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Der Musiker gibt weiterhin den Takt an: Der Sirnacher Martin Baur geht in Pension

38 Jahre leitete Martin Baur das Jugendorchester Wil. Nun geht er in Pension. Zwar fühlt er etwas Wehmut, doch gibt es vieles, auf das er sich im Ruhestand freut.
Daniela Huijser
Die Leidenschaft für die Musik ist Martin Bauer anzusehen. Dabei ist das Cello seit dem Tag, als er es zum ersten Mal in einem Musikgeschäft gesehen hat, sein Lieblingsinstrument. (Bild: Ralph Ribi)

Die Leidenschaft für die Musik ist Martin Bauer anzusehen. Dabei ist das Cello seit dem Tag, als er es zum ersten Mal in einem Musikgeschäft gesehen hat, sein Lieblingsinstrument. (Bild: Ralph Ribi)

Der Garten hinter dem Haus mit seinen alten Bäumen und hohen Sträuchern, dem Biotop und dem Holzdeck ist eine einladende Oase. Bald schon hat Martin Baur mehr Zeit, um hier in Sirnach zu entspannen, denn der 65-Jährige geht in Pension. Die Freude auf eine ruhigere Lebensphase hält sich im Moment aber noch in Grenzen, wie beim Gespräch auf dem schattigen Sitzplatz zu spüren ist. Seine Frau bezeichne ihn gelegentlich als «Workaholic», sagt der langjährige Lehrer der Musikschule Wil und trinkt etwas von seinem selbstgemischten Kräutertee. «Doch es gibt auch andere Sachen im Leben, die mir am Herzen liegen. Zum Beispiel meine beiden Enkel, die in Chur zu Hause sind. Soziales Engagement ist mir ebenfalls wichtig. Aber zuerst soll der Ruhestand einfach mal beginnen», erzählt Martin Baur.

Begeisterndes Schlusskonzert

Und dieser Ruhestand beginnt bald. Bevor es ans Ausräumen der Schränke geht, gab es noch einen musikalischen Höhepunkt: Das grosse Abschiedskonzert des Jugendorchesters, das Martin Baur vor zwei Wochen im vollbesetzten Stadtsaal in Wil dirigierte. «Es war einfach toll. Zuerst spielten wir das Violinkonzert von Max Bruch mit der fantastischen Solistin Elea Nick, anschliessend folgte ein Programm mit Filmmusik. Die Stimmung im Saal war fantastisch!» Dass es zum Schluss bunte Rosen auf den Dirigenten regnete, davon zeugt ein riesiger Strauss im Wohnzimmer. Das Jugendorchester, welches er in 38 Jahren zu einem bekannten und erfolgreichen Ensemble geformt hat, übergibt er nun mit einem guten Gefühl an seinen Nachfolger Andreas Signer.

Viel zu tun im Ruhestand

Doch die Arbeit wird ihn nicht ganz loslassen, zu sehr liebt der Musiklehrer seinen Beruf; Cello-Stunden gibt er weiterhin, und die Singstunde am Freitagnachmittag im Altersheim Sonnenhof will er auf keinen Fall aufgeben. Und auch den katholischen Kirchenchor Sirnach und die Zürcher Singstudenten wird Martin Baur weiterhin dirigieren. Aber es wird mehr Zeit bleiben, um endlich wieder einmal mehr zu üben.

«Das mache ich zu wenig, das gebe ich ehrlich zu. Denn das eine oder andere Stück möchte ich schon noch lernen, sei es Kammermusik oder Brahmssonate.»

Ein Alltag ohne Musik ist für Martin Baur nicht vorstellbar. Schon als Kind lernte er viel von seinem musikbegeisterten Vater Hans Baur. Am Klavier habe er zwar «versagt», wie er lächelnd gesteht, doch beim Cello sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, als er es im Musikgeschäft gesehen habe. Das elegante, klangvolle Instrument begleitete ihn fortan durchs Leben; zum einen, als er im Schweizer Jugendsinfonieorchester musizierte, zum anderen während seiner Ausbildung am Lehrerseminar in Kreuzlingen, danach beim Studium zum Sekundarlehrer in Zürich und natürlich auch am Konservatorium in Winterthur. Für dieses letzte Studium entschied sich Martin Baur fast beiläufig. «Ich gab schon einige Zeit Cello-Stunden, als jemand mir sagte, mit einem Diplom hätte ich bessere Berufschancen. Also ging ich zur Aufnahmeprüfung – und schaffte sie.» Bereits während des Studiums begann der musikalische Thurgauer sein anderes Talent zu nutzen: Er dirigierte den Kirchberger Kirchenchor, dem er 38 Jahre lang treu blieb.

