Der neue Wein ist geboren

Vor drei Jahren hat die Ortsgemeinde Wil einen neuen Rebberg angelegt. Gestern konnten zum ersten Mal dessen Früchte geerntet werden – 1400 Kilogramm Müller-Thurgau-Trauben. Wie der Wein heissen wird, ist noch nicht entschieden.

Ursula Ammann
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Rebwart Edi Kümin fährt die Trauben zur Trotte. Ortsbürger Albert Bingemann betrachtet sie nochmals stolz. (Bild: unknown)

Rebwart Edi Kümin fährt die Trauben zur Trotte. Ortsbürger Albert Bingemann betrachtet sie nochmals stolz. (Bild: unknown)

WIL. Wil und Wein: Das gehört zusammen wie der Korken und die Flasche. Bereits im Mittelalter wurden hier Trauben angebaut. Ganze Heere von Rebstöcken umgaben die Stadt. Sie reichten bis nach Bettwiesen im Norden und nach Zuckenriet im Osten. Im Laufe der Zeit wurden die Weinberge aber immer mehr zurückgedrängt – von Frost und Rebkrankheiten, später aber auch vom Bauboom.

Doch im Kleinen lebt die Weinkultur an der Grenze zwischen Wil und Bronschhofen weiter. Und vor drei Jahren breitete sie sich gar wieder etwas aus. Im September 2011 legte die Ortsgemeinde am Burgstall einen zusätzlichen Rebberg von 40 Aren an und bepflanzte diesen mit Rebstöcken der Traubensorte Müller-Thurgau. Im Unterschied zu den Blauburgundertrauben gleich nebenan stehen diese nicht im Steilgelände, sondern auf Terrassen.

Mehr als nur Trauben

Gestern konnten die Früchte des neuen Weinberges zum ersten Mal geerntet werden. 16 Personen – Ortsbürger, aber auch andere – meldeten sich anlässlich der Eröffnungs-Wimmete zum Dienst. So auch Albert Bingemann. Seit über 50 Jahren hilft er regelmässig bei der Weinlese im Rebberg der Ortsgemeinde mit. «Für mich ist das Heimat und Kultur», sagt der Ortsbürger. Dann steuert er auf einen Hang neben dem neuen Rebberg zu. Hier hat er eigens Wildrosen gepflanzt und Steinlinsen als Unterschlupf für Kleintiere wie Blindschleichen und Eidechsen installiert. Weiter leisten Sträucher, Trockenmauern und Magerwiesen einen Beitrag zur biologischen Vielfalt im neuen Rebberg. Dessen Bau war gekoppelt an eine ökologische Aufwertung.

Treffpunkt in den Reben

Zum ersten Mal bei einer Wimmete mit dabei war gestern Edwin Gämperli aus Jonschwil. 40 Jahre lang arbeitete er als Betriebsmechaniker bei Bühler. Nun ist er pensioniert. Er ist zwar auf einem Bauernhof aufgewachsen und Imker, doch mit Trauben hatte er bisher nie etwas zu tun. Das Wimmen sei aber «sehr interessant», nicht zuletzt weil man auch viele Leute treffe, schwärmt Gämperli.

Süss und fruchtig

Rund 1400 Kilogramm Müller-Thurgau-Trauben sind bei der gestrigen Lese in den grossen Fässern gelandet. «Die Reben sind nun im dritten Jahr, was etwa die Hälfte des möglichen Ertrags bedeutet», erklärt Rebwart Edi Kümin. Die Ertragsmenge wird folglich steigen. Mit der Qualität der Trauben ist Kümin zufrieden. «Sie sind schön geworden», sagt er. Und auch der verregnete Sommer konnte ihnen nichts anhaben. Sie schmecken süss und fruchtig.

Zeit für die Namensfindung

Die Blauburgunder-Trauben hängen noch. Ein Teil davon soll – wenn das Wetter stimmt – noch diese Woche gelesen werden. Aus ihnen entsteht «Wiler Gold» und «Stadtwy».

Wie deren kleiner Bruder aus den Müller-Thurgau-Trauben heissen soll, ist noch nicht entschieden. «Wir haben mit der Namensfindung noch etwas Zeit bis der Frühling kommt», sagt Rebwart Edi Kümin. Vorschläge sind aber jetzt schon willkommen.

Rund 1400 Kilogramm Müller-Thurgau-Trauben sind im neuen, terrassierten Rebberg gediehen. (Bild: unknown)

Rund 1400 Kilogramm Müller-Thurgau-Trauben sind im neuen, terrassierten Rebberg gediehen. (Bild: unknown)

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Das Helferteam nach getaner Arbeit. (Bilder: Ursula Ammann)

Das Helferteam nach getaner Arbeit. (Bilder: Ursula Ammann)