Der neue SP-Stadtparlamentarier Mathias Schlegel wünscht sich eine sachlichere Diskussion: «Es wurde zu oft auf den Mann gespielt»

Mit Mathias Schlegel politisiert für die SP bald ein profunder Kenner der Stadt Wil im Stadtparlament. Denn Schlegel war 26 Jahre Schulleiter an der Oberstufe Lindenhof.

Gianni Amstutz
Drucken
Teilen
Bereits sein Vater und Grossvater waren Sozialdemokraten. Nun politisiert auch Mathias Schlegel für die SP im Wiler Stadtparlament.

Bereits sein Vater und Grossvater waren Sozialdemokraten. Nun politisiert auch Mathias Schlegel für die SP im Wiler Stadtparlament.

Bild: PD

Mathias Schlegel ist ein Neuling auf der politischen Bühne und doch gewissermassen auch ein alter Hase. Seit 1983 war er Angestellter der Stadt Wil, zuerst als Lehrer, später ab 1994 als Schulleiter der Oberstufe Lindenhof.

In dieser Zeit lernte er auch das Zusammenspiel von Verwaltung und Politik kennen. So etwa beim Bau der Oberstufe Lindenhof, wo er in der Baukommission war, oder bei der Errichtung der Sportschule, die er als Schulleiter begleitete.

Eine solche Innensicht aus der Verwaltung sei sicher ein Vorteil, sagt Schlegel. Er kenne dadurch die Abläufe, wisse auch, wie Geschäfte, die vom Stadtparlament beschlossen würden, ausgearbeitet und umgesetzt werden.

Ein Abbild der Gesellschaft

Überhaupt betrachtet Mathias Schlegel seine berufliche Erfahrung als gute Grundlage für das Amt als Stadtparlamentarier. Er sagt:

«Die Zeit als Schulleiter im Lindenhof hat mich geprägt.»

Die Oberstufe Lindenhof bilde die Gesellschaft in Wil eins zu eins ab. Schlegel spricht damit einerseits den im Vergleich zu anderen Schulen hohen Anteil von Schülern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an, aber auch die soziale Durchmischung, die es in der Schule gibt.

Die Oberstufe Lindenhof ist die einzige Oberstufe in Wil, die sowohl Klein-, Real- als auch Sekklassen führt. «Wir hatten vom Schüler mit grossen Lernschwierigkeiten bis hin zur späteren Akademikerin die ganze Bandbreite.»

Schlegel sieht diese Durchmischung nicht als Schwäche, sondern als Stärke der Schule. Schliesslich entspreche dies der gesellschaftlichen Realität, wo es ebenfalls Leute mit verschiedener Herkunft und unterschiedlichem sozialem Hintergrund gebe.

Bildungsbereich als Schwerpunkt

Es sind Themen, die Schlegel bereits während seiner Zeit als Schulleiter beschäftigt haben, für die er sich nun auch politisch starkmachen möchte. Da wäre einerseits der Bildungsbereich mit der ungeklärten Frage der zukünftigen Ausrichtung der Wiler Oberstufen. Zu dieser hat Schlegel eine klare Haltung.

Das Modell D mit drei öffentlichen Oberstufen bevorzugt er nach wie vor. Es geht nicht, dass die Stadt das Schulgeld für eine private Oberstufe wie das Kathi bezahle, aber weder Controllingfunktionen noch Mitsprache bzgl. der Ausrichtung und Entwicklung der Schule habe.

Die Oberstufenfrage sei aber nicht der Grund, weshalb er sich jetzt politisch engagiere, betont Mathias Schlegel. Es habe ihn während seiner Berufstätigkeit nie gestört, dass er sich öffentlich nur sehr zurückhaltend dazu äussern konnte. Das sei eben Aufgabe der Politik, nicht die eines Schulleiters.

Er habe sich aber immer schon für das politische Geschehen interessiert, weshalb er sich jetzt, wo sich die Möglichkeit geboten habe, für das Stadtparlament kandidierte. Engagieren will sich Schlegel denn auch nicht nur im Bildungsbereich.

Auch Integration ist ihm ein Anliegen. Einerseits müsse man diese stärker fördern, anderseits sei Integration keine Einwegstrasse. Die Stadt dürfe auch gewisse Dinge einfordern, zum Beispiel den Erwerb von Sprachkenntnissen.

Die Familientradition fortsetzen

Auch für die Klimawende will sich Mathias Schlegel einsetzen. Der eingeschlagene Weg müsse konsequent weitergegangen werden. Zudem mache eine starke und nachhaltige Förderung des ÖV sowie der Bau von sicheren Velowegen Sinn, sagt der passionierte Velofahrer.

Aufgrund dieser Themenschwerpunkte sowie wegen persönlicher Verbindungen zu einigen Parteiexponenten, sei die SP für ihn die richtige Partei, sagt Schlegel und fügt hinzu, dass dies ja keine einhundertprozentige Übereinstimmung mit allen Haltungen der Partei bedeute.

Dass Schlegel nun für die SP politisiert scheint aber auch aus einem weiteren Grund logisch. So waren schon sein Vater und Grossvater Sozialdemokraten. Er führt also gewissermassen die Familientradition weiter.

Kein gutes Vorbild für die Jugend

Nun freut sich Mathias Schlegel darauf, die Stadt Wil ab Januar im Parlament mitzugestalten. Viele politische Themen, welche in der Stadt beschäftigen, kennt er aus dem Effeff. Er wohnte interessens- und berufshalber auch schon vielen Parlamentssitzungen bei.

Dabei ist ihm aber auch aufgefallen, dass teilweise nicht sehr sachlich diskutiert wurde. Da sei er jeweils froh gewesen, dass keine Schülerinnen und Schüler dabei waren.

«Zu oft wurde auf den Mann beziehungsweise auf die Frau gespielt, statt sachlich argumentiert.»

Das wäre für eine Schulklasse, die sich das Stadtparlament angesehen hätte, kein gutes Vorbild gewesen, sagt er. Schlegel hofft, dass künftig vermehrt wieder die Themen im Zentrum stehen und eine gute Diskussionskultur möglich wird. Er freut sich auf eine lösungsorientierte und sachbezogene Auseinandersetzung in politischen Fragen.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der alle neu gewählten Mitglieder des Stadtparlaments vorgestellt werden.