Der Preis sprach für Abacus

Zwischen dem Softwareunternehmen Abacus und vielen Gemeinden ist ein Streit entbrannt. Flawil geht in der Informatikbeschaffung als eine von wenigen Kommunen einen eigenen Weg.

Simon Dudle
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Elmar Metzger Gemeindepräsident Flawil (Bild: pd)

Elmar Metzger Gemeindepräsident Flawil (Bild: pd)

FLAWIL. 67 der 77 St. Galler Gemeinden sind in einem Rechtsstreit mit der Softwarefirma Abacus verwickelt und dürfen sich derzeit keine neue Finanzsoftware beschaffen. Das Verwaltungsgericht das Kantons St. Gallen hat dies mit einer superprovisorischen Verfügung veranlasst.

Das Wittenbacher Unternehmen sieht das Beschaffungsrecht verletzt, weil die Gemeinden die Beschaffung der neuen Finanzsoftware nicht öffentlich ausgeschrieben haben. Der Entscheid des Gerichts steht noch aus.

Flawiler Inhouse-Lösung

Doch um was geht es eigentlich? Die meisten Gemeinden beziehen ihre IT-Lösung von der Verwaltungsrechenzentrum AG St. Gallen (VRSG), die zu 100 Prozent im Besitz der Gemeinden und des Kantons ist. Zu ihnen gehört auch Uzwil. Während Gemeindepräsident Lucas Keel im gemeindeeigenen Mitteilungsblatt in die Offensiv geht (siehe Box), ist die Situation beim Nachbarn in Flawil eine andere. Die Gemeinde hatte sich bereits im Jahr 1999 nach einem aufwendigen Offertverfahren, an dem auch die VRSG teilnahm, entschieden, auf die Software der Firmen Nest und Abacus sowie ISE zu setzen. Dies aus zwei Gründen, wie Gemeindepräsident Elmar Metzger sagt: «Die gewählte Lösung überzeugte dank tieferer Anschaffungskosten und tieferer Betriebskosten. Zudem bot die VRSG damals noch kein Verrechnungsmodell für die technischen Betriebe an.»

Seither sorgt in Flawil eine eigene IT-Abteilung in den allermeisten Fällen für den Support. In speziellen Situationen werden Fachpersonen beigezogen.

Eine Frage des Preises

Aktuell wird in der Gemeinde Flawil die IT-Strategie für die nächsten Jahre neu definiert. «Ob sich daraus ein Auftrag ergibt, wiederum eine Evaluation durchzuführen, ist offen», sagt Metzger. Bereits 2009 sei ein unabhängiger Informatikexperte zum Schluss gekommen, dass sich ein Wechsel zur VRSG nicht lohne, da die IT für Flawil in jenem Fall deutlich teurer würde und man schon praktisch bei «Best Practise» sei.

Trotzdem bleiben einige Fragen offen. Die Firma Abacus wirft vielen anderen Gemeinden Vetternwirtschaft vor, da sie die Aufträge nicht ausschreiben und so quasi unter der Hand der VRSG vergeben. Und wie sieht das der Flawiler Gemeindepräsident? «Ich äussere mich nicht zu Entscheiden anderer Gemeinden», sagt Metzger.

Von Uzwils Gemeindeoberhaupt Keel kommt im aktuellen Mitteilungsblatt der Hinweis, er wolle sensible Daten von Einwohnern nicht in irgendeinem Rechenzentrum deponiert haben. Dem entgegnet Metzger: «Die Daten der Gemeinde Flawil werden <Inhouse> gespeichert und gesichert. Zu diesem Zweck gibt es detaillierte Weisungen zum Datenschutz und zur Datensicherheit.»

Warten auf den Entscheid

Im IT-Streit warten alle auf den Entscheid des Verwaltungsgerichts. Sollte Abacus recht bekommen und die Gemeinden die Aufträge künftig ausschreiben müssen, hiesse das noch lange nicht, dass Abacus der Profiteur sein wird. Wegweisend ist der Entscheid aber allemal.

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