Der oberste St.Galler Blasmusiker tritt ab

Markus Meier aus Degersheim war 17 Jahre im Vorstand des Blasmusikverbandes – in einer Zeit des Wandels.

Zita Meienhofer
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Mit Standing Ovations der Musikantinnen und Musikanten und dem Beisein seiner Familie und den Vorstandskollegen wurde Markus Meier (3. von links) aus seinem Amt verabschiedet. Bild: Kurt Iten

Mit Standing Ovations der Musikantinnen und Musikanten und dem Beisein seiner Familie und den Vorstandskollegen wurde Markus Meier (3. von links) aus seinem Amt verabschiedet. Bild: Kurt Iten

«Musik ist für mich Erholung, ist für mich Ausgleich, bei Musik kann ich alles vergessen.» Das sagt der bis am vergangenen Samstag oberste Blasmusiker des Kantons. Markus Meier aus Degersheim war seit 2002 im Vorstand des St.Galler Blasmusikverbandes (SGBV), 2014 übernahm er das Präsidium. Noch bis Ende Jahr bleibt er im Vorstand, um die Übergabe zu regeln. Das Ruder hat diese Woche allerdings sein Nachfolger, Roland Kohler aus Heiligkreuz, übernommen. 17 Jahre Verbandsarbeit, in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft, in der sich die Blasmusikszene und in der sich vor allem die Verbandsarbeit sehr stark gewandelt hat.

An die ersten Sitzungen hatte Markus Meier mit Krawatte zu erscheinen, wenn der Verbandsvorstand tagte, spielte der örtliche Musikverein auf. Die Sitzungen fanden und finden noch heute in den verschiedenen Regionen im Kanton statt. «Es musste ein Wechsel stattfinden», sagt Markus Meier, «so konnte kein Verband mehr funktionieren». Sein Vorgänger, Markus Müller, und er als Vizepräsident nahmen damals die Sache in die Hand. Nach und nach löste sich die steile Hierarchie auf, die Zeit der One-Man-Shows war vorbei. Es sei wichtig gewesen, zu hören, was die Vereine wollten, wo sie die Sorgen drückten, und als Verband entsprechend zu agieren, so Meier. «Für etwas haben wir zwei Ohren und nur einen Mund.» Zudem wurde das Ressort-System eingeführt.

Der Präsident, der nie Präsident werden wollte

Die vergangenen fünf Jahre führte Meier den Verband, obwohl er gar nie Präsident werden wollte, sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sogar hartnäckig weigerte. Sein Rücktritt aus dem Vorstand 2014 war definiert, sein Nachfolger gewählt. Der damalige Verbandspräsident musste allerdings aus gesundheitlichen Gründen sofort demissionieren. Während des Kantonalen Musikfestes in Diepoldsau wurden intensive Gespräche geführt. «Dort wurde ich überredet», sagt Meier rückblickend und mit einem Schmunzeln. Für zwei Jahre wollte er damals die Führung des Verbandes übernehmen, 2016 sollte Schluss sein. Doch dann kamen die Vorbereitungen für das Kantonale Musikfest in Lenggenwil. «Mein Vorgänger erklärte mir, dass man als Präsident ein Kantonales erleben müsse.» Also blieb Meier bis im November 2019.

Der Nachwuchs muss gepflegt werden

Den Verband verlässt Markus Meier mit dem bekannten weinenden und lachenden Auge. Da ist einerseits die freigewordene Zeit, die er nun anders nutzen will. Er beziffert den Aufwand für das Präsidium mit einem 15-Prozent-Pensum. Was er sicherlich wieder vermehrt tun wird: aktiv musizieren. Seit zwei Jahren ist er nicht mehr Mitglied eines Vereins, das will er wieder werden. Da sind andererseits die vielen Begegnungen und Freundschaften, die Meier in den vergangenen Jahren erleben durfte. «Ich wurde überall – ob im eigenen Verbandsgebiet oder darüber hinaus – stets sehr freundlich und wertschätzend begrüsst», sagt er, «genau dies war immer wieder Kraftquelle und Inspiration für mich als Person und somit mein Amt.»

Als Höhepunkt seiner 17-jährigen Zeit im Verbandsvorstand bezeichnet er das Kantonale Musikfest dieses Jahr in Lenggenwil, das «Kantonale», welches er als Präsident aber auch als Musikant erlebt hat. Gern blickt er zurück auf die Arbeit im Vorstand. «Letztlich hatten wir eine gute Gruppe», bilanziert er. Man müsse nicht einer Meinung sein, das sei nicht förderlich, aber man müsse die gleichen Ziele haben. Dieses hat der zehnköpfige Vorstand. «Es gilt, unsere Verbandsarbeit weiterhin im Sinne unserer 119 Vereine zu gestalten und nach deren Bedürfnissen auszurichten», so Meier. Immer mit der Tatsache, den gesellschaftlichen Wandel nicht zu vergessen. Deshalb werden zielgruppengerechte Workshops oder einzeln belegbare Module angeboten, wird von den langwierigen Kursen mit samstäglichen Terminen abgesehen. Auch E-Learning ist ein Thema oder die vertiefte Kooperation und Vernetzung mit anderen Anbietern wie Musikschulen. Muss er definieren, wie es dem SGBV geht, sagt er: «Ohne den Mund voll zu nehmen, darf ich mit gutem Gewissen sagen: gut». Die Finanzen sind im Lot, die Sponsoringpartner ins Boot geholt und die Gremien besetzt. Auch die Jugendförderung hat ein festes Standbein im Verband. Der Nachwuchs sei wichtig und der komme nur, wenn Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung stünden und die Vereine Besonderes und Überraschendes bieten. Das hat er vor allem bei den Unterhaltungsabenden festgestellt. «Diese haben sich massiv geändert», sagt er. Es werden Shows präsentiert, oft in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen. Das könne auf die Jungen sehr motivierend wirken.

Die Stilrichtung der Musik ist nicht wichtig

«Mame», wie er im Verband genannt wird, hat sich einen Namen geschaffen, hat seine Spuren hinterlassen. Das war vor allem bei seiner Verabschiedung spürbar. Diese erfolgte mit Standing Ovations. Er war der Visionär, jener, der die Fäden zog. Für die musikalische Qualität war die Musikkommission verantwortlich, deren Zusammenarbeit er schätzte. Die Erholung und den Ausgleich, von dem er zu Beginn sprach, findet er in der Musik, egal welcher Stilrichtung: «Ich höre querbeet alles, von Nightwish bis Jodelchor.»

Zur Person

Markus Meier (58) ist in Degersheim aufgewachsen. Er war 40 Jahre Mitglied des örtlichen Musikvereins als Flügelhornist. Acht Jahre stand er dem Verein als Präsident vor. 2002 wurde er in den Vorstand des St. Galler Blasmusikverbandes und 2005 zum Vizepräsidenten gewählt. 2014 übernahm er das Präsidium. Markus Meier ist als Kommunikationsberater im Marketing bei Raiffeisen Schweiz tätig. Seine Hobbys sind musizieren, skifahren und wandern. Beim SAC hat er zudem den Hüttenwartkurs absolviert. Als gelernter Dekorationsgestalter hat er eine Vorliebe fürs Zeichnen – in Kohle, Bleistift und Tusche. Er hat eine Tochter und zwei Söhne sowie zwei Enkelkinder. (zi)