Der Kampf geht weiter: Verein möchte in Wil den Tag der Frau jährlich feiern

Der Tag der Frau am 8.März findet in Wil eine Fortsetzung. Denn Gleichberechtigung bleibt bisher ein Ideal.

Gianni Amstutz
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Der Vorstand des Vereins von links: Miriam Schildknecht, Anja Bernet-Hilber, Erwin Sulzer, Almut Aeppli, Dora Luginbühl, Marianne Mettler und Renata Ruggli.

Der Vorstand des Vereins von links: Miriam Schildknecht, Anja Bernet-Hilber, Erwin Sulzer, Almut Aeppli, Dora Luginbühl, Marianne Mettler und Renata Ruggli.

Bild: Gianni Amstutz

Am Ursprung des internationalen Tages der Frau stand der Kampf für das Stimmrecht. 1909 wurde er in den USA ein erstes Mal begangen. Es dauerte nicht lange, bis sich der Aktionstag auch in Europa ausbreitete. Bereits 1911 kam die Bewegung in der Schweiz an. Bis hierzulande das Ansinnen nach politischer Mitsprache 1971 Realität wurde, dauerte es aber bekanntlich eine ganze Weile.

Ein wichtiger Schritt war damit getan, dem Ideal von der Gleichberechtigung der Geschlechter war und ist man aber immer noch weit entfernt.

Keine Eintagsfliege bleiben

Das war der Grund, weshalb der Internationale Frauentag am 8.März auch nach 1971 nicht verschwand. In Wil wurde der Frauentag in den 90er-Jahren zelebriert. Es hätten sich jedoch irgendwann keine Personen mehr gefunden, die den Anlass organisieren wollten, erinnert sich Renata Ruggli, die damals im Vorstand war. 2001 löste sich der Verein auf.

Der Frauentag verschwand in der Folge für fast 20 Jahre aus Wil. Bis er im vergangenen Jahr erneut durchgeführt wurde. Bestärkt vom letztjährigen Erfolg und dem Glauben, dass der Kampf für Gleichberechtigung keine Eintagsfliege bleiben darf, haben die Organisatorinnen einen Verein gegründet.

Das Ziel ist es, den Wiler Frauentag jährlich durchzuführen. Der Fokus hat sich seit dessen Entstehung zu Beginn des letzten Jahrhunderts aber verschoben. Politische Mitsprache spielt vor allem noch bezüglich des Wunsches nach mehr Frauen in politischen Ämtern eine Rolle. Heutzutage stehen Themen wie Lohngleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Vordergrund.

Die Frau bleibt zu Hause, der Mann geht arbeiten

Der Vorstand des Vereins «Wiler Tag der Frau» macht hier Nachholbedarf aus. «Alte Rollenbilder von Mann und Frau sind noch immer verbreitet», sagt Renata Ruggli. Werde die Familiengründung ein Thema, sei es auch für viele Junge selbstverständlich, dass die Frau zu Hause bei den Kindern bleibe und der Mann arbeiten gehe. Auch sei es vielfach kaum oder nur schwer möglich, dass beide Eltern Teilzeit arbeiteten, da sich Unternehmen teilweise quer stellten. Ein Thema, das auch Männer betrifft.

So sind sich denn auch die Vorstandsmitglieder einig, dass der Verein sich sowohl an Frauen als auch Männer richtet. Nur gemeinsam könnten die Herausforderungen bewältigt werden. Es fällt aber auf, dass der Verein sich bis jetzt vor allem aus Frauen des links-grünen Spektrums zusammensetzt. Es sei schon so, dass das Thema Geschlechtergerechtigkeit historisch gesehen eng verbunden mit der Sozialdemokratie sei, sagt Marianne Mettler. Der Verein sei aber parteiunabhängig, Männer und Frauen aller Parteien jederzeit willkommen. Zu den Anlässen würden ohnehin alle Parteien, diverse Vereine und Organisationen eingeladen.

Den Hauptpunkt des diesjährigen Programms bildet ein Referat der Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm zum Thema «Neue Väter brauchen neue Mütter». Unlängst hat sie ein gleichnamiges Buch publiziert, in dem sie auf Rollenbilder von Müttern und Vätern eingeht. Im Anschluss an das Referat findet ein Apéro mit Diskussion statt. Ganz im Sinne des Vereinsziels, den gesellschaftlichen Austausch über die Gleichberechtigung der Geschlechter am Laufen zu halten.

Hinweis
Wiler Tag der Frau, 8.März, ab 9.30 Uhr, Cinewil.