Der selbstverliebte Kaffeeautomat: Oberuzwilerin hat einen ungewöhnlichen Ratgeber geschrieben

Mit einem Küchenratgeber der besonderen Art will Mirella Chopard Lebenserkenntnisse fördern.

Adrian Zeller
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Mit ihrem psychologischen Ratgeber will Mirelle Chopad Lebenserkenntnisse fördern.

Mit ihrem psychologischen Ratgeber will Mirelle Chopad Lebenserkenntnisse fördern.

Bild: PD

Die Antworten von Mirella Chopard auf die Fragen des Journalisten sind fast immer von einem schalkhaften Lächeln begleitet. Humor gehöre zu ihrem Leben dazu, sagt sie. Damit habe sie schon öfters angespannte Situationen in Besprechungen auflockern können. Da überrascht es kaum, dass sie einen humorvollen Ratgeber geschrieben hat. Sein Titel: «Küchenpsychologie oder der selbstverliebte Kaffeeautomat.»

Mit Küchenpsychologie ist normalerweise etwas abfällig die Deutung von menschlichem Handeln aufgrund von psychologischem Halbwissen ohne entsprechende wissenschaftliche Begründung und Qualifikation gemeint. Die 51-jährige Autorin interpretiert den Begriff allerdings auf ihre Weise: Sie schreibt verschiedenen Küchengeräten und Kochutensilien unterschiedliche menschliche Charakterzüge zu.

«Eines Tages fiel mir auf, dass ein chromglänzender Kaffeeautomat mit edlem Design einem selbstverliebten Menschen ähnelt.»

Gleiches Verhalten, gleiche Schwierigkeiten

Mirella Chopard hat aber keine Satire über ihre Mitmenschen geschrieben. Vielmehr soll es ein humoristischer Ratgeber sein. Wer ihn liest, soll eine Art Bedienungsanleitung zum erleichterten Umgang mit den Ecken und Kanten verschiedener Zeitgenossen erhalten.

Und wenn den Lesenden die eine oder andere Einsicht in eigenes nicht immer pflegeleichtes Verhalten kommt, ist das Ziel der Oberuzwiler Autorin erreicht. Manche Verhaltensmuster führen dazu, dass man immer wieder in die gleichen Schwierigkeiten verwickelt wird. Erst die Einsicht in diese ständige Wiederholung des Verhaltens ermöglicht den Ausstieg aus dem Teufelskreis. Mirella Chopard will Lebenserkenntnisse fördern, nicht das Publikum therapieren.

Den Umgang mit Menschen und ihren Schwierigkeiten ist sich Chopard gewöhnt. Sie kam 1968 in Polen als Tochter von ethnisch Deutschen zur Welt und emigrierte mit ihrer Familie schliesslich in die DDR. Dort wurden die unzähligen Ausreiseanträge in den Westen während Jahren abgelehnt und mit Schikanen und Verhören beantwortet. Als sie elf Jahre alt war, wurde sie zusammen mit ihren Angehörigen in die Bundesrepublik abgeschoben.

«Vom kargen Dresden in das üppig weihnächtlich dekorierte Köln zu kommen, war ein Schock.»

Intensivtäter therapiert

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten in der Schule fasste sie Fuss. Aus ihr wurde schliesslich eine Krankenschwester. «Das Unbekannte hat mich schon immer interessiert.» So begann sie später in einem psychiatrischen Krankenhaus zu arbeiten. Im Jahr 1995 kam sie der Liebe wegen in die Schweiz und fand in der Klinik Littenheid eine Anstellung, wo sie bald die Karriereleiter erklomm.

Erneut suchte sie eine Herausforderung. Nach einer entsprechenden Fachausbildung fand sie eine Anstellung im Psychiatrisch-Psychologischen Dienst im Team des aus den Medien bekannten Psychiater Frank Urbaniok. In der Gruppe und in Einzelgesprächen therapierte sie in der Strafanstalt Pöschwies Intensivtäter. «Irgendwann gelang es mir nicht mehr, die schlimmen Themen und Bilder im Zusammenhang mit den Taten im Gefängnis hinter mir zu lassen.» Sie verfolgten sie immer mehr auch in der Freizeit. «Nach sieben Jahre stand ich vor der Strafanstalt und dachte: Hier wirst du nicht pensioniert.»

Das nächste Manuskript liegt bereits vor

In der Folge studierte sie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und schloss mit dem Master in Supervision, Coaching und Mediation ab. 2006 wagte sie in diesem Fachbereich den Schritt in die erfolgreiche berufliche Selbstständigkeit.

Daneben blieb noch immer Zeit fürs Schreiben, das Mirella Chopard als ihre Leidenschaft bezeichnet. Es entstanden Fachartikel und Bücher. Das Manuskript für die nächste Publikation liegt bereits vor. Es handelt von einer polnischen Frau, die sich mit einem Augenzwinkern immer wieder über die Dinge wundert, die einem im Leben passieren können.