Der Start zur Gastspielreise

Nur gerade der Name ist beim Unterhaltungs-Blas-Orchester.CH etwas gewöhnungsbedürftig und sperrig. Musikalisch hingegen zeigten die Musiker, dass sie von Jahr zu Jahr weiterreifen und das Publikum von neuem zu überraschen wissen.

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Letzteres ist nicht unbedingt selbstverständlich. Denn das im Jahr 2008 vom Sirnacher Hanspeter Ziegler gegründete und seitdem auch geleitete Orchester ist das Paradebeispiel eines Projektorchesters. Gerade einmal eine Hand voll Wochen finden die etwas über 60 Musikantinnen und Musikanten im Jahr zusammen, um ein anspruchsvolles Programm einzustudieren, mit welchem es dann im Herbst auf eine Minitournée geht. Am Sonntag erfolgte nun unter dem Titel «Fascination 2011» der Start zur jüngsten Gastspielreise, welche das Ensemble auch noch nach Wetzikon und Weinfelden führen wird.

Begeisternder «Nachwuchs»

Die reine Spielzeit betrug am Wiler Konzert zwei Stunden. Das ist nicht wenig, weshalb ein Programm nicht nur gut durchdacht, sondern auch interessant sein soll. Und das war an diesem Abend der Fall. In der ersten halben Stunde sorgte die sinfonische Nachwuchsformation des Jugendorchesters Wil für viel Unterhaltung. Insbesondere das episch-programmatische Instrumentalwerk «Pirates of the Carribean» erhielt viel Applaus vom gut gelaunten Publikum, das den Wiler Stadtsaal zu gut drei Vierteln füllte.

Facettenreicher «Gershwin»

Dann war schliesslich das Unterhaltungs-Blas-Orchester.CH an der Reihe. Mit dem majestätisch wirkenden «Flyin‘ to the skies» legte das Orchester schon von Anfang an einmal die eigene «Messlatte» in luftige Höhen. Und dort oben sollte sie auch im weiteren Konzertverlauf bleiben. Unter der präzisen und doch raumgebenden musikalischen Leitung Hanspeter Zieglers loteten die Musiker anschliessend in «A tribute to Gershwin» die verschiedensten Musikstilanklänge aus, welche sich in Gershwins Schaffen wiederfinden: Blues, Jazz, Romantik, jiddische Musik und amerikanisches Volkslied – sie alle wurden aufs eindrücklichste «zitiert» und zum Leben erweckt. Fein und berauschend zugleich auch das bekannte «Moon River» und mit dem durch Frank Sinatra unsterblich gewordenen Cole-Porter-Klassiker «I've got you under my skin» entliess ein begeistert aufspielendes Orchester ein euphorisiertes Publikum in die Pause.

Euphoniumsolo

Wer dachte, dass es danach ein wenig «ruhiger» werden würde, irrte. Schon der Titel des ersten, fetzigen Stückes – «Let's make music» – war Programm. Faszinierend anzuhören war auch das sich aus drei völlig unterschiedlichen Stücken zusammensetzende, besinnliche «Life».

Und was mit dem ziemlich selten als Soloinstrument eingesetzten Euphonium solistisch so alles möglich ist, zeigte sich im «Euphonium Ragtime», wo Peter Ehrbar als Solist glänzte. In dem Stück «Fascinations», das dem Abend seinen Namen gab, erhielten dann Musikerinnen und Musiker der verschiedensten Register die Chance, sich solistisch dem Publikum vorzustellen, ehe der Abend mit dem Titel «There's no business like show business» offiziell ausklang. (pd)

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