Der perfekte Preis ist eine Illusion: Momoll-Theater führt sein neustes Stück in Wil auf

Neun jugendliche Schauspieler spielten am Samstagabend um den «perfekten Preis». Die Uraufführung des modernen Dschungelcamps von Autorin Bettina Scheiflinger fand vor ausverkauftem Haus statt.

Michael Hug
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Gemeinsam finden die Jugendlichen die besseren Lösungen. (Bild: Michael Hug)

Gemeinsam finden die Jugendlichen die besseren Lösungen. (Bild: Michael Hug)

Die Ausscheidungen zu «Game Time» waren schon hart genug. Doch im Finale um den absolut perfekten Preis wird es noch härter. Die Regeln sind klar – und ebenso hinterhältig: Wer die rote Linie überschreitet, ist raus aus dem Game. Wer abgewählt wird, ist ebenso weg vom Fenster. Wer sich oder seinen Körper überschätzt, muss ab nach Hause. Doch die Teilnehmenden wissen von alldem noch nichts. Es bleibt noch Zeit für Fragen: Was wird hier gefordert? Warum lasse ich mich auf so etwas ein? Warum unterschreibe ich Spielregeln, ohne sie durchzulesen? Und: Was wäre für mich der perfekte Preis?

Ein Traummann oder die Freiheit

«Ein Traummann!», sagt Ivy (Caroline Nef). «Die Freiheit!», ruft Dani (Mattia Leonetti). Bestimmt wird der perfekte Preis so perfekt sein, dass er Wünsche erfüllt, wenn auch eventuell nicht alle. Grund genug, um mitzumachen bei diesem modernen Dschungelcamp. Sechs jugendliche Teilnehmende (Hannah Kohlmeyer, Mattia Leonetti, Leslie McLaren, Caroline Nef, Vera Schläpfer und Leoni Tobia) stellen sich den Prüfungen, von denen die erste noch die leichteste ist. Es erweist sich: Jeder oder Jede schaut nur für sich selbst. Es gipfelt in der Aussage von Dani: «Wenn wir gewinnen wollen, dürfen wir nicht die Schlechteste rauswählen!» Schlau – aber eben eigensinnig.

Alle Fäden in der Hand

Melanie (Linda Barberi), die das Spiel verantwortet, greift gnadenlos durch und Frieda (Hannah Kohlmeyer) muss raus. Ihr Assistent Beni (Valentin Hüppi) kann nur noch abnicken. Hier hat eine einzige Person alle Fäden in der Hand, da können die Gamer machen, was sie wollen. Selbst die Gewinnerin steht fest: Alissia (Pascale Hilber). Doch geht es wirklich darum, «Fun» zu haben, um einen Preis zu gewinnen? Es geht um Träume, um Manipulation, um grosse Versprechen, um den Kampf Jeder gegen Jeden – wie im Leben. Wie im Leben? Die Jugendlichen beginnen, zu zweifeln. Drei tappen in die Falle, die anderen holen sie raus. Auch das ist wie im Leben: Gemeinsam findet man die besseren Lösungen. Doch gegen die Hinterhältigkeit des «Grossen Bruders» kann auch ein Team nicht viel ausrichten. In Ketten gelegt wird am Ende der Falsche. Jetzt nur schnell nach Hause ins richtige Leben zurück.

Hoch konzentriert und engagiert

Es war recht kühl am Samstagabend in der unbeheizten Lokremise. Das Ensemble des Momoll-Jugendtheaters ist es sich gewohnt. Jahr für Jahr proben die Jugendlichen unter der Leitung von Regisseurin Claudia Rüegsegger im Spätwinter ein Stück bei bedenklichen Temperaturen. Für die Zuschauenden gab es Wolldenken. Dem Spiel schadete der Wintereinbruch nicht.

Hoch konzentriert und engagiert brachten die neun Jugendlichen das Stück der Wiler Autorin Bettina Scheiflinger auf die kalte Bühne. Ein brisantes Thema wurde zu einem spannenden Stück geformt, in dem sich auch erwachsene und lebenserfahrene Zuschauer wiedersahen. Ach wie oft rennt man Träumen nach, dem grossen Preis, dem vermutlichen Gewinn. Und hinterlassen dabei eine Spur von Daten, die der «Grosse Bruder» dann gleich verwendet, um zu weiteren Illusionen zu verführen.

Hinweis
Weitere Vorstellungen am 7., 9., 10., 14., 16. und 17. Mai jeweils um 20:15 Uhr in der Lokremise, Tickets: www.momoll-theater.ch