Der Wiler Schandfleck kommt weg: Beim Landhausareal geht es voran

Schon lange gibt das Landhausareal beim Bahnhof Wil eine schlechte Visitenkarte für die Stadt ab. Das soll sich nun ändern. Der Gestaltungsplan für die neue Überbauung mit über 100 Wohnungen und Gewerbeflächen wurde verabschiedet. Schon im nächsten Jahr soll der Bau beginnen.

Gianni Amstutz
Drucken
Teilen
So soll das Landhausareal dereinst aussehen.

So soll das Landhausareal dereinst aussehen.

Visualisierung: PD

Es gibt wahrlich schönere Orte in Wil. Das Landhausareal an der Unteren Bahnhofstrasse 1 bis 11 macht einen heruntergekommenen Eindruck. Dabei wäre die Lage im Zentrum Wils unmittelbar beim Bahnhof eigentlich gut.

Schon vor Jahren entstanden Pläne, das Areal neu zu überbauen. 2015 wurde ein Gestaltungsplan aufgelegt. Einsprachen verhinderten jedoch damals die Realisierung des Projekts. Diese sind inzwischen bereinigt.

Jetzt tut sich was auf dem Landhausareal. Der Stadtrat hat den angepassten Gestaltungsplan verabschiedet. Bereits im Januar soll das Baugesuch öffentlich aufgelegt werden. Gibt es danach keine grösseren Verzögerungen, rechnet die Bauherrin Mettler2Invest im dritten Quartal des nächsten Jahres mit dem Baubeginn.

Ein Leuchtturm für die Stadt Wil

Das 70 Millionen Franken teure Projekt des Büros Staufer & Hasler Architekten AG soll aus dem derzeitigen Schandfleck einen Leuchtturm für die Stadt Wil machen. Als solchen bezeichneten es sowohl Stefan Schreiber, Projektverantwortlicher von Mettler2Invest, als auch Stadtrat Daniel Stutz.

Die schiere Grösse der Überbauung ist ein Grund dafür. So sollen insgesamt 103 Mietwohnungen entstehen, von Eineinhalbzimmerwohnungen bis zu Fünfeinhalbzimmerwohnungen. Zudem entstehen im Erd- und 1. Obergeschoss 4300 Quadratmeter Gewerbe- und Büroflächen.

Der zweite Grund, wieso die Verantwortlichen der Stadt und der Bauherrschaft von der geplanten Überbauung schwärmen, erklärte Daniel Stutz:

«Das Projekt ist das erste östlich von Winterthur, das 2000-Watt-konform realisiert wird.»

Das bedeutet, dass das Areal die Energie- und Klimaziele des Bundes und der Stadt erfüllt, wonach man bis ins Jahr 2050 klimaneutral sein will. Das wiederum heisst, dass eine Person in den vier Bereichen Konsum, Ernährung, Mobilität und Wohnen nicht mehr als 2000 Watt pro Jahr verbraucht.

Fotovoltaik, Erdsonden und Carsharing

Doch was macht die geplante Überbauung 2000-Watt-konform? Wie Stefan Schreiber erklärt, beginnt dies bereits bei den verwendeten Baumaterialien. Zudem werden Fotovoltaikanlagen auf den Dächern der zwei Bauten sowie Erdsonden mit Wärmepumpen einen Grossteil der benötigten Energie liefern.

Ohne die Lage direkt am Bahnhof wäre die Zertifizierung als 2000-Watt-Areal aber kaum möglich gewesen. Denn so kann dank der guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr auf einen Teil der Parkplätze verzichtet werden.

Zudem werden in der Tiefgarage drei Carsharing-Fahrzeuge und Ladestationen für E-Bikes zur Verfügung gestellt. Daniel Stutz nannte das Projekt deshalb «eine Referenz für eine städtebauliche Entwicklung, die weit über Wil hinaus Beachtung finden wird».

Koordination mit angrenzenden Projekten der Stadt und der SBB

Dass es doch etwas länger dauerte, bis mit der Realisierung der Überbauung begonnen werden konnte, liegt nur zu einem Teil an den Einsprachen gegen den ursprünglichen Gestaltungsplan. Was die Vorarbeiten anspruchsvoll machte, sind die zahlreichen baulichen Massnahmen im direkten Umfeld der Unteren Bahnhofstrasse 1 bis 11, wie Stadtplanerin Beatrice Aebi aufzeigte.

Einige sind Projekte der Stadt, wie etwa die Unterführung Hubstrasse im Osten der Überbauung sowie die geplante Velounteführung im Posttunnel parallel zur heutigen SBB-Hauptunterführung. Für die Erschliessung der Velounterführung wird westlich des Landhausareals eine Rampe gebaut. Aufgrund der Platzverhältnisse muss für diese Rampe das Avec-Rondell abgebrochen werden.

Hinzu kommt, dass die SBB ein Umbau der Bahnanlagen inklusive Perrons planen. Auch hier sei eine grosse Koordinationsarbeit nötig, führte Stefan Schreiber aus. Diese gelinge dank der konstruktiven Arbeit der Stadtplanung und des gesamten Departements aber sehr gut.

Teil des Bauprojekts von Mettler2Invest ist auch eine Veloabstellanlage im Untergeschoss. Diese ersetzt die derzeitige Abstellanlage. Der Stadtrat wird dem Parlament demnächst Bericht und Antrag zur Finanzierung der unterirdischen Veloparkierung zur Genehmigung vorlegen.