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Der Tischtennisclub Wil profitiert von seiner Klasse: Elia Schmid im Porträt

Der Berner stand vor einer grossen internationalen Karriere – bis Elia Schmid sie beendete. Auf nationaler Ebene zählt der 22-Jährige zu den Hoffnungsträgern in Wil. Morgen spielt er mit dem NLA-Club im Playoff-Viertelfinal gegen Lancy.
David Metzger
Der 22-jährige Elia Schmid strebt mit dem Tischtennisclub Wil den vierten Meistertitel in Serie an. (Bild: David Metzger)

Der 22-jährige Elia Schmid strebt mit dem Tischtennisclub Wil den vierten Meistertitel in Serie an. (Bild: David Metzger)

Einst bestaunte er ihn im Fernsehen. Dann stand er ihm plötzlich gegenüber. Als 20-Jähriger hatte sich Elia Schmid 2016 für die Ausscheidungsphase der Europameisterschaften in Budapest qualifiziert. Es war der zwischenzeitliche Höhepunkt in der Karriere der damaligen Nummer 228 der Welt.

Und dann legte Schmid noch einen drauf. Gegen den dreifachen Europameister Wladimir Samsonow aus Weissrussland lag der gebürtige Berner aus Meiringen im ersten Satz 8:10 zurück, ehe er zwei Satzbälle abwehrte und den Durchgang mit 12:10 für sich entschied. Ein nicht für möglich gehaltener Achtungserfolg, auf den Schmid auch heute noch angesprochen wird – auch wenn Samsonow alle weiteren Sätze gewann.

WM 2017 findet ohne Schmid statt

Szenenwechsel: Ein gutes Jahr später finden im deutschen Düsseldorf die Weltmeisterschaften im Tischtennis statt. Die Halle ist über alle Tage ausverkauft, insgesamt sehen 60000 Zuschauer die WM vor Ort.

Auch Elia Schmid könnte in den Genuss dieser speziellen Wettkampfatmosphäre kommen, sich bis unter die besten 100 Spieler der Welt vorgekämpft haben –und die Schweiz international auf ein höheres Level gehievt haben. Doch der Tischtennisprofi Schmid will nicht mehr.

Aus Nationalteam getreten

Monate zuvor entschied sich Schmid, seine internationale Karriere zu beenden. Schmid sagt:

«Durch das tägliche Training über die Jahre verlor ich sukzessive die Lust am Sport.»

«Deshalb zog ich nach einer gereiften Entscheidung die Reissleine.» Als NLA-Spieler bei Rio-Star Muttenz, Kloten und heute Wil blieb Schmid dem Tischtennis aber weiterhin verbunden.

Training in Zürich

Tischtennisclub Wil statt Nationalteam. 200 Zuschauer in der Wiler Lindenhofhalle statt 12000 Zuschauer an der WM. Am Tag des Treffens mit der «Wiler Zeitung» muss Schmid gar eigenständig mit der Support-Hotline des Sportamtes der Stadt Zürich Kontakt aufnehmen, um mit seinem deutschen Trainingspartner Dennis Dickhardt Zugang zum Tischtennisinventar der Saalsporthalle zu erhalten.

Obschon der 22-Jährige Schmid beim TTC Wil spielt, trainiert er grösstenteils in Zürich. «Sowohl für mich als auch für Teamkollege Christian Hotz ist es naheliegender, hier zu trainieren», sagt Schmid. Hinzu kommt, dass der dritte Spieler beim TTC Wil, Matiss Burgis, aus Lettland stammt und einzig für Spiele eingeflogen wird. Trainingspartner Dickhardt bedauert, dass Schmid nicht mehr im Nationalteam vertreten ist. «Elia hat aber wohl grundsätzlich den vernünftigeren Weg eingeschlagen.»

Neuer Fokus: Studium, Sozialleben und Reisen

Vernünftig – das bedeutet bei Schmid, den Fokus auf die Ausbildung zu legen. Mit dem geringeren Trainingsaufwand ist es möglich, ein Studium in Wirtschaftsrecht in Winterthur zu absolvieren. Schmid ist im zweiten Semester. Schmid sagt:

«Wirtschaftsrecht und Tischtennis: Für mich ist das die ideale Work-Life-Balance.»

Nicht nur schulisch hat er seinen Horizont erweitert. Schmid spricht von einem intensiveren Sozialleben und der Faszination fürs Reisen, die er entdeckt hat. Mit dem Nationalteam war er früher oft unterwegs, zum Beispiel zweimal in Stockholm am Swedish Open. Schmid sagt:

«Doch von der Stadt haben wir so gut wie nichts mitbekommen.»

Dies ist nun anders. Zuletzt weilte Schmid als Tourist zum dritten Mal in Stockholm und war sogleich angetan von der schwedischen Hauptstadt.

Rückstand zu Nachbarn der Schweiz

Etwas südlicher in Düsseldorf feiern 2017 die 12000 Zuschauer derweil frenetisch die WM-Bronzemedaille des deutschen Aushängeschildes Timo Boll. Boll ist so gut, dass er Deutschland an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro als Fahnenträger repräsentierte. Und auch Österreich wurde in Rio mit Liu Jia von einer Tischtennisspielerin angeführt.

Zustände, die in der Schweiz undenkbar sind. Doch Schmid hebt den Zeigfinger und sagt, die Auswahl zeige, welche Dimensionen der Tischtennissport erreichen könne, wenn entsprechend Leute an der Weltspitze vertreten seien. «Was wohl im Tennis los ist, wenn Federer und Wawrinka einmal nicht mehr spielen?»

Dritten Meistertitel im Einzel verpasst

Schmid selbst ist zweifacher Schweizer Meister im Einzel. Unlängst standen in Châtelaine bei Genf die Titelkämpfe auf dem Programm. Da Schmid aber früh im Achtelfinal scheiterte, verpasste er es, seinen Meistertitel aus dem Vorjahr mit Erfolg zu verteidigen. Letztlich wurde Lionel Weber seiner Rolle als bestklassierter Schweizer in der Weltrangliste mit Rang 150 gerecht und gewann.

Im Gegensatz zu Weber ist Schmid seit seinem Rücktritt nicht mehr für die Nationalmannschaft aufgelaufen. Und eine Rückkehr ist derzeit auch ausgeschlossen. «Im Vollzeitstudium geht das einfach nicht.» Auch wenn eine Platzierung unter den besten 100 der Weltrangliste möglich wäre.

Den Ball einmal mehr übers Netz bringen

So gilt der Fokus nun ganz dem Playoff mit dem TTC Wil. Nach drei Erfolgen in Serie sind die Wiler gewillt, den Meistertitel auch ein viertes Mal in die Ostschweiz zu holen. Dazu muss der Ball – ganz nach dem Motto von Elia Schmid – einfach einmal mehr über das Netz gebracht werden, als es der Gegner schafft.

Playoff-Viertelfinal gegen Lancy: Wil beginnt auswärts

Da sich der Tischtennisclub in der Qualifikation nicht unter den besten zwei Teams klassiert hat, muss er sich in der Runde der letzten acht Mannschaften für den NLA-Halbfinal qualifizieren. Der Viertelfinal gegen Lancy startet morgen um 14 Uhr in der Westschweiz, am Sonntag zur gleichen Zeit folgt das Rückspiel in der Wiler Lindenhofhalle. Gewinnen beide Teams eine Partie, findet am 5. Mai ein Entscheidungsspiel statt. Der Gewinner dieses Viertelfinals trifft auf Qualifikationssieger Rio-Star Muttenz. (mfm)

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