Der Rückkehrer: SVP-Stadtparlamentarier Klaus Rüdiger will es nochmals wissen

Mit Klaus Rüdiger kehrt ein bekanntes Gesicht ins Wiler Stadtparlament zurück. Der ehemalige Präsident der SVP Wil möchte seine Erfahrung in der durch die Coronapandemie herausfordernden Zeit in die Politik einbringen.

Gianni Amstutz
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Nach fünf Jahren kehrt Klaus Rüdiger im Januar wieder ins Wiler Stadtparlament zurück.

Nach fünf Jahren kehrt Klaus Rüdiger im Januar wieder ins Wiler Stadtparlament zurück.

Bild: PD

Mit Klaus Rüdiger kehrt ein ehemaliges Mitglied nach fünf Jahren ins Stadtparlament zurück. Zwischen 2005 und 2015 sass er für die SVP in der Wiler Legislative. Zudem war er Parteipräsident der SVP Ortspartei.

Für die Entscheidung zurückzutreten, spielte damals auch eine Rolle, dass die SVP in dieser Zeit eine turbulente Phase durchmachte. Da war einerseits der Facebook-Post des damaligen SVP-Stadtparlamentariers Mario Schmitt, in dem sich dieser als Reaktion auf ein Propagandavideo des Islamischen Staats islamfeindlich äusserte. Dafür wurde Schmitt später wegen Rassendiskriminierung verurteilt.

Kurz darauf geriet die SVP Wil erneut in die nationalen Schlagzeilen. Dieses Mal wegen Sarah Bösch, welche nach einer Alkoholkontrolle verbal gegen die Polizei schoss. Irgendwann war Rüdiger das zu viel.

Eine neue Aufgabe

Anstatt sich mit politischen Inhalten auseinanderzusetzen, war er gezwungen, den Feuerwehrmann zu spielen und die Wogen zu glätten.

«Irgendwann habe ich mich gefragt, ob es das Wert ist, meine Zeit dafür zu investieren.»

Die Nebenschauplätze der SVP in dieser Zeit seien aber nicht der Hauptgrund gewesen für seinen Rücktritt als Ortsparteipräsident und Stadtparlamentarier. Auch die zeitlichen Ressourcen wurden irgendwann knapp.

Denn seit 2015 ist er Teil des kantonalen Bildungsrats. Dieser steht der Kantonsregierung bei bildungspolitischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Es sei eine sehr spannende Arbeit, sagt Rüdiger, der beruflich als Mittelschullehrer in Zug tätig ist. Da der Bildungsrat im Hintergrund arbeite, spiele Parteipolitik nur eine untergeordnete Rolle.

Diese Art des Politisierens sagt Rüdiger zu. Es sei vergleichbar mit der Arbeit in den Kommissionen im Parlament, sagt er, der fünf Jahre lang die Geschäftsprüfungskommission präsidierte. Auch bei dieser Aufgabe stellte er unter Beweis, dass er die Sache in den Vordergrund stellen und die parteipolitische Brille abzulegen vermochte.

Auch Parteipolitik hat ihren Platz

So sehr er auch die Wichtigkeit überparteilicher Zusammenarbeit betont, so sehr ist er SVP-Politiker. Während in den Kommissionen die Sache und das Schmieden von Kompromissen wichtig seien, habe es an den Sitzungen des Stadtparlaments durchaus Platz für Parteipolitik. Beide Arten des Politisierens gehörten dazu.

Dass sich Klaus Rüdiger nach fünf Jahren Pause wieder um einen Sitz im Stadtparlament beworben hat, führt er auf einen zentralen Grund zurück. Die Situation sei durch die Coronapandemie eine grosse Herausforderung für die Politik, sagt er.

«Ich will meine Erfahrung in dieser Krisenzeit gerne einbringen.»

Gerade jetzt sei es wichtig, dass der Staat nicht ausufere. Diese kritische Haltung gegenüber einer zu starken Einflussnahme durch den Staat sei denn auch ein Grund gewesen, weshalb er sich politisch für die SVP engagiere.

Daneben habe ihn als gebürtiger Deutscher, der 2002 eingebürgert wurde, die EU-Beitrittsfrage stark beschäftigt. Dass in der Schweiz, «einem demokratischen Modell par excellence» zumindest früher Stimmen für einen Beitritt zu einem so undemokratischen Konstrukt geweibelt hätten, habe er nie verstanden.

Auch die Liberalisierung beziehungsweise Entkriminalisierung des Drogenmissbrauchs in den 90ern habe er – wie die SVP – kritisch betrachtet.

Ein Plädoyer für realistische Massnahmen im Klimabereich

Im Parlament will sich Rüdiger aber auch bei der Klimathematik einbringen. Ökologische Anliegen hätten zwar ihre Berechtigung, es benötige aber realistische Massnahmen, die einen Nutzen für alle bringen. Nicht zielführend sei es hingegen, jedem Trend zu folgen.

Die Arbeit des Stadtparlaments hat Rüdiger auch in den vergangenen fünf Jahren verfolgt – und er stellt der Legislative ein gutes Zeugnis aus. Nicht ganz so zufrieden ist er hingegen mit der Arbeit des Stadtrats.

Er wünsche sich eine bessere Zusammenarbeit in diesem Gremium, sagt er und wiederholt damit ein im Wahlkampf oft gehörten Kritikpunkt. Ausserdem bemängelt er die seiner Ansicht nach fehlende Vernetzung der Wiler Regierung im Kanton.

Es mache ihm oft den Anschein, dass die Anliegen Wils in St. Gallen kaum eine Rolle spielten – und dies, obwohl Wil die drittgrösste Stadt im Kanton sei. Wil dürfe noch selbstbewusster auftreten, ist er überzeugt. Denn die Stadt sei weit mehr als ein Zwischenhalt auf dem Weg von St. Gallen nach Zürich.