Der «Löwen» ist nicht mehr zu retten

SCHWARZENBACH. Die Bauarbeiten am ehemaligen Restaurant in Schwarzenbach sind eingestellt worden. Grund dafür ist die schlechte Bausubstanz. Nun hat der Jonschwiler Gemeinderat entschieden, das Gebäude aus der Schutzverordnung zu entlassen. Damit werden ein Abbruch und eine Neuüberbauung auf dem Areal möglich.

Philipp Stutz
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Das in der Schutzverordnung aufgeführte ehemalige Restaurant Löwen kann mit vernünftigem Aufwand nicht mehr saniert werden. (Bild: Christoph Hunziker)

Das in der Schutzverordnung aufgeführte ehemalige Restaurant Löwen kann mit vernünftigem Aufwand nicht mehr saniert werden. (Bild: Christoph Hunziker)

SCHWARZENBACH. Die PP Immo AG, Eigentümerin des «Löwen», wollte das seit Jahren leerstehende Gebäude umbauen. Aus dem einstigen «Schandfleck» sollte ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen entstehen. Die nötige Baubewilligung konnte mit Zustimmung der kantonalen Denkmalpflege im März 2013 erteilt werden.

Schlechter baulicher Zustand

Im Verlauf der Renovationsarbeiten musste die Bauherrschaft jedoch feststellen, dass der Zustand des schützenswerten Gebäudes äusserst schlecht ist. «Es ist nicht erhaltensfähig», sagt Gemeindepräsident Stefan Frei. Diese Erkenntnis dürfte für viele Einwohner und den Gemeinderat nicht ganz überraschend sein. Eine eindeutige Beurteilung durch einen Holzbauingenieur habe aufgezeigt, dass ein Erhalt des Gebäudes nicht verhältnismässig sei.

Einiges investiert

Der bauliche Zustand sei erst bei genauer Analyse vor allem des Inneren des Gebäudes zutage getreten, sagt Daniele Perone von der PP Immo AG. Um die Balkenstruktur zu prüfen, habe man ein Notdach errichtet. Es habe sich zusehends gezeigt, dass das Haus nicht mehr zu retten sei. Davon liess sich auch die kantonale Denkmalpflege überzeugen. «Ärgerlich ist, dass unnötig Geld in das Gebäude investiert worden ist», sagt Stefan Frei. Und weist darauf hin, dass der Gemeinderat schon seit langem die Entlassung des Gebäudes aus der Schutzverordnung gefordert hat – allerdings ohne Erfolg.

Aus Schutzverordnung nehmen

Zwölf Jahre nach der gescheiterten Schutzentlassung hat der Gemeinderat erneut entschieden, das ehemalige Restaurant Löwen aus der Schutzverordnung zu entlassen. Bereits im April 2002 hatte die Exekutive gestützt auf die damaligen Grundlagen entschieden, das Wohnhaus Versicherungsnummer 150 (der sogenannte «Löwen») auf dem Grundstück Nummer 62 aus der kommunalen Schutzverordnung zu entlassen. Im darauffolgenden Auflageverfahren erhob der Heimatschutz Einsprache. Der Gemeinderat wies sie ab. Gegen diesen Entscheid reichte der Heimatschutz beim kantonalen Baudepartement Rekurs ein. Nach umfangreichen Abklärungen mit Gutachten und unter Beizug einer eidgenössischen Kommission teilte das Baudepartement der Gemeinde Jonschwil mit, dass der Rekurs des Heimatschutzes voraussichtlich gutgeheissen werden müsse. Infolge Aussichtslosigkeit musste der Gemeinderat im Dezember 2003 zähneknirschend beschliessen, den «Löwen» in der kommunalen Schutzverordnung zu belassen.

Abbruch möglich

Gestützt auf einen kürzlichen Augenschein durch die kantonale Denkmalpflege und Gemeindevertreter konnte nun der Gemeinderat im Lichte der neusten Erkenntnisse die Entlassung aus der Schutzverordnung erneut genehmigen. Damit wird das Entlassungsverfahren gestartet, was eine 30tägige öffentliche Auflage bedeutet, die am 26. Mai beginnt. Anschliessend geht die Änderung der Liste der geschützten Objekte an das kantonale Baudepartement zur Genehmigung. Stimmt dieses zu, steht einer Abbruchbewilligung nichts mehr im Wege.

«Der Gemeinderat nimmt dies mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis», sagt Stefan Frei. Er kritisiert die lange Zeitdauer, die bis zu diesem Entscheid verstrichen ist. Somit ist absehbar, dass der altehrwürdige «Löwen», der auch schon als Fasnachtssujet herhalten musste, aus dem Dorfbild verschwinden wird. Und danach wird's möglich, auf dem Areal – von der Strasse etwas zurückversetzt – einen Neubau zu verwirklichen, der sich in die Umgebung einfügt. Erst aber müsse das Gebäude aus der Schutzverordnung entlassen werden, betont Daniele Perone.

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