Der Teufel beisst sein Weib

Als ein echter Troubadour wird Doug MacLeod gepriesen. In der Schweiz ist er aber völlig unbekannt. Nur ein paar eingefleischte Fans besuchten sein Konzert am Donnerstag im Gare de Lion. Den Musiker schien dies nicht zu kümmern.

Michael Hug
Drucken
Teilen
Doug MacLeod spielte im Gare de Lion. (Bild: mhu.)

Doug MacLeod spielte im Gare de Lion. (Bild: mhu.)

Er habe ein halbes Jahr auf dieses Konzert hin gezittert, verrät ein Besucher. Er hat Doug MacLeod schon vor 25 Jahren für sich entdeckt, hat dessen Karriere in den USA akribisch verfolgt und jede CD wie Gottes Manna reingezogen. Dreizehn solche Studioalben hat der Blueser in 26 Jahren veröffentlicht. In Amerika ist Doug MacLeod längst ein Star in seiner Branche – in Europa dagegen nur Insidern bekannt.

Seine Genre ist eine kleine Nische des Blues, der ursprünglichsten Form nämlich, gespielt auf der akustischen Gitarre, begleitet durch die eigene Stimme und unterlegt mit selbstgeschriebenen Texten.

Ein Storyteller

So entstand der Blues vor über einhundert Jahren im Süden der Vereinigten Staaten: Ein Mann sitzt auf einer Veranda und bastelt einen Song. Wenn der Song steht, geht der Mann auf die Strasse und singt.

Genauso macht es Doug MacLeod. Er ist ein «Storyteller», ein Geschichtenerzähler, der es versteht, auch jeder noch so kleinen Episode einen Unterhaltungswert beizumessen, so dass man ihm einfach zuhören muss. Das gesprochene Wort ist genauso wichtig wie das gesungene, seine Botschaft hat Witz und Hintersinn und manchmal ist auch ein Aphorismus dabei: «Der Teufel beisst sein Weib», lacht MacLeod, ein gängiges Sprichwort drüben in St. Louis.

Es steht für Frauen, die einfach zu viel schwatzen: «Ausgerechnet im Bett, wenn sie still sein sollten!»

Liebe und Enttäuschungen

MacLeod's Songs handeln ganz der Tradition folgend vom Leben, von der Liebe und den Enttäuschungen in beidem. «Spiele nie eine Note, die du nicht kennst», hat er von grossen Meistern wie Ernest Banks eingebläut bekommen. «Schreib oder sing nie einen Song über etwas, was du nicht verstehst», hat er daraus gefolgert.

Als Kind ist MacLeod wegen seines Stotterns übel gehänselt worden. Bis er das Gitarrespielen lernte und seine Stimme entdeckte. Aus der Stimme wurde eine der wärmsten Blues-Solo-Stimmen im Geburtsland des Blues, und seine schöne, weisse Dobro-Gitarre gerät unter seiner einmaligen, unorthodoxen und dynamischen Spielweise stets von Neuem in schiere Freudentaumel.

Der Beste

Doug MacLeod sei der Beste in seinem Genre, sagen die Fans. In diesem Genre bewegen sich nicht viele, doch das schmälert nicht seine Leistungen beim Publikum. Der fröhliche Storyteller und exzellente Gitarrenspieler unterhielt auch sein arg reduziertes Publikum im Gare de Lion ohne ein frustriertes Wimpernzucken.

Kleines, aber stolzes Publikum

In 26 Jahren hat Doug MacLeod gelernt, mit solchen Situationen umzugehen und sie nicht einfach hinter sich zu bringen, sondern unvergesslich zu machen.

«Jeder Abend ist anders», hat er längst festgestellt und lacht selbst am meisten über die kleinen Spässe, die er während seines zweistündigen Konzerts ins Publikum streut. «Ihr seid ein kleines Publikum», sagt Doug MacLeod irgendwann zwischen zwei Songs, «aber ein stolzes Publikum!»

Aktuelle Nachrichten