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Ein Wiler inmitten der euphorischen E-Sports-Szene

Die Begeisterung für E-Sport wächst stetig – auch in der Schweiz. Silvan Loser ist ein solcher E-Sportler. Der 21-jährige Wiler investiert viel Zeit in sein Hobby, hauptberuflich will er es jedoch nicht machen.
Nicola Ryser
Die E-Sport-Events erhalten immer mehr Aufmerksamkeit. Für die Sponsoren ist es ein lukratives Geschäft. Bild: Andrea Stalder

Die E-Sport-Events erhalten immer mehr Aufmerksamkeit. Für die Sponsoren ist es ein lukratives Geschäft. Bild: Andrea Stalder

Ein Werbespot der Swisscom zeigt einen jungen Mann, wie er die Kopfhörer aufsetzt, mit Kollegen an den Computerbildschirmen sitzt oder ins tobende Stadion einläuft. Immer wieder erscheinen Überschriften: «Es beginnt mit Faszination, mit Leidenschaft, mit Freunden, mit Ehrgeiz. Das Spiel beginnt mit dir.»

Das Video kündigt die von der Swisscom organisierte «Hero League» an, eine neue Schweizer E-Sports-Liga. Die Aufmachung wirkt aufwendig, die Hintergrundmusik trifft epische Klänge. Und mittendrin ist dieser junge Mann, Silvan Loser, 21, E-Sportler aus Bronschhofen.

Zehn Stunden in der Woche Training – im Minimum

E-Sport oder elektronischer Sport, sprich ein Wettkampf mit Videospielen, ist im Trend, zumindest bei der jungen Generation. Weltweit treffen sich Spieler an von Tausenden Zuschauern besuchten Events, um per Computer oder Konsole gegeneinander anzutreten – ob im strategischen Wettbewerb, sportlichen Fussballmatch oder brutalen Kriegsspiel. Auch in der Schweiz werden solche Veranstaltungen fiebrig mitverfolgt, während der E-Sports-WM im Herbst fand sogar ein Public-Viewing in einem Zürcher Kino statt. Die Euphorie geht so weit, dass bereits die Frage aufgeworfen wurde, ob E-Sport künftig als olympische Disziplin aufgenommen werden soll.

Silvan Loser hat eine Erklärung für die Begeisterung: «Es gehört zu unserer Generation, wir haben bei den Videospielen Möglichkeiten, die vor uns niemand hatte, nämlich eine enorm grosse Bandbreite an Games.» Er selbst habe den Weg in den E-Sport vor vier Jahren gefunden. Hatte er früher nur ab und zu auf der Playstation gespielt, ist es seit der Oberstufe ein festes Hobby. Sein präferiertes Spiel: League of Legends. «In einer Arena stehen sich zwei Mannschaften mit je fünf Spielern gegenüber mit dem Ziel, die Festung des Gegners zu zerstören. Dabei müssen zuerst einige Verteidigungsanlagen überwunden werden.» Ein ausgeklügeltes Strategie- und Kampfspiel, erklärt Loser, das viel Routine bedarf.

Silvan Loser, E-Sportler

Silvan Loser, E-Sportler

Der Wiler spielt regelmässig, ein- bis zweimal in der Woche, mindestens zehn Stunden innert sieben Tage. Dieses Training ist notwendig, denn: «Es werden immer mehr Events in der Schweiz veranstaltet. Waren es früher vier bis fünf, sind es heute jährlich acht bis neun. Da will man natürlich erfolgreich sein.» Loser ist äusserst erfolgreich: Er war bereits zweimal Schweizer Meister. An den einzelnen Events nimmt Loser mit jeweils vier weiteren Spielern teil, zusammen formieren sie ihr League-of-Legends-Team.

Sponsoren und Banner sind omnipräsent

Gesponsert werden sie dabei von der E-Sports-Organisation «mYinsanity». Bei E-Sportlern ist es üblich, dass sie bei einer Organisation unter Vertrag stehen. «Wir treten als Team für mYinsanity an und bekommen im Gegenzug Material zur Verfügung gestellt», sagt Loser. Immer mehr Sponsoren steigen in das lukrative Geschäft ein. In Asien oder Nordamerika werden an E-Sports-Events Millionen Dollar an Preisgeld ausgeschüttet. Auch in der Schweiz ist ein wachsender Trend zu spüren: «Hinter der Organisation mYinsanity stehen bereits Marken wie Logitech oder Red Bull. An den Events sieht man folglich immer mehr Banner-Werbungen. Für die Sponsoren ist die Reichweite an solchen Veranstaltungen nun mal gross.»

Neuster Sponsor hinter Losers Organisation: Swisscom. Der Schweizer Netzwerkanbieter plant Grosses. «Das Ziel der Swisscom ist es, die geplante Hero League zu pushen, beispielsweise mit dem Werbespot», sagt Loser. Das Turnier soll im April stattfinden, die acht schweizweit besten Teams oder Spieler pro Spiel kämpfen dabei um den Turniersieg und eine Gesamtpreissumme von 16000 Franken.

Zudem werden alle Spiele auf Swisscom-TV ausgestrahlt. Die Absicht sei es, die globale Begeisterung auch in der Schweiz zu entfachen: «Wenn die Liga gut ankommt, wird die E-Sports-Szene landesweit massiv zulegen.» Losers Team kämpft selbst noch um die Qualifikation.

«Die meisten Schweizer gehen ins Ausland»

Ist eine Professionalisierung des E-Sports – wie unter anderem in Asien – in der Schweiz überhaupt möglich? Loser zeigt sich skeptisch: «Es gibt ja bereits ein Team der Postfinance, das in Vollzeit E-Sport treibt. Die spielen dann täglich acht Stunden, doch der Lohn ist nicht so gut.» Die Spieler erhalten laut Postfinance monatlich 2500 Franken. Sowieso sei es in der Schweiz schwierig, nur durch den Verdienst aus dem E-Sport zu leben. «Die Nachfrage ist hier zu klein. Die meisten Schweizer, die Profis sein wollen, gehen dafür ins Ausland.»

«Es ist ein gutes Gefühl, etwas für die nächste Generation aufzubauen.»

Immerhin erhält Loser wohl bald auch einen kleinen monatlichen Lohn von seiner Organisation. Professionalisieren will sich der gelernte Informatiker dennoch nicht. Er hat einen anderen Antrieb: «Ich liebe den Wettkampf und die Herausforderung, und will einfach gut sein in meinem Spiel. Das ist meine Faszination.»

Loser ist sich sicher, dass der digitale Denksport auch weitere Generationen begeistern wird. Zumindest spüre er das. Erst kürzlich habe er in St. Gallen E-Sport-Lektionen für Oberstufenklassen gegeben, man musste sich jedoch dafür anmelden. Die Kurse waren sofort voll. «Es ist ein gutes Gefühl, etwas für die nächste Generation aufzubauen.»

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