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Der Teamplayer im Eishockey-Tor: Valentin Bauer im Porträt

Heute Freitag (3 Uhr Schweizer Zeit) ist Valentin Bauer an der Winteruniversiade in Sibirien mit der Schweiz ins Turnier gestartet. Ein bemerkenswerter Erfolg für den Goalie des EHC Uzwil, hat der 23-jährige Oberbürer doch vor ein paar Jahren noch ans Aufhören gedacht.
Tim Frei
Valentin Bauer hält so gut wie noch nie. (Bilder: Michel Canonica)

Valentin Bauer hält so gut wie noch nie. (Bilder: Michel Canonica)

Es laufen die letzten Sekunden in der Partie zwischen Uzwil und Bellinzona. Valentin Bauer wird nochmals aufs Letzte gefordert. Drei grosse Chancen macht er zunichte. Nicht etwa mit seinem ruhigen Spielstil, sondern für einmal mit Hechteinlagen, die man sonst nur von Fussball-Torhütern gewohnt ist, hält er den 3:2-Sieg fest.

Trainer Mischa Wasserfallen gerät heute ins Schwärmen: «Ich sah die drei Schüsse schon im Tor. Dass Bauer sie doch noch parierte, hat mich schwer beeindruckt.» Auch bei Valentin Bauer sind die Erinnerungen daran noch präsent. «Das war schon sehr unkonventionell. Ich musste improvisieren», sagt der 23-Jährige.

Spektakuläre Paraden – unterschiedliche Gefühle

Dass es nicht immer funktioniert, ist ihm bewusst. Gelingt es aber, – und dann noch in einem solch wichtigen Moment – verspürt er eine grosse Freude. Anders ist seine Gefühlslage nach spektakulären Paraden, denen ein Fehler Bauers wie etwa ein Abpraller nach vorne vorausgeht. Er sagt:

«Da ist schon ein wenig Freude dabei – jedoch auch Erleichterung, dass der Fehler nicht zu einem Gegentor geführt hat.»

Auch bei haltbaren Gegentoren ist es für ihn situationsabhängig, was diese bei ihm auslösen. Muss er etwa eines nach vielen Schüssen hinnehmen, kann er das oft gut wegstecken. Einen frühen Gegentreffer dagegen kann ihn verunsichern. Der Oberbürer sagt:

«Auch ich bin ein Torhüter, der sich das Selbstvertrauen mit parierten Schüssen holen muss. Gelingt dies nicht, komme ich nicht in diesen Fluss, in dem man intuitiv das Richtige macht.»

Bauer lobt anderen Goalie des EHC Uzwil

In dieser Saison strotzt Bauer nur so vor Selbstvertrauen. Mit einem Schnitt von 2,87 Gegentoren pro Spiel zeigt er seine statistisch beste 1.-Liga-Saison. Bauer hat Erfolgsfaktoren ausgemacht. Und mannschaftsdienlich, wie er von Trainer Wasserfallen beschrieben wird, sieht er diese insbesondere bei seinen Teamkollegen.

«Unsere Verteidigung stand immer gut und liess selten Chancen aus dem Slot zu.»

Das habe es ihm erleichtert, die Schüsse zu halten und damit Selbstvertrauen zu tanken. Zudem hebt er hervor, dass die Mannschaft bei Rückständen nie eingebrochen sei, was sich ebenso auf seinen tiefen Gegentorschnitt ausgewirkt habe.

Lobende Worte verliert er über Daniel Schenkel, der sich mit ihm im Tor abwechselte: «Auch er hat eine herausragende Saison gezeigt und trägt ebenso wesentlichen Anteil am guten Abschneiden.»

Der grösste Erfolg seiner Karriere

Die überzeugenden Leistungen Valentin Bauers sind nicht unbemerkt geblieben. Dank ihnen hat er es ins Aufgebot für die Winteruniversiade geschafft, die an diesem Wochenende in Krasnojarsk, Sibiriens drittgrösster Stadt, eröffnet wird. So bergündet Eishockey-Delegationsleiter Paolo Angeloni die Nomination Bauers:

«Er hat nicht nur eine starke Saison gezeigt, sondern auch beim Sichtungstraining in Worb überzeugt.»

Bauer, der im Sommer sein Wirtschaftsingenieurstudium an der Fachhochschule St. Gallen abschliesst, bestritt bei den Aktiven noch nie Partien auf internationalem Niveau. «Die Teilnahme an der Winteruniversiade in Russland ist der grösste Erfolg meiner Karriere.»

