkampfschiedsrichter am Freitag gar nicht im Stadtsaal gewesen, denn geplant war der Besuch des internationalen Schiedsrichterseminars in Doha. Weil der Schweizer Judo- und Ju-Jitsu-Verband aber sparen muss, verzichtete der Rossrüter auf die Reise in den Wüstenstaat. «Umso mehr freut es mich, hier geehrt zu werden», sagt Brühwiler, der sich auf der Bühne wie im Judo mit einer Verneigung verabschiedete.

Wettkämpfer, Trainer, Ausbildner, Weltkampfrichter, Präsident

Mit dem Sportförderpreis werden Personen ausgezeichnet, die sich in besonderem Mass für den Wiler Sport verdient gemacht haben. Zu Brühwiler passt dieses Attribut zweifellos. Judo ist für ihn mehr als der Sport, mit dem er im Alter von sieben Jahren im Budo-Sport-Club Arashi Yama Wil begonnen hat und dem er seither treu geblieben ist. Brühwiler ist seit 2018 im Besitz des Meistergrads sechster Dan. Er sagt:

«Judo ist mein Leben und eine Herzensangelegenheit für mich.»

Zuerst machte Brühwiler als Wettkämpfer national und international Karriere. Gleichzeitig verschrieb er sich der Nachwuchsförderung: Er war und ist heute noch als Trainer und als «Jugend und Sport»-Experte aktiv.

1990 begann er seine Laufbahn als Kampfrichter. Zuerst in der Region, später national und seit 2016 auf internationalem Topniveau. Aktuell gibt es in der Schweiz nur noch einen weiteren aktiven Weltkampfrichter, einen Westschweizer. Brühwiler ist als nationaler Kampfrichter-Obmann für die Ausbildung verantwortlich. Zudem war er im Judo lange als Vorstandsmitglied tätig, unter anderem präsidierte er während 21 Jahren den Budo-Sport-Club in Wil.

Brühwiler kann sich Engagement als Sportkoordinator in einem Verband und als Sportleiter in Wiler Schulen vorstellen

Noch heute investiert Brühwiler den Grossteil seiner Freizeit ins Judo – nebst einem 120-Prozent-Job: Pro Jahr hat er mindestens 30 Wochenendeinsätze zu je 16 Stunden. 90 Minuten pro Woche steht er selbst auf der Matte und erledigt auch noch viel Administratives. Brühwiler würde seinen Lebensunterhalt gerne mit Judo verdienen, wie das etwa in Deutschland und Österreich möglich ist. Er sagt:

«Mein Traum wäre es, dank dem Sportförderpreis als Funktionär in einem Verband oder einem Sportamt Fuss fassen und meine Leidenschaft für die Nachwuchsförderung ausleben zu können.»

Brühwiler könnte sich zum Beispiel ein Engagement zu 50 Prozent als Sportkoordinator in einem Verband und zu 30 Prozent als Sportleiter in Schulen in Wil und Umgebung vorstellen, «um den Kindern Judo als Lebensschule beizubringen». Wichtig wären ihm dabei die Vermittlung von Werten wie Respekt und Bescheidenheit.