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Der Strom wird fast überall teurer. Doch es gibt auch drei Ausnahmen

In 23 von 26 Gemeinden in der Region Wil steigen 2020 die Strompreise. Am teuersten ist Braunau, am günstigsten Aadorf.
Hans Suter und Beat Lanzendorfer
Privathaushalte haben heute wenig Einfluss auf den Strompreis. Selber bestimmen können sie dagegen den Strommix und den Stromverbrauch. Bild: Coralie Wenger

Privathaushalte haben heute wenig Einfluss auf den Strompreis. Selber bestimmen können sie dagegen den Strommix und den Stromverbrauch. Bild: Coralie Wenger

Eine Kilowattstunde (kWh) Strom kostet nächstes Jahr im Kanton St.Gallen durchschnittlich 19.92 Rappen und im Kanton Thurgau 19.58 Rappen. Gegenüber 2019 ergibt das eine Teuerung von durchschnittlich 2,73 Prozent im Kanton St.Gallen und 1,66 Prozent im Thurgau. Zur Preissteigerung beigetragen haben vor allem höhere Energiepreise und Netznutzungsabgaben.

Unterschiede haben ihre Gründe

Die Preisunterschiede in den einzelnen Gemeinden sind allerdings beträchtlich. Die Hauptgründe dafür sind der Strommix (Ökostrom ist teurer als AKW-Strom), der ausgehandelte Energieeinkaufspreis, der Zustand und Unterhalt des Leitungsnetzes sowie die sogenannten Abgaben an das Gemeinwesen. Im Gegensatz zur Abgabe für die Netznutzung ist die Abgabe an das Gemeinwesen nicht direkt zweckgebunden und kann über ein Reglement vielseitig eingesetzt werden.

Preise lassen sich nur bedingt miteinander vergleichen

Die nachstehende Tabelle zeigt auf einen Blick, welchen Strompreis ein Durchschnittshaushalt im nächsten Jahr zu erwarten hat und wie sich der Gesamtpreis zusammensetzt. Schweizweit für alle gleich ist die sogenannte KEV, die kostendeckende Einspeisevergütung zur Förderung erneuerbarer Energien. Nicht ersichtlich ist der Strommix; dieser hat jedoch einen erheblichen Einfluss auf die Preisbildung. In der Thurgauer Gemeinde Wilen beispielsweise setzt sich das Standardprodukt aus 100 Prozent erneuerbarer Energie zusammen, weshalb der Preis mit 24.19 Rappen pro Kilowattstunde (Rp/kWh) in der Tabelle als vergleichsweise hoch erscheint.

Den günstigsten Strom bekommt man 2020 auf St.Galler Seite mit 18.06 Rp/kWh in Lütisburg und auf Thurgauer Seite mit 16.86 Rp/kWh in Aadorf. Am teuersten ist es in Niederbüren mit 20.69 Rp/kWh und 24.28 Rp/kWh in Braunau. Die höchsten Preissteigerungen gibt es diesmal in Niederhelfenschwil mit einem Plus von 9,07 Prozent und in Bettwiesen mit 9,74 Prozent. Der Grund liegt in den höheren Beschaffungskosten auf dem Strommarkt, wie Marcel Zwick, Mitglied der Elektrakommission Niederhelfenschwil, erklärt. Ein zweiter Blick auf die Tabelle zeigt, dass beide Gemeinden trotzdem sehr günstige Preise haben.

Es geht auch günstiger

In drei Thurgauer Gemeinde wird der Strom im nächsten Jahr etwas günstiger: In Wilen sinkt der Tarif um 6,3 Prozent auf nei 24,19 Rp/kWh, in Bichelsee-Balterswil um 0,41 Prozent auf 19,45 Rp/kWh und in Fischingen um 0,2 Prozent auf neu 20,47 Rp/kWh.

Marktliberalisierung erhöht Druck auf erneuerbare Energien

Der Strommarkt befindet sich in einer Phase grosser Veränderungen. Der Bundesrat plant in seiner aktuellen Strommarkt-Strategie (siehe Zweittext) die freie Anbieterwahl nun auch auf die Privathaushalte auszudehnen. Wie dies Grossverbraucher ab 100000 kWh jährlich bereits seit 2009 dürfen, könnten dann auch Private ihren Strom auf dem freien Markt beschaffen. Es wird davon ausgegangenen, dass nicht allzu viele Haushalte davon Gebrauch machen werden – wegen des Aufwands.

Doch würde sich dadurch überhaupt etwas Grundlegendes ändern? «Ja», sagt Alex Hollenstein, Geschäftsführer der Toggenburger Thurwerke, «mit dem Entscheid einer vollständigen Öffnung des Strommarktes werden die erneuerbaren Energien einen schwierigen Stand haben.» Stromanbieter müssten dann zum Beispiel für die sehr preissensitiven Kunden ein billiges Produkt aus hundert Prozent ausländischer Kernenergie anbieten, da sie sonst beim Preisvergleich als teurer Energielieferant abgestempelt würden.

«Die Energiepreise werden steigen»

Eine Marktöffnung verheisst in der Regel mehr Wettbewerb und dadurch sinkende Preise für die Konsumenten. Doch ist das auch beim Strom der Fall? «Ich bin überzeugt, dass die Energiepreise steigen werden. Die Aufwendungen für die elektronischen Messeinrichtungen, die ganzen Wechselprozesse und die Marketing-Aufwendungen werden viel intensiver und dadurch teurer», sagt Alex Hollenstein. Die Energiepreise würden aber unabhängig von der Marktöffnung steigen, «weil sie derzeit eigentlich unter den Gestehungskosten liegen». Laut Hollenstein stammt ein grosser Teil der Energie von alten, abgeschriebenen Kraftwerken. Als Beispiele nennt er Kohle- und Kernkraftwerke aus Deutschland. «Sämtliche erneuerbare Energien haben höhere Gestehungskosten. Diese Energieerzeugungsanlagen liefern in Zukunft unsere Energie.»

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