«Der Kampf hat sich gelohnt»

WIL. Christoph und Bea Tobler sowie Manuela Schönenberger verhinderten mit ihrer Beharrlichkeit den Bau von Sichtbetonblöcken an der Konstanzerstrasse. Nun spielt die Solidarität vieler Wilerinnen und Wiler.

Philipp Haag
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Manuela Schönenberger und Christoph Tobler vor dem Grundstück, auf dem die Wohnblöcke hätten erstellt werden sollen. (Bild: Philipp Haag)

Manuela Schönenberger und Christoph Tobler vor dem Grundstück, auf dem die Wohnblöcke hätten erstellt werden sollen. (Bild: Philipp Haag)

Sie haben sich gewehrt, durchgehalten und schliesslich gewonnen. Doch der Weg war lang, zermürbend und teuer. Christoph und Bea Tobler sowie Manuela Schönenberger sitzen nun auf einer Rechnung von knapp 60'000 Franken. So viel hat die zwei Parteien der Widerstand gegen vier überdimensionale Wohnblöcke aus Sichtbeton an der Konstanzerstrasse gekostet (siehe Kasten). Manuela Schönenberger spricht darum von einem Pyrrhussieg, einem teuer erkauften Erfolg. Doch die Solidarität, welche die Drei gegenwärtig von vielen Wilerinnen und Wilern erfahren, entschädigt sie für die Widrigkeiten, emotional wie finanziell. Die Einsprecher haben ein Crowd-Funding-Projekt gestartet, welches ermöglicht, ihnen einen Betrag zukommen zu lassen. Etliche Einwohnende haben während der Sommerferien die Gelegenheit genutzt. 3500 Franken sind bereits zusammengekommen. «Viele der Spender sind finanziell nicht auf Rosen gebettet», weiss Tobler. Mit den Beiträgen bezeugen sie einerseits Respekt gegenüber dem Kampf der Einsprecher, andererseits aber auch Unverständnis, «dass die Stadt sich hinter dem Gesetz versteckt», wie viele erwähnen.

Gegen Ungerechtigkeit

Der Stadt die Stirn bieten, dies sei aber nie ihre primäre Intention gewesen. Den Einsprechern widerstrebte die Ungerechtigkeit, wie sie sagen, «die Ungleichbehandlung von Personen, die am gleichen Ort wohnen». Als er vor zehn Jahren das Haus an der Konstanzerstrasse erworben habe, sei ihm mitgeteilt worden, ein späterer Um-/Anbau sei nicht möglich, weil das Grundstück in der Ortsbildschutzzone liege. Als die Eltern von Manuela Schönenberger das abgebrannte Haus an der selben Strasse wieder aufbauen wollten, wurden ihnen aufgrund des geschützten Ortsbilds Auflagen gemacht, «die bis zur Art der zu verwendenden Ziegel ging», welche den Neubau massiv verteuerten. Wie vor den Kopf gestossen waren sie darum, als sie während der öffentlichen Auflage den vom Stadtrat bewilligten Gestaltungsplan «Obere Weierwise» mit den Sichtbeton-Neubauten zu Gesicht bekamen. «Von Ortsbildschutz war mit keinem Wort die Rede», erinnern sich die Einsprecher. Sie fragten sich, wie der Stadtrat einen Gestaltungsplan bewilligen kann, der als Basis für ein Bauprojekt dient, das gegen die eigenen Vorgaben verstösst.

Es blieben zwei Möglichkeiten: wegziehen oder Einsprache erheben. Als Tobler von Dritten eine Geldsumme angeboten wurde, «wenn ich auf eine Einsprache verzichte», wie er sagt, regte sich in ihm die Kämpfernatur. Er wandte sich an einen Anwalt, der die beiden Parteien während des Einspracheverfahrens vertrat. Es war das Bedürfnis, gegen eine Ungerechtigkeit vorzugehen, obwohl den Dreien bewusst war, «dass uns die Gegenwehr einiges kosten wird». Ihnen ging es ums Prinzip. Nachdem der Prozess angestossen war, «gab es kein Zurück mehr», erklärt Manuela Schönenberger ihre Beharrlichkeit. Das Gefühl, «auf dem richtigen Weg zu sein», verstärkte die «überwältigende» Unterstützung seitens des Parlaments. Nicht nur, als sich die Volksvertreter parteiübergreifend in einer parlamentarischen Erklärung gegen das Bauprojekt aussprachen, sondern auch, als sie ebenfalls in einer Deklaration den Stadtrat aufforderten, die Einspracheparteien finanziell zu entschädigen, weil sie im öffentlichen Interesse gehandelt hatten. Dass sich der Stadtrat gegen eine Abgeltung entschied, obwohl die parlamentarische Erklärung ihn legitimiert hätte, war für Tobler und Manuela Schönenberger ein Signal, «dass die Stadtregierung an ihrer sturen Linie fest hält».

Das Ehepaar Tobler und Manuela Schönenberger hätten es als Zeichen der Grösse empfunden, wenn der Stadtrat zu seinem Fehler gestanden wäre und einen Betrag gesprochen hätte, «schliesslich haben wir die Arbeit erledigt, die der Stadtrat vor der Bewilligung des Gestaltungsplans hätte erledigen sollen». Für Manuela Schönenberger wäre es auch ein Indiz gewesen, «dass die Stadtregierung uns ernst nimmt», was zuvor nicht der Fall gewesen sei.

Ermutigung für andere

Trotz der finanziellen Einbusse hat sich für Christoph und Bea Tobler sowie Manuela Schönenberger der Widerstand gelohnt. Sie verstehen ihn auch als Ermutigung für andere, sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zur setzen. Und falls sich der Stadtrat doch noch entschliessen sollte, den Einsprechern einen finanziellen Zustupf zukommen zu lassen, ist dies über eine Website, auf der alle Fakten zum Fall aufgeschaltet sind, möglich. «Auch anonym», sagt Tobler mit einem Augenzwinkern.

www.weierwise.ch

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