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Der Skiliftmann vom Fuchsacker: Der Degersheimer Franz Brülisauer arbeitet seit vierzig Jahren am Skilift

Als Zwölfjähriger begleitete er erstmals seinen Götti zur Arbeit am Skilift Degersheim. Es gefiel ihm und er blieb. 40 Jahre sind seither vergangen: Jeden Winter verbrachte Franz Brülisauer auf der Piste und am Lift.
Zita Meienhofer
Franz Brülisauer kann sich keinen Winter ohne Arbeit am Degersheimer Skilift vorstellen. Seit 40 Jahren ist er darum bemüht, dass die Skifahrer gut auf den Berg und wieder herunterkommen. (Bilder: Zita Meienhofer)

Franz Brülisauer kann sich keinen Winter ohne Arbeit am Degersheimer Skilift vorstellen. Seit 40 Jahren ist er darum bemüht, dass die Skifahrer gut auf den Berg und wieder herunterkommen. (Bilder: Zita Meienhofer)

Am Mittwoch herrschte viel Betrieb am Degersheimer Skilift 2: «Wenn sie um die Hütte anstehen, ist es ein guter Tag», sagt Franz Brülisauer.

Am Mittwoch herrschte viel Betrieb am Degersheimer Skilift 2: «Wenn sie um die Hütte anstehen, ist es ein guter Tag», sagt Franz Brülisauer.

Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt, Schnee liegt genügend auf den Pisten und diese sind gut präpariert. Ein herrlicher Tag für Skifahrerinnen und Skifahrer – ein herrlicher Tag auch für Franz Brülisauer. Diesen Nachmittag hat er Dienst am Skilift 2 in Degersheim, am oberen Schlepplift, der 1965 erstellt wurde. Franz Brülisauer nimmt den Bügel vom Seil und reicht ihn den beiden Mädchen, die wieder nach oben zur Fuchsackerhöhe wollen. «Hoi Franz», sagt ein Mann, der in Begleitung seiner Familie auf der Piste ist. Brülisauer grüsst zurück und reicht ihm und dem Sohn den Bügel. Etliche kennt er, wechselt einige Worte, etliche sind von auswärts, von überall her. Die Kolonne ist lang, zieht sich um die Skilift-Hütte herum. «Das ist ein gutes Zeichen», freut sich Franz Brülisauer.

Zu dritt arbeiten sie diesen Tag am Skilift 2. Ein Kollege überwacht das obere Ende des Lifts, Franz Brülisauer reicht die Bügel, sein Sohn Thomas kontrolliert die Billette und knipst die Mehrfahrtenkarten. Am Skilift 1 sind vier Leute an der Arbeit. «Mindestens sieben müssen es an beiden Liften sein», sagt Brülisauer, «ideal wären acht, um bei Notfällen gerüstet zu sein.»

Vater hat die Familie infiziert

Der Lift musste abgestellt werden. Thomas Brülisauer dreht am Rad, drückt auf einen Knopf und setzt ihn wieder in Betrieb.

Der Lift musste abgestellt werden. Thomas Brülisauer dreht am Rad, drückt auf einen Knopf und setzt ihn wieder in Betrieb.

Plötzlich stoppt der Lift. Franz Brülisauer bleibt ganz ruhig, weiss, was das bedeutet. «Mein Kollege am anderen Ende des Lifts hat abgestellt», erklärt er, «das kann verschiedene Gründe haben.» Das Zeichen zur Wiederaufnahme des Betriebs erfolgt. Diese kann nur an der unteren Station getätigt werden. Thomas Brülisauer geht in den Raum des Skilifts, der Büro, Aufenthalts- und Technikraum in einem ist, dreht am Rad, drückt auf den Knopf und schon bewegen sich Seil und Bügel wieder.

Franz Brülisauer kam als Zwölfjähriger erstmals zum Arbeiten an den Skilift. «Mein Götti hatte mich damals mitgenommen», sagt er. Nun ist er 52-jährig und immer noch begeistert von der Arbeit am Lift. «Entweder hat man es im Blut oder nicht», ist seine Erklärung. Früher war er als Landwirt tätig gewesen. Den Hof hat er vor einigen Jahren seinem Sohn Stefan übergeben. Mit seinem zweiten Sohn Thomas führt er nun ein Tiefbauunternehmen. Beide Tätigkeiten sind ideale Voraussetzungen, um im Winter bei der Skilift Degersheim AG zu arbeiten. «Wenn es Schnee hat, kann ich nicht graben», sagt er. Auch Stefan Brülisauer steht auf der Personalliste des Betriebes. Heute sei er jedoch nicht hier, macht Franz Brülisauer klar. Auf die Frage, ob auch seine Frau am Lift arbeite, lacht er und sagt: «Nein, sie fährt heute Ski.»

