Der schnelle Eddy begann sanft

Wie gewohnt am letzten Donnerstag der Monate mit «r» gab es auch vorgestern ein Konzert in der Münchwiler Bluesfabrik. Engagiert war Sänger «Fast Eddy». Nomen ist aber nicht immer Omen.

Michael Hug
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«Fast Eddy» Wilkinson brachte Stimmung in die Bluesfabrik. (Bild: Michael Hug)

«Fast Eddy» Wilkinson brachte Stimmung in die Bluesfabrik. (Bild: Michael Hug)

MÜNCHWILEN. Woher Eddy Wilkinson seinen Übernamen hat, weiss wohl ausser ihm niemand mehr so genau. Jedenfalls weist im Habitus des Ex-Londoners und heute in Stuttgart lebenden Sängers, Harp-Spielers und Gitarristen nichts auf Geschwindigkeit hin. Schnell ist er fürwahr nicht, aber langsam auch nicht. Dafür energiegeladen. Demzufolge müsste er eigentlich Power Eddy heissen. Druckvoll begann sein Konzert und trotzdem sanft mit dem einen und anderen Blues-Cover. Der kleine Engländer und seine Band aus deutschen Musikern spielten sich gute zwei Stunden lang durch den Fundus der Blues-Klassiker.

Cocker oder Burdon?

Schliesst man bei Eddy Wilkinson die Augen, meint man Joe Cocker der frühen Jahre vor sich zu haben. Öffnet man sie wieder, hat man ein ebensolches Déjà-vu-Erlebnis. Der Mann auf der Bühne könnte auch mit Eric Burdon verwechselt werden. Doch trotz aller Anlehnungen: Der quirlige Mann mit der Igelfrisur ist «Fast Eddy», erst recht, wenn er sich seine Gitarre umhängt und noch einen Gang raufschaltet. Denn das beherrscht dieser Engländer: Singen was das Zeug hält. Er ist ein vom zufälligen Glück der Natur Gesegneter, das ihm eine kräftig-kratzige und dennoch harmonisch tönende Stimme verliehen hat. Der Mann muss keine Sperenzien machen, wenn er singt, dann herrscht der Blues oder der Rhythm & Blues, aber geradeso gut könnte er auch Sänger einer ordentlichen Rockband sein.

Fünf Studio- und Live-Alben

Erfreulicherweise hatten sich am Donnerstagabend eine ganze Menge Zuschauer für das Konzert interessiert. Wohl dürfte der eine oder die andere den Namen schon gehört haben, war Eddy Wilkinson doch erst 2011 an den Blues Festivals von Frauenfeld und Gossau zu Gast. Ausserdem hat er in seiner 24jährigen Karriere auch schon fünf Studio- und Live-Alben produziert. Auch Fans von Walter Trout, der notabene erst gerade am vergangenen Sonntag im Eisenwerk zu Frauenfeld auftrat, dürften sich des Zusammentreffens der beiden im November 2007 in Süddeutschland erinnern. Das ist, mangels eines richtig umfassenden Repertoires eigener Songs, wohl auch die Stärke Wilkinsons: die Performance von richtig guten Blues-Entertainern zu bereichern, aufzuladen und unvergesslich zu machen. Doch gibt man diesem alterslosen Musiker ein gute Band, dann geht auf jeder Bühne die Post ab, ist die Hölle los, ist Feuer im Dach. Wie am Donnerstagabend in der Bluesfabrik.