Der Mann, der niemals lächelt

SIRNACH. Mit seinem ersten Soloprogramm «Innerorts» gastierte der St.Galler Musiker Manuel Stahlberger am Freitag bei der Sirnacher «büx». Mit dem neuen Programm knüpft Stahlberger an seine früheren an, allerdings ohne Mitmusiker.

Michael Hug
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Manuel Stahlberger – ironisch und sarkastisch wie eh und je, aber bisweilen etwas fahrig durch sein Programm führend. (Bild: mhu.)

Manuel Stahlberger – ironisch und sarkastisch wie eh und je, aber bisweilen etwas fahrig durch sein Programm führend. (Bild: mhu.)

Der Mann ist schräg. Oder ist es das Publikum? Dieses schaut sich auf der Leinwand fünf Minuten lang Schweizer Kantonswappen an. Uri-Stier mit Nuggi, St. Galler Liktorenbündel mit Ausschlag. Schelmische Kritzeleien eines Maturanden aus dem Staatskundeunterricht? Wertlos, sinnlos, skrupellos. Und dennoch lacht das Publikum. Wer ist hier der Schräge? Eine weitere Projektion ist etwas anspruchsvoller. Da erzählt Stahlberger in einem Comic die Geschichte von Ritter Karl, der Wölfe massakriert und Drachen seine Gegner enthaupten. Trunken vor Glück verursacht Karl einen Verkehrsunfall, und das Problem wird gelöst, wie er alle vorherigen Probleme gelöst hat: Er zieht sein Schwert.

Mediale Erweiterung

Die Beamer-Projektionen bilden in Stahlbergers Programm «Innerorts» eine mediale Erweiterung. Er singt nicht nur, sondern spricht als Poetry Slammer oder zeigt wortlos Bilder. In dem, was er zitiert und skizziert, ist er nicht weniger schräg als in seinen Liedern. Doch wo Bilder konkret sind, muss sich das Publikum das spritzende Blut in den Liedern selber vorstellen. Zum Beispiel beim Song von Herrn Anderegg, der sich in die Luft sprengt und damit den Quartierspielplatz in einen Krater verwandelt. Er war doch überall dabei, bei Quartierfesten, beim Quartierrisotto, beim Quartierseifenkistenrennen, ein umgänglicher Quartierbewohner, ein guter Bünzlibürger, «jetz ischer weg, de Herr Anderegg».

Abgrundtiefer Humor

Stahlberger ist der Mann der niemals lächelt. Sein Markenzeichen ist die formale Ausdruckslosigkeit, sein Humor ist abgrundtief und trocken, seine Zuspitzungen sind knallhart und überzogen. Des St. Gallers Allegorien zielen auf das Kleinbürgerliche. «Dä Tschortsch Cluuny vo Altstette» ist so ein Bünzli. Er schaut gut zu im Alltag, im Quartier, am Bahnhof oder in der Beiz. Er sucht sich heraus, was sich reimt und für seine Lieder eignet, aber er enthält sich jeglicher Kritik an den aufgespiessten Objekten seiner Dichterlust. Er erregt darum Aufsehen, aber keinen Anstoss, er zeuselt mit Ironie und Sarkasmus, aber er verheizt nie real lebende Subjekte. Leise Kritik sei an Stahlbergers Vortragsweise angebracht. Etwas zu aufgeregt hetzt er sich selber durchs Programm. Nicht, weil das Publikum etwa eine lange Leitung hätte, sondern mehr vom Genuss.

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