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Querelen um das Frauenteam: Der Streit beim EC Wil geht weiter

Die Wahrheit im Zwist um die Frauenequipe des EC Wil dürfte wohl nie ans Licht kommen. Frauenteamgründer Marcel Herzog und Frauenteamleiter Sandro Brasi wehren sich nach den Aussagen des Präsidenten Roger Dietschweiler. Pikant: Der Vorstand informierte den Verband schon einen Tag vor dem Frauenstaff über den Teamrückzug, der mittlerweile rückgängig gemacht wurde.
Tim Frei
Der langjährige Frauenteamleiter Sandro Brasi (links) und Frauenteamgründer Marcel Herzog sind der Meinung, dass ein Verein nicht wie eine Firma geführt werden könne. (Bild: Urs Bucher)

Der langjährige Frauenteamleiter Sandro Brasi (links) und Frauenteamgründer Marcel Herzog sind der Meinung, dass ein Verein nicht wie eine Firma geführt werden könne. (Bild: Urs Bucher)

Nach den Querelen um das Frauenteam des EC Wil hat sich Präsident Roger Dietschweiler in einem Interview mit der «Wiler Zeitung» erklärt. Doch nun zeigt sich: Es bestehen nach wie vor viele Ungereimtheiten. Ein zentraler Punkt betrifft den Rücktritt aus dem Frauenstaff, den Teamgründer Marcel Herzog und der langjährige Teamleiter Sandro Brasi laut Dietschweiler im Frühjahr eingereicht haben sollen. Herzog und Brasi dementieren. Herzog bestätigt zwar, dass er seinen Rücktritt als Trainer erklärt habe.

«Doch ich war auch Frauenteamgründer, war mit Sandro Brasi für Transfers verantwortlich und habe viel organisiert wie etwa die Carfahrten und die Verpflegung der Spielerinnen.»

Herzog ist der Ansicht, dass er nur als Trainer, nicht aber aus dem Frauenstaff zurückgetreten sei. Aus Sicht des Vorstands aber hat Herzog offiziell keine andere Funktion als jene des Trainers im Frauen-Betreuerstab gehabt.

Sandro Brasi: Rücktritt als Vorstandsmitglied, nicht aber als Frauenteamleiter

Hätte Herzog Dietschweiler nicht informieren müssen, dass es sich nicht um einen Rücktritt aus dem Frauenstaff handelt? «Nein», sagt Herzog:

«Wenn ein neuer Präsident das Ruder übernimmt, ist es seine Aufgabe, mit den Funktionären das Gespräch zu suchen.»

Laut Dietschweiler musste jeder Funktionär im Club beim damaligen Vizepräsidenten Marco Fiorina zum Gespräch antreten. Doch Brasi, Herzog und Diego Gremminger wurden laut eigenen Angaben nie von Fiorina eingeladen. Brasi betont, er sei aus dem Vorstand zurückgetreten, nicht aber aus dem Frauenstaff. In seinem Rücktrittsschreiben, das der «Wiler Zeitung» vorliegt, heisst es: «Ich trete per sofort in meiner Eigenschaft als Aktuar des EC Wil zurück.»

Laut Protokoll: Transfers zu tätigen, liegt in der Kompetenz des Frauenstaffs

Indem Herzog eine Funktion ausübte, die es gar nicht gab, habe er seine Kompetenzen überschritten, so Dietschweiler. Herzog bestreitet dies. Die Kompetenzen für den Frauenstaff wurden an der Vorstandssitzung vom 21. März 2018 definiert. Dietschweiler wirft Herzog vor, er habe zwei Punkte nicht eingehalten: alle Entscheide mit dem Vorstand abzusprechen und Verträge abzuschliessen.

In einem Protokollauszug der damaligen Sitzung sind die Kompetenzen wie folgt definiert: Transfers werden vom Staff getätigt. Dieser ist zudem Entscheidungsträger, sofern er sich im Rahmen des Budgets bewegt. Ist dies nicht der Fall, entscheiden der Vorstand und der Betreuerstab. Eine Budgetfreigabe hat der Vorstand nie erteilt. «Deshalb haben wir auch nie ausserhalb des Budgets gehandelt. Und die Kompetenzen wurden nie widerrufen», so Brasi.

Präsident soll schon länger von Transfers gewusst haben

Auch festgehalten ist im Protokoll, dass es für alle Spielerinnen eine schriftliche Vereinbarung gibt und dass der Staff den Vorstand über Aktivitäten und Ereignisse direkt informiert.