Putin hält Eröffnungsrede

Er freut sich aber nicht nur, sich mit anderen Nationen zu messen, sondern insbesondere auf dieses «einmalige Erlebnis». Beeindruckt hat ihn der Aufwand, mit dem die Winteruniversiade in Krasnojarsk betrieben wird. «So wie wir gehört haben, wird Präsident Putin die Eröffnungsrede halten», sagt Bauer.

Die Begeisterung des 23-Jährigen hat sich erst über die Zeit entwickelt. «Am Anfang war das Gefühl noch nicht so ausgeprägt, doch beim Sichtungstraining, als eine Teilnahme näher rückte, wollte ich das unbedingt schaffen.»

Teamerfolg steht für Bauer über allem

Man hätte nun angenommen, dass zwischen den Goalies an diesem entscheidenden Training ein Konkurrenzdenken herrscht. Doch Fehlanzeige, sagt doch Bauer:

«Ich habe es nicht so wahrgenommen. Wir Torhüter haben uns gegenseitig unterstützt.»

Dieselbe Erfahrung hat er auch im Club gemacht. Er sei schon enttäuscht, wenn er nicht im Tor stehe. «Doch man möchte dann, dass der Andere möglichst gut spielt – schliesslich steht der Erfolg der Mannschaft über allem.» Er habe sich mit jedem Goalie immer als Team verstanden.

Kevin Stalder – mehr als ein Goaliepartner

Den besten Umgang hatte Bauer mit Kevin Stalder. Mit ihm spielte er in St. Gallen und Uzwil, noch heute ist er mit dem 30-Jährigen befreundet. Nicht nur deswegen ist Stalder für Bauer mehr als ein Goaliepartner. Stalder unterstützte den Oberbürer in dessen schwierigster Phase.

Auf die Saison 2012/13 hin hätte Bauer im Nachwuchs des EHC Uzwil von der Novizen Top zur Elite wechseln sollen. Doch der Trainer teilte ihm mit, dass er nur die Nummer drei der Goalies sein werde. «Ich war mir bewusst, dass ich kaum spielen würde, und stand kurz vor dem Aufhören.»

Wärmecreme, einen Kaffee und Vorbereitung wie ein Skirennfahrer

Genau in diesem Zeitpunkt erhielt er ein Angebot des 2.-Liga-Clubs
St. Gallen, das er annahm. Dort lernte er Stalder kennen. Bauer sagt:

«Er war in dieser Phase sehr wichtig für mich, gab mir Tipps. Nebst dem Angebot zur richtigen Zeit war seine Hilfe mitentscheidend, dass ich nicht aufhörte.»

Nach nur einer Saison wechselte er wieder zu seinem Nachwuchsverein Uzwil zurück, wo er sich schrittweise zu dem starken Goalie entwickelte, der er heute ist. Abgesehen von der einen Saison in der Kantonshauptstadt spielte er immer für den EHC Uzwil.

Sollte Bauer heute an der Winteruniversiade in Krasnojarsk im ersten Spiel der Schweiz gegen Lettland im Tor stehen, wird er wieder auf sein Ritual dieser Saison zählen: Wärmecreme verwenden, vor dem Einlaufen einen Kaffee trinken – und sich in den letzten Minuten vor Spielbeginn in der Garderobe in die Torhüterecke zurückziehen, und sich in mögliche Spielszenen hineindenken – wie ein Skirennfahrer vor einem Lauf.

Maraffio und Torino vertreten den EC Wil in Krasnojarsk

Es ist eine Premiere: Zum ersten Mal wird die Schweizer Delegation mit einem Männer- und Fraueneishockeyteam an der Winteruniversiade teilnehmen. Die Männer stellten zuletzt 1970 ein Team, die Frauen sind zum ersten Mal dabei. Der Entscheid, mit zwei Equipen anzutreten, hängt mit der Heimuniversiade in zwei Jahren zusammen. «Wir möchten die Gelegenheit in Krasnojarsk nutzen, um 2021 in Luzern zwei kompetitive Teams zu stellen», sagt Eishockey-Delegationsleiter Paolo Angeloni. Das Kader des Männerteams an der 29. Winteruniversiade umfasst 23 Spieler. Zwei davon sind Elite-A-Junioren, der Rest kommt aus der NLB, der MySports League und der Regio League. Mit den zwei Stürmern Matteo Torino und Andrej Maraffio ist auch der EC Wil vertreten. (tm)

Vorrunde (Ortszeit*): Morgen 9.00 Lettland – Schweiz. Morgen: 8.30 Schweiz – Schweden. Montag: 12.30 Grossbritannien – Schweiz. Mittwoch: 12.30 Kanada – Schweiz. Freitag, 8. März: 19.30 Schweiz – Kasachstan. – *Sechs Stunden vor Schweizer Zeit.

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