Der neue «Engel» kann entstehen

Die Wochen eines Münchwiler Schandflecks sind gezählt. Der Gasthof Engel im Dorfzentrum kann abgebrochen und saniert werden. Der Thurgauer Heimatschutz hat zwar dagegen Einsprache erhoben, diese aber wieder zurückgezogen.

Simon Dudle
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MÜNCHWILEN. Die Erleichterung ist gross bei Münchwilens Gemeindeammann Guido Grütter. «Freude herrscht», sagt er in Anlehnung an alt Bundesrat Adolf Ogi. Grund dafür: Ein Schandfleck des Dorfs wird mit allergrösster Sicherheit verschwinden. Die Rede ist vom Gasthof Engel, der seit Jahren zerfällt und dessen hinterer Teil aus Sicherheitsgründen nicht mehr bewohnbar ist. Darum soll er abgebrochen und neu aufgebaut werden. Wohnungen, ein Büro und Lagerraum im Erdgeschoss sind vorgesehen.

Der vordere Teil des Gebäudes ist von der Denkmalpflege geschützt und bleibt nahezu unverändert. Das Restaurant wird aufgehoben und durch Büros ersetzt. Die Wohnungen im ersten Obergeschoss werden dem heutigen Standard angepasst.

Geringe Erfolgsaussichten

Noch Ende des vergangenen Jahres hatte sich Widerstand gegen den geplanten Umbau abgezeichnet und der Thurgauer Heimatschutz reichte eine Einsprache ein. Vor allem der hintere Teil sorgte bei den Vereinsverantwortlichen für Unbehagen. «Wir sind bis heute der Meinung, dass man den hinteren Teil so erneuern müsste, dass er ins Gesamtbild passt. Ich bin weiterhin nicht zufrieden», sagt Uwe Moor, Präsident des Heimatschutzes, der bei der Eingabe der Einsprache federführend war.

Trotzdem hat der Verein die Einsprache zurückgezogen. «Auch der hintere Teil ist Gestaltungsplan-konform. Dieser entspricht zwar nicht mehr der heutigen Zeit, ist aber offiziell gültig. Wir haben die Situation geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass die Einsprache inhaltlich richtig war, aber rechtlich nicht durchsetzbar», sagt Moor. Die Chancen, einen Rechtsstreit für sich entscheiden zu können, wurde als gering eingestuft. Moor akzeptiert die vorherrschende Situation «zähneknirschend» und kommt zum Fazit, dass Rechtssicherheit vor Heimatschutz gehe.

«Untragbarer Zustand»

Keine Freude an diesem Schritt hat Kantonsrat Toni Kappeler, der als Sprecher einer 43köpfigen Gruppe auftritt, die den Erhalt des Charakters des Engels fordert. «Ich verstehe nicht, dass der Gemeindeammann in Jubel ausbricht. Es ist ein untragbarer Zustand», sagt Kappeler. Für ihn wird der vordere Teil zu einem Anhängsel des markanten Neubaus und er moniert, der First sei nicht durchlaufend.

Auch für Grütter ist nicht alles positiv. Er spricht von «einem lachenden und einem weinenden Auge». Der Gemeindeammann bedauert, dass es kein neues Restaurant geben wird und keine Tiefgarage gebaut wird. Er sagt aber auch, dass der Bauherr die Anforderungen erfülle. «Ich bin froh, dass nach zehn Jahren endlich etwas vorwärts geht», sagt Grütter.

Fünf Millionen Franken Kosten

Eigentümer des Engels ist Paul E. Walser vom gleichnamigen Architekturbüro in Niederwil. Er will noch die letzte Einsprachefrist abwarten (siehe Kasten), danach aber den Bau vorbereiten. Rund fünf Millionen Franken soll der Umbau kosten, weshalb zuerst mit der Bank über die Finanzierung geredet werden müsse. Sein Ziel ist, dass der neue Engel nächstes Jahr steht.