Der Ludothek Wil neuen Schub verleihen

FDP-Stadtparlamentarier Marcel Malgaroli fordert eine Gleichstellung zwischen Biblio- und Ludothek.

Gianni Amstutz
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In Ludotheken finden sich längst nicht nur Brettspiele.

In Ludotheken finden sich längst nicht nur Brettspiele.

Bild: Michel Canonica

«Die Ludothek erfüllt in den Bereichen Schule, Integration und Spiele eine wichtige Aufgabe», sagt FDP-Stadtparlamentarier Marcel Malgaroli. Ihm scheint für die Entwicklung der Ludothek schwierig, dass diese gegenüber der Bibliothek sehr unterschiedlich behandelt werde. Malgaroli hat deshalb kürzlich eine Interpellation mit dem Titel «Soll die Ludothek der Bibliothek der Stadt Wil gleichgestellt werden?» eingereicht.

Als kinderfreundliche Stadt mit Unicef-Label benötige Wil neben einer Stadtbibliothek auch eine gut funktionierende Ludothek, sagt er. Das sei zurzeit nur bedingt der Fall. «Nach meinem Ermessen ist Publizität und Kommunikation auf einen tiefen Stand gesunken.»

Die Chance des neuen Standorts nutzen

FDP-Stadtparlamentarier Marcel Malgaroli.

FDP-Stadtparlamentarier Marcel Malgaroli.

Bild: PD

Als Ursache des Problems sieht Malgaroli unter anderem die Struktur. Die Ludothek ist ein Verein, welcher aktuell von einem Vorstand geführt wird. Die Rekrutierung von Mitarbeitenden ist meistens eher schwierig, da nur ein kleines Entgelt gezahlt werden kann. «Interessant für zukünftige Mitarbeitende könnte ein angemessener Lohn sein, zudem Besuch von Weiterbildungsmöglichkeiten, die der Schweizerische Verband anbietet.» Diese Kosten kann der Verein aktuell nicht aufbringen.

Mit dem Standortwechsel von der Oberen Mühle zur alten Post in der Altstadt sei ein erster Schritt gemacht worden. «Es wäre aber schade, wenn die Stadt jetzt die Chance des neuen Standorts leichtfertig vergeben würde», sagt Malgaroli.

Er hofft, mit seinem Vorstoss, ein Umdenken herbeizuführen. Die Ludothek brauche professionellere Strukturen. Das jetzige Team arbeite mit viel Herzblut und leiste gute Arbeit, stosse jedoch aufgrund der Rahmenbedingungen immer wieder an Grenzen. Es könne nicht sein, dass sich die Stadt die Bibliothek eine halbe Million Franken jährlich kosten lasse, die Ludothek hingegen gerade einmal knapp 40000 Franken erhalte.

«Da stimmt für mich irgendwo das Verhältnis nicht mehr.»

Einen beachtlichen Teil des Unterschieds ist darauf zurückzuführen, dass die Bibliothek der Stadt angegliedert ist, ihre Angestellten also Teil der Verwaltung sind. Malgaroli wirft in seiner Interpellation zwar die Frage auf, wie der Stadtrat zu einer Integration der Ludothek in die Stadtverwaltung stehe, sagt aber auch: «Ob das die beste Lösung wäre, muss der Stadtrat beurteilen.»

«Die Ludothek muss bekannter werden»

Der FDP-Politiker kann sich auch andere Lösungen vorstellen. Das Ziel ist dabei immer dasselbe: Das Angebot der Ludothek soll bei der Wiler Bevölkerung bekannter werden. «Einige wissen nicht einmal, dass wir eine Ludothek haben», sagt Malgaroli. Mit gezielten Kommunikationsmassnahmen wäre seiner Meinung nach einiges möglich.

Ihm schwebt beispielsweise eine stärkere Zusammenarbeit mit der Bibliothek oder den Schulen vor. Ausserdem erachtet er das Gossauer Modell als prüfenswert. Dort ist das Ludothek-Team zwar weiterhin als Verein organisiert, ein Stadtrat nimmt jedoch im Vorstand Einsitz. Auch Synergien mit Firmen und Betrieben sowie dem Departement Soziales, Jugend und Alter seien denkbar.