Der Wert des Grases

Alltag

Andrea Häusler
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Gleichmässig ratternde Dieselmotoren, stiebendes Heu, die Luft geschwängert mit dem würzigen Duft trockenen Grases. Für jene, die Wiesland besitzen, war gestern nichts mit Sonntagsruhe. In jeder Ecke der Region wurde gemäht, gewendet, gezettelt und geladen, was Maschinen, Manneskraft und Frauenpower hergaben.

Es gilt die Gunst des Wetters zu nutzen, die Scheunen für den Winter zu füllen. Mit Viehfutter; Heu, dessen Wert in erster Linie im Nähwert besteht. Diese Überzeugung herrschte zumindest bis vor wenigen Tagen noch vor. Seit jedoch der kanadische Popstar Justin Bieber helvetisches Grünland betreten hat, haben sich die Werte verschoben. Es keimte das Bewusstsein, dass Gras möglicherweise ein Vielfaches des Futtermittelpreises einbringen könnte. Vorausgesetzt, nicht nur Wild- und Haustiere hatten es durchstreift, sondern Menschen, die Spuren hinterlassen. Nicht im Gras, vielmehr in den Köpfen und Herzen ihrer Fangemeinden.

Für 1000 Franken soll – laut einer Meldung von 20 Minuten – ein User auf tutti.ch ein Büschel Grashalme angeboten haben, die Justin Bieber beim Tschutten auf der Zürcher China-Wiese (angeblich) betreten hatte. Kreativ? Nur dämlich? Auf jeden Fall nicht neu. Eine vergleichbare Geschäftsidee hatten die Gebrüder Grimm bereits im Jahr 1812, als sie Rumpelstilzchen Stroh zu Gold spinnen liessen. Das Schicksal der egozentrischen Märchenfigur ist bekannt, dürfte Nachahmer abschrecken. Die Kühe, die wird es freuen.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch