Der Rückstand wird wettgemacht

ESCHLIKON/BAZENHEID. Die Eschliker Firma Inno Recycling AG verkauft 60-Liter-Säcke, in denen gemischter Kunststoff gesammelt werden kann. Beim Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid sieht man keine Veranlassung, einen solchen auch einzuführen.

Simon Dudle
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Die Meinungen sind geteilt, ob das Sammeln von gemischtem Kunststoff in solchen Säcken sinnvoll ist. (Bild: Nana do Carmo)

Die Meinungen sind geteilt, ob das Sammeln von gemischtem Kunststoff in solchen Säcken sinnvoll ist. (Bild: Nana do Carmo)

Bezüglich Kunststoff sammeln ist die Schweiz eine rückständige Insel. In den Nachbarländern Deutschland, Österreich, Frankreich sowie (Nord-)Italien ist man diesbezüglich weiter. Hierzulande wurden die Anstrengungen erst in den vergangenen Jahren intensiviert. Der Thurgau gilt dabei als eigentliches Kompetenzzentrum. Mit der ITW Poly Recycling GmbH in Weinfelden, der Recypet AG in Frauenfeld und der Inno Recycling AG in Eschlikon gibt es drei Unternehmen, die sich primär um den Kunststoff kümmern.

100 Tonnen Kunststoff pro Jahr

Im Hinterthurgau wird seit nunmehr drei Jahren Kunststoff gesammelt. Nachdem bei der Inno Recycling zuerst nur Flaschen gratis eingeworfen werden konnten, fanden mit der Zeit immer mehr Hohlkörper wie Schalen den Weg zur Sammelstelle. Daraus schloss Markus Tonner, Geschäftsführer der Inno Recycling AG, dass der Wunsch nach einer gemischten Kunststoffsammlung vorhanden ist. Ein Pilotprojekt mit der Gemeinde Amlikon-Bissegg wurde aufgegleist. Mittlerweile können schon an diversen Standorten im Grossraum Wil Säcke für die Kunststoffsammlung gekauft und dann wieder abgegeben werden (siehe Kasten).

Im vergangenen Jahr hat die Hinterthurgauer Firma rund 100 Tonnen Kunststoff gesammelt und wieder recycelt. Bei den Säcken mit dem gemischten Kunststoff muss aber zuerst sortiert werden, denn in diesen befinden sich laut Tonner durchschnittlich «nur» rund 60 Prozent an recycelbarem Kunststoff. Der Rest besteht aus 35 Prozent anderem Kunststoff, den man der Zement-Gewinnung zuführt, und 5 Prozent sind Restmüll. Da seit Neuestem auch Getränke-kartons recycliert werden können, sollen bis zu 69 Prozent des Inhalts wiederverwendbar werden. Obschon nur zwei Drittel der Materialien wiederverwertet werden können, sagt Tonner: «Jedes Kilo Kunststoff, das nicht in einer Kehrichtverbrennungsanlage verbrannt werden muss, spart 2,83 Kilogramm Kohlenstoffdioxid ein.»

«Ökologischer Mehrwert fehlt»

Eine etwas andere Sicht der Dinge hat man beim Zweckverband Abfallverwertung in Bazenheid (ZAB). Dort verzichtet man auch künftig auf eine gemischte Kunststoffsammlung. «Erfahrungen im benachbarten Ausland zeigen, dass bei gemischten Kunststoffsammlungen aus dem Haushalt rund die Hälfte der Sammelware am Schluss thermisch verwertet werden muss. Damit fehlt bei solchen Sammlungen ein ökologischer Mehrwert», sagt Claudio Bianculli, Vorsitzender der Geschäftsleitung des ZAB. Seiner Meinung nach sind Kehrichtverbrennungsanlagen dafür weiter die richtige Adresse, zumal diese heute Heizkraftwerke seien und immer mehr Strom und auch Wärme produzierten. «Darüber hinaus muss bei Sammlungen gemischter Kunststoffe eine Gebühr bezahlt werden, was in der Summe ökologisch als auch wirtschaftlich für den Bürger wenig Sinn macht», sagt Bianculli.

Seit Mai dieses Jahres können beim Easydrive des ZAB in Bazenheid aber auch Kunststoffflaschen wie jene von Shampoos, Duschgels, Putz- und Waschmitteln gratis abgegeben werden. «Entscheidend ist die Reinheit des gesammelten Kunststoffs. Nur wenn diese gewährleistet ist, kann ein neuer und wertvoller Rohstoff für die Kunststoffproduktion erzeugt werden», sagt Bianculli. Spielzeuge, Verpackungen, Folien, Plastiksäcke oder Bauprodukte gehören nicht in die Sammlung.

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