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Der Rotmilan bedient sich gerne selber

In der Region zwischen Flawil und Hinterthurgau ist der Rotmilan auffällig oft am Himmel auszumachen. Vor wenigen Jahren noch war er deutlich seltener zu sehen. Der majestätische Greifvogel ist schlau, und weiss auch Grillpartys zu schätzen.
Gianni Amstutz
Mit einer Spannweite von 140 bis 165 Zentimetern ist der Rotmilan nach Bartgeier und Steinadler der drittgrösste einheimische Greifvogel. (Bild: Keystone)

Mit einer Spannweite von 140 bis 165 Zentimetern ist der Rotmilan nach Bartgeier und Steinadler der drittgrösste einheimische Greifvogel. (Bild: Keystone)

Der betörende Duft von würzigem Grillgut liegt in der Luft. Mit Hochgenuss werden die Würste und Koteletts verspiesen. Die übrig gebliebenen Knochen werden in einem Kartonteller zur Seite gestellt. Beim Aufräumen nach dem Grillieren passiert es: Der Teller fällt zu Boden, und zwei Knochen bleiben im Rasen liegen. Nicht so schlimm, die können auch später noch weggeräumt werden, denkt der Grilleur. Er sollte eines Besseren belehrt werden. Als er in der Küche das Geschirr abstellen wollte, vernahm er durch die offenstehende Glastür plötzlich ein Rauschen und einen vorbeihuschenden Schatten. Als er sich der Situation gewahr wurde, sah er gerade noch einen grossen Vogel von hinten, wie er sich mit seinen kräftigen Flügeln in die Lüfte emporschwang. Es war ein Rotmilan, der drittgrösste in der Schweiz heimische Greifvogel, der die Knochen aus der Distanz erspäht und sie sich im Durchflug gegriffen hat. Dieser Vorfall ereignete sich in Rickenbach. Er könnte sich aber jederzeit an jedem Ort in der Region genauso zutragen. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist der Rotmilan ein Aasfresser, zum anderen hat dessen Population in den vergangenen Jahren sichtbar zugenommen. Laut der Vogelwarte Sempach gibt es derzeit etwa 3000 Brutpaare in der Schweiz. In den 1990er-Jahren waren es schätzungsweise 800 bis 1000 Paare.

Gut an Menschenverhalten und Landwirtschaft angepasst

Bei der Vogelwarte Sempach wird das vermehrte Vorkommenden des Rotmilans in der Region Wil bestätigt. Die Fachleute vermuten mehrere Ursachen für die Zunahme und die Ausbreitung des Rotmilans. «Höchstwahrscheinlich verbesserte sich die Nahrungsgrundlage für den Greifvogel seit Mitte des letzten Jahrhunderts erheblich», erklärt ein Sprecher. «Einerseits erhöhte die immer frühere und häufigere Mahd und Fruchtfolge die Erreichbarkeit von Beutetieren wie Mäusen und Würmern. Anderseits könnte der Rotmilan als Aasfresser von der zunehmenden Anzahl von im Verkehr verunglückten Tieren profitiert haben.» Zudem hätten die höheren Temperaturen in den vergangenen Jahrzehnten zu langen schneefreien Perioden im Mittelland sowie zur frühen Schneeschmelze im Voralpengebiet geführt. Zu guter Letzt habe die Art wohl auch von Fütterungsstellen profitiert, die vor allem im Winter von Privatpersonen betrieben werden.

Der Rotmilan gilt als eigentlicher Nahrungsopportunist. Er kann sich aus Nützlichkeitserwägungen schnell der jeweils gegebenen Lage anpassen. Dazu gehört auch, dass er Menschen aufmerksam beim Grillieren beobachtet und die Gunst des Momentums nutzt. Es sind Fälle bekannt, in denen ein Rotmilan im Flug ein kleines Poulet vom Grill holte.

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