Hobby als Beruf

Würde er diesen Berufsweg ein zweites Mal gehen? «Wahrscheinlich schon», sagt Martin Baur nach kurzem Nachdenken. «Aber es war anfangs eine harte Sache. Nur dank meiner Frau konnte ich mein Hobby zum Beruf machen, denn sie arbeitete als Lehrerin und hatte ein regelmässiges Einkommen.» Auch Martin Baur unterrichtete gelegentlich im Klassenzimmer und gab als Entlastungslehrer Singen, Zeichnen und Turnen in Sirnach und Wilen. Als Lehrer für Schulmusik wirkte er auch in Turbenthal, Sirnach und an der Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen. Der Schwerpunkt aber lag auf den Musikstunden. Bis heute seien es im Jugendorchester fast 500 Schülerinnen und Schüler gewesen. «Ich erkenne zwar viele noch beim Spaziergang in der Stadt, aber längst nicht mehr alle», gesteht er schmunzelnd.

«Da ist es mit den Kollegen aus dem Männerchor Harmonie Wil einfacher. Die dirigierte ich 14 Jahre lang.» Es erfüllt ihn mit Freude, dass er die Liebe zur Musik, die ihn selber antreibt, in anderen fördern konnte. Sei es als Dirigent oder als Musiklehrer. «Ein paar meiner Cello-Schüler sind Berufsmusiker geworden», sagt er mit einem gewissen Stolz.

Das Rampenlicht sei aber nie sein Ziel gewesen, weder für sich selber noch für die Schüler. Wichtig sei, was die Schüler wollen, egal ob Jugendliche oder Erwachsene, da übe er keinen Druck aus. «Mir liegt auch jede Stilrichtung, es muss einfach gut und rein gespielt werden.» Die nötige Geduld attestieren ihm seine Schüler. Geduld sei ihm nie schwergefallen. «Das ist eine meiner Stärken», hält er fest.

Nicht nur Schönes erlebt

Obwohl Martin Baur am Dirigentenpult voller Energie und Schwung das Orchester mitreisst, ist er eher der ruhigere Typ, der seine Worte mit Bedacht wählt. So hält er kurz inne, bevor er von seinem Abgang bei der Operette Sirnach erzählt. 34 Jahre lang war er dort Mitglied des Theatervorstands, nachdem er die Nachfolge seines früh verstorbenen Vaters angetreten und auch als Dirigent gewirkt hatte. 2017 nahmen diese Aufgaben ein frühzeitiges Ende. Und das fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn eine Verabschiedung, zum Beispiel mit einem Konzert wie beim Jugendorchester Wil, gab es nicht. Martin Baur mag nicht viele Worte darüber verlieren, doch das Ende jenes für ihn sehr wichtigen Kapitels schmerzt ihn noch heute. Die letzte Produktion der Operette Sirnach habe er denn auch nicht sehen mögen.

Einen Birnbaum zum Abschied

Gut, dass es in seinem Alltag auch weiterhin Schönes und Neues geben wird. Abgesehen von den erwähnten Cello-Stunden und dem Singen im Altersheim lockt auch der Garten. Von einer Gewürzspirale und einem Hochbeet träumt Martin Baur. Die Musikschule schenkte ihm zum Abschied einen Birnbaum; für den muss nun ein guter Ort gefunden werden. Und sollte doch einmal Langeweile aufkommen, erinnert sich der leidenschaftliche Musiker bestimmt an all jene Instrumente, die er dereinst vielleicht noch lernen möchte. «Ich könnte mir vorstellen, Blockflöte, Kontrabass oder Horn zu lernen. Aber zuerst lasse ich den Ruhestand mal auf mich zukommen.»

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