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Der nächste Knatsch beim EC Wil: Vereinsführung drängte Materialwart nach 48 Jahren Clubmitgliedschaft zum Rücktritt

Der Vorstand des EC Wil wollte sich von Rolf Herzog als Betreuer und Materialwart der ersten Mannschaft trennen. Der 55-Jährige, seit 48 Jahren Clubmitglied, trat schliesslich von sich aus zurück. Mittlerweile hat er das Angebot der Vereinsspitze angenommen — und ist wieder in anderer Funktion für den Verein tätig.
Tim Frei
Wils Elia Mettler (schwarzes Trikot) kämpft im Derby gegen Uzwils Ramon Seiler um den Puck. (Bild: Ralph Ribi)

Wils Elia Mettler (schwarzes Trikot) kämpft im Derby gegen Uzwils Ramon Seiler um den Puck. (Bild: Ralph Ribi)

Im EC Wil herrscht nach dem unrühmlichen Verhalten der Vereinsführung um den Rückzug des Frauenteams grosse Unruhe. Nun, wenige Tage vor der Hauptversammlung vom Freitag, hat sich die Lage verschärft. Für einmal geht es um die erste Mannschaft.

Im Mittelpunkt der neusten Geschichte stehen wieder Präsident Roger Dietschweiler und ein «Herzog» – dieses Mal ist es jedoch nicht Marcel, sondern sein Bruder Rolf Herzog, seines Zeichens langjähriger Materialwart des ganzen Clubs und zudem Betreuer der ersten Mannschaft und seit 48 Jahren Vereinsmitglied. Die Geschichte handelt davon, wie eine treue Clubseele und ein verdienstvoller ehrenamtlicher Mitarbeiter zum Rücktritt gedrängt wurde.

Rolf Herzog. (Bild: pd)

Rolf Herzog. (Bild: pd)

Herzog wird in Gespräch über Entlassung informiert

Auslöser ist ein Gespräch mit Dietschweiler und dem Vizepräsidenten Marco Fiorina, das am 29. April stattfand. «Sie teilten mir mit, dass sie sich von mir als Betreuer und Materialwart der ersten Mannschaft trennen wollen», sagt Herzog und fügt an:

«Sie begründeten es damit, dass ich nicht mehr tragbar für die erste Mannschaft sei und Unruhe ins Team brächte.»

Dietschweiler dementiert dies nicht: «Das Gespräch wurde geführt. Fiorina hat Herzog einige Inputs und Anregungen mit auf den Weg gegeben und ein weiteres Gespräch nach Rücksprache vereinbart. Zwischenzeitlich kam jedoch der schriftliche Rücktritt von Herzog.» Dieser bestätigt die Angaben. Fakt ist aber auch: Zum zweiten Gespräch kam es nie.

Spieler dementieren die Vorwürfe

Wenige Tage später, am 4. Mai, wurden die Spieler über den Entscheid am Kick-off informiert. Laut Herzog herrschte eine gedrückte Stimmung. Dass der Vorwurf an ihn von den Spielern geteilt würde, konnte er sich nicht vorstellen. Er wollte es genauer wissen, und kontaktierte die Spieler per Chatnachricht.

Sein Eindruck hatte ihn nicht getäuscht: «Die grosse Mehrheit – rund 18 Spieler – haben dementiert, ich brächte Unruhe ins Team.» Den Grossteil der schriftlichen Nachrichten liegen Herzog vor. Die für ihn entlastende Mehrheitsmeinung der Spieler ist dieser Zeitung von zwei voneinander unabhängigen und gut unterrichteten Quellen bestätigt worden.

Herzog wollte erste Mannschaft schützen

Besonders gefreut haben Herzog die vielen herzlichen Botschaften von Spielern. Viele hätten sich für die Betreuung und Unterstützung bedankt, darunter gar Spieler, die nicht mehr für den EC Wil spielen. Herzog sagt:

«Ich war gerührt und den Tränen nahe.»

Weshalb ist Herzog aber von sich aus zurückgetreten? «Ich habe dies im Sinne des Vereins und des Sports entschieden.» Persönliche Dinge müssten hinten angestellt werden. «Ich wollte verhindern, dass dieser Konflikt zwischen mir und dem Präsidenten auf die erste Mannschaft zurückfällt, dass also keine Unruhe entsteht.»

Ehemaliger Spieler, Piccolo-Trainer, Materialwart — und vieles mehr

Mittlerweile arbeitet Herzog wieder für den EC Wil – als Materialwart im Nachwuchsbereich. Doch es dauerte, bis er sich dazu durchringen konnte. Im besagten Gespräch wurde ihm bereits angeboten, in einer anderen Funktion für den Verein tätig zu sein. Doch damals war er noch nicht bereit dazu:

«Ich war aus allen Wolken gefallen. Beim
EC Wil war ich immer mit Herzblut dabei, er ist meine zweite Heimat.»

Das ist nicht übertrieben. Herzog hat mit sieben Jahren im Wiler Nachwuchs angefangen und ist dem Club bis heute als 55-Jähriger treu geblieben. Er hat nebst dem Amt als Materialwart und Betreuer viel weiteres für den EC Wil geleistet: Zuerst als Spieler der ersten Mannschaft, dann im Nachwuchs – je 15 Jahre Piccolo-Trainer und Organisator des Piccolo-Turniers, später verantwortete er das Marketing mit seinem zweiten Bruder Christian Herzog und Roland Singenberger.

Rückmeldungen bewegen ihn dazu, weiterzumachen

«Dass man sich von mir trennen wollte, hat mich extrem mitgenommen – insbesondere auch gesundheitlich», so Herzog. Im Moment des Gesprächs sei er zu sehr in seinem Stolz verletzt gewesen, um das Angebot anzunehmen.

«Vor allem konnte ich es nicht verstehen, dass ich laut Vorstand nicht mehr tragbar für die erste Mannschaft war, für andere Funktionen aber doch.»

Was ist passiert, dass Herzog schliesslich doch zusagte? Rund zehn Tage nach seinem Rücktritt hat er viele Reaktionen erhalten – von Eltern, anderen Personen aus dem Nachwuchsbereich und Sponsoren. Ihr Tenor: Es sei extrem schade, dass er komplett aufhöre.

«Diese positiven Rückmeldungen haben mich bewogen, weiter für den Verein tätig zu sein.» Dann ging es schnell: Sein Vorschlag, als Materialwart für den Nachwuchs zu arbeiten, wurde schliesslich vom Vorstand angenommen.

Mehr zum Rückzug des Frauenteams des EC Wil:

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