Der Ton macht die Musik

Die Donnerstagsgesellschaft Oberuzwil hat zu einem ungewöhnlichen Musikabend eingeladen. Bruno Bieri zeigt mit seinem Programm «Hang und Xang» eine musikalisch-poetische Vielfalt.

Kathrin Meier-Gross
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OBERUZWIL. Schnellen Schrittes schreitet Bruno Bieri durch die evangelische Kirche zum Altarraum und nimmt Platz. Schon klopfen seine Finger behende auf das einer umgekehrten Wokpfanne ähnliche Instrument. Fein und weich klingen die Töne durch das Gotteshaus.

«C'est le ton qui fait la musique», singt Bieri und wechselt in den Obertongesang – immerzu begleitet von den meditativen Klängen, die seine Finger aus der Schale klopfen. Texte aus Hesses Siddharta führen über in den Untertongesang. «Ooohm» – das Klang gewordene Wort bezeichnet Bieri als entspannend, und er liefert gleich die berndeutsche Fassung dazu: «eh nu so de», abgekürzt: «eh nu».

Erde und Himmel verbinden

Im Sprechgesang liefert er die Wegbeschreibung zu Hesses Haus im Tessin, wo Bieri dem nebelverhangenen Bernbiet entflieht. Calypso-Rhythmen und Mani Matters Lied vom «Lob vor Fuulheit» bringen Ferienstimmung. Er werde häufig gefragt, wo er gelernt habe, so tief und so hoch zu singen. Bieri, der als selbständiger Musiker und als Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule in Solothurn tätig ist, liefert sogleich die Antwort: «Auf der kleinen Scheidegg.» Dort habe er in den Kühen ein Vorbild gefunden.

Deren Wiederkäuen werde von einem leisen «mmmh» begleitet, hin und wieder von einem «Gorps» unterbrochen. Mit Hörnern bestückt, stehe die Kuh in direktem Kontakt zum Himmel. Wie die Gesänge aus der Mongolei. Diese würden versuchen, Erde und Himmel zu verbinden. Auch er singe im Einklang mit der Natur. Bei Vollmond in Demeterqualität! Mantra, das klang gewordene Wort, könne auch als Rap – Rhythm and Poetry – gesungen werden. Immer wieder stimmt Bieri Lieder von Mani Matter an und zeigt die fast schon philosophische Tiefe, die der Berner Troubadour in einfachen Aussagen ausgedrückt hat.

Die Quintessenz

«Hang», so der berndeutsche Name, bedeutet Hand. Das Perkussionsinstrument ist in Bern erfunden worden. Ähnliches gibt es in der Karibik, in Indien und afrikanischen Staaten. Die vokalen Unter- und Obertonwelten umfassen fünf Oktaven. Grundlage bilde ein nasales L, erläutert der Sänger. Später fordert er das Publikum auf, beim «Vreneli ab äm Guggisberg» mitzusingen. Das französische Lied eines Deserteurs ist dramatisch. Mit dem «Hang» wird die Quintessenz, das Wesentliche, hervorgehoben: der Mensch auf der Suche nach dem Lebensglück. Bieri verbeugt sich und schreitet unter grossem Applaus schnellen Schrittes zur Kirche hinaus.