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«Der Seele etwas Gutes tun»

Der Uzwiler Jodelklub ist mit seinen bald 100 Jahren einer der ältesten in der Schweiz.
Für Präsident Urs Signer ist klar, warum das Jodeln ungebrochen begeistert: Es bändigt Sorgen und Nöte.
Mit seiner Gründung im Jahr 1921 zählt der Jodlerklub Uzwil zu den ältesten der Schweiz. Heute gehören ihm 20 Mitglieder an. (Bild: PD)

Mit seiner Gründung im Jahr 1921 zählt der Jodlerklub Uzwil zu den ältesten der Schweiz. Heute gehören ihm 20 Mitglieder an. (Bild: PD)

Jodeln gehört seit jeher zum schweizerischen Brauchtum. Jedes Kind weiss, was jodeln ist und kann sich darunter etwas vorstellen. Doch wie genau wird gejodelt? Und woher stammt dieser Brauch? Urs Signer, Präsident des Jodelklubs Uzwil, gibt Auskunft.

Herr Signer, Sie sind seit 23 Jahren Mitglied des Jodelklub Uzwil. Wann haben Sie mit dem Jodeln angefangen?

Als Appenzeller habe ich selbstverständlich schon als Kind ab und zu gesungen oder gejodelt. Offiziell singe ich seit 1995.

Wieso jodeln Sie?

Vorwiegend aus purer Freude. Singen ist gut für den Körper und den Geist. Es hilft dabei, Alltagsstress und Sorgen zu vergessen und Gedanken neu zu ordnen. Die Kameradschaft im Klub zu pflegen, gemeinsame Ziele anzugehen, mit Freude anderen Leuten Freude bringen, das ist Futter für die Seele.

Woher kommt das Jodeln?

Der Jodel und das Jodellied waren früher Alleingut der Hirten und Sennen. Sie brachten damit droben in der Bergeinsamkeit ihre Freude und ihre Sorgen zum Ausdruck. Auch heute noch ziehen die Sennen im Frühling bei der Alpfahrt unter Jodel und Gesang mit ihren Herden auf die grünen Alpen, und im Herbst, wenn sie dann ins Tal zurückkehren, nehmen sie mit einem letzten Jodel und Jauchzer von ihr Abschied.

Was hatte Jodeln früher für eine Bedeutung? Und was hat es heute für eine?

Ich denke, das Jodeln hat seit jeher die gleiche Bedeutung. Der Mensch will der Seele etwas Gutes tun und im Gegenzug die Sorgen und Nöte etwas bändigen. Es ist eine positive Art der Freizeitgestaltung und tut Körper und Seele gut.

Wie jodelt man?

Es gibt fünf verschiedene Jodelarten: der Singjodel, der Zungenschlagjodel, der Kehlkopfschlagjodel, der Chugelijodel und der der Tröhljodel. Es ist aber nicht nur die Jodeltechnik wichtig. Neben vielem anderem sind auch die Tonstütze oder die Atemtechnik wichtige Elemente.

Nach welcher Anleitung jodelt man?

Es gibt geschriebene Jodellieder und Naturjodel. Jodellieder kann man beim Komponisten oder beim Verlag bestellen und kaufen. Es gibt aber auch ungeschriebene, frei überlieferte Naturjodel. Diese lernt man nur über das hören und nachsingen.

Wird heute mit oder ohne musikalische Begleitung gejodelt?

Es ist nicht unüblich, in Kleinformationen mit Handorgelbegleitung zu singen. Ein ganzer Jodelklub singt aber selten mit musikalischer Begleitung.

Wie machen Sie das im Jodlerklub Uzwil?

Wir haben auch schon in Kleinformationen mit Begleitung gesungen. Dieses Jahr führen wir das Stück «Jodelphonie» zusammen mit der Blasmusik Füürharmoniker aus Uzwil auf. Dieses Stück zu üben war eine neue Erfahrung für uns, hat sich aber mit Sicherheit gelohnt.

Was ist das Anspruchsvolle beim Jodeln?

Es kann sehr schwierig sein, über längere Zeit immer denselben Ton zu singen, während andere Stimmen eine Melodie singen. Es ist also nicht nur der Vorjodler der Star. Wenn man so will, ist vielleicht das Anspruchsvollste am Jodeln, dass jede Stimme zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Ton singt. Dass zwanzig Leute in einem mehrstimmigen Lied zu einer Einheit werden, das ist schon recht schwierig. Um das zu erreichen, ist fleissiges und diszipliniertes Proben unerlässlich.

Es liegt im Trend, wieder volkstümliche Veranstaltungen zu besuchen. Das Schwingfest beispielsweise boomt. Haben Sie dieses wachsende Interesse an der Schweizer Tradition auch beim Jodelklub gespürt?

Wir werden immer wieder angefragt für Auftritte an Schwingfesten oder Delegiertenversammlungen der Schwinger. Obwohl das Hauptinteresse dem Sport gilt, geben wir dem Anlass immer eine traditionelle und gemütliche Atmosphäre. An Erntedankgottesdiensten zeigt sich auch sehr gut, wie beliebt unser Brauchtum ist. Ich habe etwa gehört, dass an Jodlermessen die Kirchen viel besser besetzt seien, als wenn ein anderer Verein den Gottesdienst mitgestaltet.

Wie entstand der Jodelklub Uzwil, als einer der ältesten der Schweiz?

Der Jodlerklub Uzwil ist aus der Gesangssektion des Arbeiterturnverein Uzwil hervorgegangen. Kurzsichtige Mitglieder fanden eine Gesangssektion als finanzielle Belastung überflüssig und es kam zur Auflösung. Doch vier eifrige Sänger konnten sich nicht damit abfinden und beschlossen ein Jodlerquartett zu gründen.

Wie ging es weiter?

Als 1923 in der Krisenzeit August Buchser, ein Gründungsmitglied, auswanderte, wurde versucht, ein Jodeldoppelquartett zusammenzubringen. Die Sänger waren bald beisammen und in der Person von Julius Graf war ein sehr guter Jodler gefunden worden. Es dauerte nicht lange und die Jodler fanden den Mut, eine eigene Unterhaltung im Saale zum Neuhaus zu starten. Diese wurde ein voller Erfolg, die Sympathie der Bevölkerung dem Jodlerklub gegenüber wuchs immer mehr. In der Folge konnte eine schöne Anzahl Gönner und Passivmitglieder gewonnen werden, welche halfen, die finanziellen Sorgen zu tragen. So war der Jodlerklub geboren und hat nun eine fast hundertjährige Geschichte geschrieben. (pd)

Jodlerabend

Am Samstag, 24. November, lädt der Jodlerclub Uzwil zum traditionellen Jodlerabend. Der Gemeindesaal Uzwil öffnet seine Türen um 18.45 Uhr; um 19 Uhr besteht die Möglichkeit zu essen; um 20 Uhr startet das offizielle Programm des Jodlerclubs. Der Verein gestaltet den Abend zusammen mit dem Jodlerquartett Windstill aus Lauwil im Kanton Baselland und der Blasmusik Füürharmoniker aus Uzwil. Es gibt keinen Vorverkauf und keine offizielle Platzreservation. (pd)

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