Der Politik fehlt die Leidenschaft

Eingeladen waren speziell die jungen Bürgerinnen und Bürger, doch sie kamen nicht. An der «Jungbürger-Arena» in Jonschwil versuchten die Teilnehmer zu ergründen, weshalb die Jungen keinen Bock auf Politik haben.

Urs Bänziger
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Diskutierten am Podium über die Politabstinenz der Jungen und andere Themen: Johannes Leutenegger (GLP), Marc Flückiger (FDP), Peter Haag (SVP), Fabian Baumann (BDP), Sebastian Koller (Junge Grüne), Nicole Flepp (SP), Martha Storchenegger (CVP) und die beiden Berater in Rechtsfragen Georg Wanner und Stefan Frei (von links). (Bild: Urs Bänziger)

Diskutierten am Podium über die Politabstinenz der Jungen und andere Themen: Johannes Leutenegger (GLP), Marc Flückiger (FDP), Peter Haag (SVP), Fabian Baumann (BDP), Sebastian Koller (Junge Grüne), Nicole Flepp (SP), Martha Storchenegger (CVP) und die beiden Berater in Rechtsfragen Georg Wanner und Stefan Frei (von links). (Bild: Urs Bänziger)

JONSCHWIL. Der Auftritt des Publikums war enttäuschend. Nur gerade vier von insgesamt 150 persönlich eingeladenen Jungbürgerinnen und Jungbürgern folgten der Einladung. Eine Jonschwiler «Jungbürger-Arena» sollte es werden, bei der die 18- bis 20-Jährigen mit Politikerinnen und Politikern über Themen diskutieren, die sie beschäftigen. Aber auch die älteren Bürgerinnen und Bürger zeigten wenig Interesse an der öffentlichen Veranstaltung vom Donnerstagabend in der Aula des Oberstufenzentrums Degenau. Gemeinderat Bruno Näf, der das Podium moderierte, konnte rund 30 Zuhörer begrüssen.

Doch es gibt auch junge Menschen, die an der Politik interessiert sind und sich dafür engagieren. Mit Johannes Leutenegger (GLP, Wil), Sebastian Koller (Junge Grüne, Wil) und Fabian Baumann (BDP, Schwarzenbach) diskutierten am Podium drei junge Politiker und Kandidaten für den Kantonsrat.

Zu sehr mit sich beschäftigt

Bruno Näf wollte von ihnen und den anderen Podiumsteilnehmern denn auch wissen, weshalb das Interesse der Jungen an der Politik so gering ist. Der Politik fehle die Leidenschaft, sie sei zu technokratisch, sagte Leutenegger. Das Phänomen habe mit dem Zeitgeist zu tun. Viele Junge seien zu sehr mit sich beschäftigt, antwortete Koller. Die politische Abstinenz sei nicht nur ein Phänomen bei den Jungen. Auch die Älteren engagierten sich immer weniger, sagte Baumann. «Jeder schaut nur noch für sich selber.» Die Politik stehe in Konkurrenz mit sehr vielen Freizeitmöglichkeiten, begründete Marc Flückiger (FDP, Wil). Auch er sei als Junger mit vielen anderen Sachen beschäftigt gewesen und sei erst mit 30 politisch aktiv geworden.

«Die Jungen müssen direkt abgeholt werden», betonte Nicole Flepp (SG, Schwarzenbach). «Ohne direkten Kontakt ist es schwierig, die jungen Leute für die kommunale und kantonale Politik zu gewinnen.» Auch Martha Storchenegger (CVP, Jonschwil) vertrat diese Meinung. «Wir müssen uns überlegen, wie wir die Jungen anders abholen können. Podien wie diese sind nicht mehr die zeitgemässe Form.» Nicht so pessimistisch beurteilte Peter Haag (SVP, Schwarzenbach) die Situation. «Mit 16 Jahren leben die Jungen im Jetzt. Aber mit 20 Jahren ist die Politik sehr wohl ein Thema.»

Bruno Näf wollte von den jungen Zuhörern wissen, wie das Interesse an den Jungbürgerfeiern geweckt werden könnte. «Mit Bratwurst und Bier», lautete die einzige, knappe Antwort.

Gratis Bratwurst und Bier

Bratwurst und Bier gebe es gratis an den Jonschwiler Bürgerversammlungen, sagte Gemeindepräsident Stefan Frei, der mit dem ehemaligen Vizestaatssekretär Georg Wanner als Berater in Rechtsfragen am Podium teilnahm. Gross einzuschreiten brauchten sie jedoch nicht. Die weiteren Themen an diesem Abend waren nicht allzu strittig. Die Meinungen zwischen den jungen und den erfahrenen Politikerinnen und Politikern gingen nicht weit auseinander. Sie diskutierten über das Klanghaus Toggenburg, die geplante Expo in der Ostschweiz, zweite Gotthardröhre, den Ausbau des ÖV in der Region, Sparen in der Bildung, weniger Gemeinden im Kanton und über das neue Planungs- und Baugesetz.

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