Waltraut Brülisauer hatte einst während fünf Jahre mit weiteren Frauen die Remise, das Beizli unten am Lift 1, geführt. Eine helfende Hand hat sie noch immer. Als Sohn Thomas um 15 Uhr mit seinem Kollegen von oben tauscht, übernimmt sie kurzerhand während des Wechsels die Kontrolle und das Knipsen unten.

30 Personen aus verschiedenen Branchen

Rund 30 Personen stehen auf der Einsatzliste der Skilift Degersheim AG. Ueli Meier als Personalchef sorgt dafür, dass immer genügend Leute im Einsatz sind. Welche Voraussetzungen für diese Tätigkeit wichtig sind? «Man muss Skifahren können», sagt Franz Brülisauer. Die Skilift-Mitarbeiter kommen aus verschiedenen Branchen, auch Studenten oder solche mit einem Bürojob sind hier tätig. Wichtig ist wohl die Freude an der Arbeit sowie die Flexibilität. Denn, die Arbeitszeiten richten sich nach dem Wetter. «Die Einsatzzeiten pro Winter sind sehr verschieden», so Brülisauer, der im Stundenlohn angestellt ist und keine Schlechtwetterentschädigung erhält. Aber darüber beklagt er sich überhaupt nicht: «Wir haben Glück, wir bekommen noch Lohn. An anderen Liften wird Fronarbeit geleistet.»

Im 2018 war der Lift nur acht Tage in Betrieb, heuer schon einen ganzen Monat. Während der vergangenen 40 Jahre waren es zwei oder drei Winter, in denen der Lift gar nie angestellt worden war. «Schneereich waren hingegen die Winter in den Siebziger- und Achtzigerjahren», erinnert er sich. Damals liefen die Skilifte meist von Dezember bis Februar während 90 Tagen.

Zweitägige Ausbildung als Pistenbullyfahrer

Für Pisten wie diese sorgt Franz Brülisauer während der Nacht.

Für Pisten wie diese sorgt Franz Brülisauer während der Nacht.

Im Laufe der Zeit hat Franz Brülisauer immer mehr Verantwortung bei der Skilift Degersheim AG übernommen. Er ist Pistenchef und Stellvertreter des Technischen Leiters. Als Pistenchef präpariert er mit zwei weiteren Arbeitskollegen jeweils die Pisten. Dafür musste er eine zweitägige Ausbildung als Pistenbullyfahrer absolvieren. Mit dem «Kässbohrer PK 200» war er auch am Dienstagabend unterwegs. Zwischen 18 und 24 Uhr hat er die Pisten im Skigebiet Degersheim präpariert. Am Mittwochabend war kein Einsatz vorgesehen, weil sich das Wetter am Donnerstag gemäss Prognosen ändern sollte. Würde entgegen den Erwartungen Schnee fallen, begänne für Brülisauer der Tag sehr früh. Um drei Uhr morgens stiege er dann in den Pistenbully, damit die Pisten um neun Uhr fertig präpariert wären.

Auch die Wartung der Skilifte fällt in seinen Bereich. Nach 100 Betriebsstunden werden die Bügel einen halben Meter versetzt, wöchentlich müssen Lenkrad und Getriebe geschmiert werden. Damit alles seine Ordnung hat, werden die Degersheimer Skilifte jedes zweite Jahr durch das Interkantonale Konkordat für Seilbahnen und Skilifte (IKSS) geprüft.

Drei leichte Unfälle in dieser Saison

In den vier Jahrzehnten am Degersheimer Skilift hat er einiges erlebt, hat er auch die Entwicklung des Skisports mitverfolgen können. «Das Material ist sehr viel besser geworden», weiss er, «die Anzahl Beinbrüche hat deshalb abgenommen.» Auch das Tragen eines Helms habe zur Minderung der Unfälle beigetragen, ist er überzeugt. In der aktuellen Saison ereigneten sich auf den Degersheimer Pisten drei leichte Unfälle. «Nichts Schlimmes, manchmal standen die Verunfallten am anderen Tag schon wieder auf der Piste.»

Dann erinnert er sich an eine ganz besondere Begebenheit. Es war Silvester, die Nacht klar, die Sternen leuchteten. Franz Brülisauer war mit seinem Pistenbully unterwegs. Ganz oben auf der Fuchsackerhöhe, auf 1000 Meter, musste er einen Halt machen. Ringsum waren Feuerwerke zu sehen. «Das war ein ganz eindrückliches Erlebnis.»

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