Der Mann und seine toten Tiere

Hanspeter Greb ist ein Tierfreund. Er verbringt gerne Zeit draussen und im Zoo. Und er füllt tote Tiere mit Kunststoff. Dieses Jahr feiert der Tierpräparator das 50jährige Bestehen seiner Firma Greb Dekor GmbH in Busswil. Zu Besuch bei einem Mann mit einem aussergewöhnlichen Beruf.

Katharina Brenner
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Ein Löwe zum Anfassen – Tierpräparator Hanspeter Greb zwischen ausgestopften Tieren in seinem Ausstellungsraum in Busswil. (Bild: Reto Martin)

Ein Löwe zum Anfassen – Tierpräparator Hanspeter Greb zwischen ausgestopften Tieren in seinem Ausstellungsraum in Busswil. (Bild: Reto Martin)

BUSSWIL. Er steht auf seinen Hinterbeinen und zeigt die scharfen Zähne. Wem droht der Eisbär? Etwa dem Eichhörnchen neben ihm mit seiner Nuss? Wohl eher dem Löwen und dem Tiger, die schräg gegenüber die Zähne fletschen. Sie alle stehen in einem fensterlosen Raum in Busswil, damit das UV-Licht nicht ihr Fell ausbleicht. Mitten drin steht Hanspeter Greb in einer grauen Latzhose. Er hat die Tiere geschaffen, zumindest so, wie sie in seiner Firma, der Greb Dekor GmbH, zu sehen sind.

Hanspeter Greb ist Tierpräparator. Für einen Löwen brauche er zwei Monate, für einen Singvogel drei Stunden, sagt er. «Ich öffne den Vogel mit einem Schnitt und kehre ihn um. Dann kommt alles raus und eine Drahtform, Kunststoff und Modellmasse rein, die ich vorher abgemessen habe». Das Wichtigste sei der gute Zustand von Federn oder Fell. Putzen könne er, färben nicht.

Tiere für Film und Werbung

Grebs Kunden kommen aus dem Theater, der Film- und Werbeindustrie. Sie mieten Tiere – ein Löwe kostet 850 Franken pro Monat – oder geben sie in Auftrag. «Einmal habe ich einen Hasen mit zwei Köpfen präpariert», sagt Greb. An die Namen der Filme erinnert er sich nicht: «Dafür habe ich keine Zeit.»

In einem Jahr etwa möchte er die Firma abgeben. Greb ist 71 Jahre alt. Gerne hätte er einen Nachfolger, der die biologische Lehrsammlung übernimmt. Greb präpariert Tiere für Schulen. Jedes Tier hat ein Holzschild, auf dem der Name steht. Wenn die Exponate abgenutzt oder beschädigt sind, restauriert Greb sie. «Die Kinder sollen die Tiere begreifen.»

Tiere begreifen, sich mit ihnen umgeben – das war schon früh Grebs Leidenschaft. Nur war das in der Wohnung mitten in Zürich, wo er aufgewachsen ist, schwer. Deshalb ging er oft in den Zoo. Und die Ferien verbrachte er auf dem Land, bei seinem Grossvater in der Ostschweiz.

Erst wollte Greb im Zoo arbeiten, dann merkte er, dass ihm einheimische Tiere mehr zusagten. Nach der Ausbildung zum Tierpräparator machte er sich selbständig. Dieses Jahr feiert die Greb Dekor GmbH ihr 50jähriges Bestehen, seit 1972 mit Sitz in Busswil. Im Erdgeschoss arbeitet Greb, im Obergeschoss wohnt er. Am Treppenaufgang hängen Gewehre, in einer Vitrine liegt altes Fischerei-Zubehör aus. Das alles sammelt Greb, auch wenn er weder jagt noch fischt. «Es fasziniert mich einfach», sagt er. Genauso wie seine Mausfallensammlung. Für den Grossvater hatte er Mäuse gefangen und begonnen, Fallen zu sammeln.

Löwe und Tiger aus der Schweiz

Die Tiere, die Greb ausstopft, kommen fast alle aus der Schweiz: der Löwe aus dem Plättli-Zoo in Frauenfeld, der Tiger aus dem Walter-Zoo in Gossau. Die Einreisebestimmungen seien kompliziert, die Artenschutz-Regelungen in vielen Ländern undurchsichtig, sagt Greb. Beim Eisbären habe er aber mit Kanada zusammengearbeitet.

Ein Präparator konserviert Tiere für die Ewigkeit. Verändert das die Einstellung zu Leben und Tod? «Nein», sagt Greb. Aber ein Haustier, das wäre schön. Dafür fehle ihm jedoch die Zeit. Seit dem Tod seiner Partnerin im Juni lebt Greb allein. Seine Frau ist bereits vor 20 Jahren gestorben. Als die beiden Töchter klein waren, hatte die Familie Siebenschläfer. Das seien seine Lieblingstiere, sagt Greb. «Weil sie schlau und neugierig sind. Und das sind doch auch beim Menschen ideale Eigenschaften, oder?» Ausgestopft hat er die Siebenschläfer nicht, sie seien alle abgehauen. Haustiere präpariere er ohnehin nur selten. Bis das Tier ausgestopft sei, sei die Trauer überwunden. Am Ende würde es dann im Keller verstauben.

Doch Grebs skurrilste Geschichte handelt ausgerechnet von einem Haustier. In der Ausbildung habe eine Frau ihre Katze ausstopfen lassen. Sie wollte die Augen, um sie in einen Blumentopf einzupflanzen. «Die hatten wir nicht mehr. Wir haben ihr Rehaugen gegeben», sagt Greb und überlegt: «Ja, es waren Rehaugen. Hauptsache, sie war zufrieden.»

Ausstellung: Jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung. Eintritt gratis.