Ein Kritikpunkt Dietschweilers war es, dass er Transfers von Topskorerinnen erst durch die Presse erfahren habe. Auch das sehen Brasi und Herzog anders. «Wir haben den Präsidenten bereits im Februar während des Playoffs darüber informiert, dass wir kurz davor sind, eine Einigung mit zwei starken Spielerinnen zu erzielen.» Ihre Namen hätten sie nicht erwähnt, weil es in der Eishockeyszene ein ungeschriebenes Gesetz sei, dass man dies erst nach einer Einigung mache.

Vorstand informierte Verband einen Tag vor Staff über Teamrückzug

Am 15. Mai, zwei Wochen nach Ablauf der Anmeldefrist für die Meisterschaft, trafen sich Brasi, Herzog, Dietschweiler und weitere Vorstandsmitglieder zum Gespräch. Ein paar Tage davor hatte Brasi an der Frauenligaversammlung erfahren, dass der EC Wil das Frauenteam nur unter Vorbehalt gemeldet hatte. Dies, wie auch ein angeblicher Rücktritt von Brasi und Herzog und ein Teamrückzug seien kein Thema an der Sitzung gewesen, sagt Brasi.

Am 24. Mai informierte der Vorstand den Frauenstaff schriftlich über den Rückzug des Frauenteams aus der NLB. Im eingeschriebenen Brief, welcher der «Wiler Zeitung» vorliegt, heisst es: ein «Entscheid der Vernunft und zum Wohle des 
EC Wil». Pikant: Bereits einen Tag zuvor informierte der Vorstand den Verband über den Teamrückzug. Dies geht aus einem Brief hervor, welcher der «Wiler Zeitung» vorliegt.

Unverständnis über Argumentation des Präsidenten

Dietschweiler hat den Rückzug mit fehlenden Teamlisten begründet: «So bestand aus unserer Sicht gar kein Team.» Diese Argumentation verstehen Brasi und Herzog nicht. Herzog sagt:

«Im März besuchte er eines unserer letzten Trainings der abgelaufenen Saison, an dem rund 15 Spielerinnen dabei waren. Diese lösen sich doch nicht plötzlich in Luft auf.»

Als der Vorstand nach den Teamlisten fragte, antwortete Herzog: «Wir haben noch keine aktuellen Kaderlisten, sind noch in der Teambildung. Sobald das Team komplett ist, werde ich die Liste zustellen.»

Verträge sollen im Fraueneishockey unüblich sein

Dietschweiler sagte weiter, dass dem Vorstand per 30. April ausgelaufene Verträge der Spielerinnen vorlagen. Dazu Brasi: «Das waren keine Verträge, sondern Vereinbarungen, die auf die abgelaufene Saison erstmals eingeführt wurden. Wir haben uns für Vereinbarungen entschieden, weil Verträge im Fraueneishockey mit Ausnahme bei den Ausländerinnen unüblich sind.»

Am Treffen hätten sie dem Vorstand mitgeteilt, sagt Herzog, dass sie ohne bewilligtes Budget keine neuen Vereinbarungen abschliessen und unterschreiben lassen könnten.

Herzog moniert
 mangelnden Respekt

Brasi und Herzog sagen, dass sie sich seit ihrem Budgetvorschlag vom 24. Januar bis zum Treffen im Mai mehrmals nach dem Budget fürs Frauenteam 
erkundigten:

«Doch es kam selten etwas zurück. Und wenn doch, wurden wir auf später vertröstet.»

Im Interview sagte Dietschweiler, dass Brasi und Herzog mit ihrem Rücktritt nicht mehr ihre Ansprechpartner waren.

Roger Dietschweiler, Präsident des EC Wil. (Bild: Michel Canonica)

Roger Dietschweiler, Präsident des EC Wil. (Bild: Michel Canonica)

Können sich Brasi und Herzog eine Rückkehr zum EC Wil vorstellen? Ihre Antwort ist deutlich: «Nein. wir haben mit diesem Kapitel abgeschlossen.» Herzog hat weniger mit Dietschweiler als Mensch, sondern seinem Führungsstil ein Problem: «Man kann einen Verein nicht wie eine Firma führen. Ich hätte mir gewünscht, dass ich als Ehrenmitglied, Sponsor und als eines der ältesten Clubmitglieder mit mehr Respekt behandelt worden wäre.»

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