«Der Schritt in die 1. Liga war überfällig» – Trainer Sokol Maliqi wechselt vom FC Uzwil zum FC Kosova

Seit Januar 2018 trainiert Sokol Maliqi die erste Mannschaft des FC Uzwil, die in der 2. Liga interregional spielt. Per nächster Saison schliesst er sich dem FC Kosova an, bei dem er zusammen mit dem bisherigen Übungsleiter Martin Dosch das Trainerduo bildet.

Tim Frei
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Sokol Maliqi ist dankbar für die Zeit beim FC Uzwil: «Er war der bisher grösste Verein, den ich trainieren durfte. Ich konnte viel profitieren.»

Sokol Maliqi ist dankbar für die Zeit beim FC Uzwil: «Er war der bisher grösste Verein, den ich trainieren durfte. Ich konnte viel profitieren.»

Benjamin Manser (Wil, 21. Dezember 2018)

Dass der FC Uzwil und Sokol Maliqi nach diesem Sommer wegen unterschiedlicher Ziele getrennte Wege gehen würden, ist seit Ende März bekannt. Knapp einen Monat später ist der neue Club des 38-Jährigen bekannt: Maliqi wechselt zum FC Kosova in die 1. Liga, wie er gegenüber der «Wiler Zeitung» bestätigt. Zusammen mit dem bisherigen Coach Martin Dosch wird er das Trainergespann bilden.

Es ist keine Überraschung, dass Maliqi künftig Kosova trainiert. Nach seiner Profikarriere spielte er während der Saison 2010/2011 für den Verein. «Seither war ich regelmässig in Kontakt mit dem FC Kosova», sagt Maliqi und ergänzt: «Ich war schon einige Male im Gespräch als Trainer. Irgendwie hat es aber nie geklappt – oftmals weil ich in einem laufenden Vertrag stand.»

Maliqi und Dosch ergänzen sich ideal

Dosch selber war es, der Vereinspräsident Nesret Ljimani die Idee präsentiert hatte, zusammen mit Maliqi das Trainergespann zu bilden. Bei einem Testspiel Anfang März, als Fussballspiele noch erlaubt waren, traf Uzwil auf Kosova.

«Dabei habe ich auf Dosch offenbar einen guten Eindruck hinterlassen, wie er mir später gesagt hat.»

In den vergangenen Wochen merkten Maliqi und Dosch, dass sie sich ideal ergänzen. Hier der frühere Verteidiger Dosch, ein 51-jähriger Trainerfuchs – dort der ehemalige Stürmer Maliqi, ein junger und erfolgshungriger Trainer. Maliqi sagt: «Ich bin überzeugt, dass ich von seiner Erfahrung profitieren werde.»

Uzwil trotz Substanzverlust in oberer Tabellenhälfte etabliert

Für Maliqi ist der Wechsel von der 2. Liga interregional in die 1. Liga ein Aufstieg. Die Gegner werden stärker, Fehler und Schwächen in der Chancenauswertung noch konsequenter bestraft. Der schweizerisch-kosovoalbanische Doppelbürger blickt dem gelassen entgegen: «Ich bin ein Mensch, der immer mal wieder eine Herausforderung braucht. In meiner Trainerkarriere habe ich Schritt um Schritt gemacht – jener in die 1. Liga war überfällig.»

Maliqi ist seit Januar 2018 Trainer des FC Uzwil.

Maliqi ist seit Januar 2018 Trainer des FC Uzwil.

Michel Canonica (Wil, 5. Mai 2019)

Maliqis Sprung in die höhere Liga kommt nicht von ungefähr. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2018 ist es ihm gelungen, den FC Uzwil in der oberen Tabellenhälfte der 2. Liga interregional zu etablieren. «Und das obwohl wir einen erheblichen Substanzverlust im Kader hatten, wenn man die Mannschaften von damals und heute vergleicht», sagt Maliqi und erwähnt etwa Spieler wie Mirco Oertig, Michel Lanker, Uwe Beran, Oliver Mayer, Stanko Culanic, Dalibor Velickovic. «Das waren alles Stammspieler, die wir nicht 1:1 ersetzen konnten. Es ist mir wohl gelungen, ein starkes Kollektiv zu schaffen und junge Spieler wie Yanis Uetz weiterzuentwickeln.»

In der Führungsarbeit profitiert: «Das war oftmals energieraubend»

Maliqi ist dankbar für die Zeit beim FC Uzwil: «Er war der bisher grösste Verein, den ich trainieren durfte. Ich konnte viel profitieren und habe im Clubumfeld offensichtlich Spuren hinterlassen, wie die vielen persönlichen Reaktionen nach meinem Abgang zeigen.»

Ein Trainer sammelt in seiner Karriere an jeder Station Erfahrungen. Beim FC Uzwil sei jene Station, von der er viel in Sachen Führungsarbeit mitnehme. «Ob Spielanlage, Qualitäten, Charakter, Alter – die Diversität in der Mannschaft war sehr gross. Das erschwerte die Führung der Spieler, was oftmals energieraubend war.»

FC Uzwil will sich bei Nachfolgersuche Zeit nehmen

Maliqi merkte etwa, dass ältere und etablierte Spieler seine Anweisungen nicht so schnell übernahmen. «Ich verstehe das, ich war auch ein sensibler Spieler und musste genauso das Vertrauen des Trainers spüren», sagt er. Selbstkritisch blickt er denn auch auf seine Zeit in Uzwil zurück:

«Auch ich habe meine Fehler gemacht, zum Beispiel manchen Spieler mit meinem Ehrgeiz wohl überfordert.»

Wer Maliqis Nachfolger beim FC Uzwil wird, ist noch offen. Präsident Ljubisa Stojanovic sagt: «Wir sind ein begehrter Verein und werden eine nachhaltige Lösung präsentieren. Wir wollen aber keinen Schnellschuss, sondern uns Zeit nehmen. Aktuell sind wir in der Evaluierungsphase».

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