Der Herr der Auftritte tritt bald ab: die letzte Saison für Ernst Stump, den Inspizienten der Operette Sirnach

Ernst Stump hatte nach sechs Produktionen mit der Operette Sirnach als Inspizient abgeschlossen. Als jedoch sein Nachfolger aus gesundheitlichen Gründen für den «Ball im Savoy» ausfiel, sprang der 64-Jährige gerne, aber «garantiert auch zum letzten Mal» ein.

Christof Lampart
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Das Reich von Ernst Stump: Gleich neben der Bühne koordiniert er die Abläufe bei Aufführungen der Operette Sirnach. (Bild: Christof Lampart)

Das Reich von Ernst Stump: Gleich neben der Bühne koordiniert er die Abläufe bei Aufführungen der Operette Sirnach. (Bild: Christof Lampart)

Eng ist es gleich neben der Bühne. Dort, wo Ernst Stump jeweils vor und während der Vorstellung steht, ist gerade einmal so viel Platz, dass sich noch maximal zwei Personen durchquetschen können. Dennoch hängt und steht alles dort, wo man es braucht. Die Sektgläser für den Ball sind im Regal, die Strohhüte für die venezianischen Gondelieri in der Ablage darunter.

Und die Vogelmasken hängen akkurat an Haken. «Jeder ist selbst dafür verantwortlich, seine Maske zu finden», so Stump. Ihm selbst obliegt das grosse Ganze der Abläufe. Er ist sozusagen der «Herr des Mikros». Wenn er ein Zeichen gibt, dann haben die anderen zu folgen. Ganz egal, ob er das Publikum dreimal per Gongsignal zur Vorstellung hineinruft oder in der Unterwelt des Dreitannensaals akustisch die Protagonisten des Abends an ihren bevorstehenden Auftritt gemahnt.

Als die Künstlerin nicht erschien

Das allererste Mal war Ernst Stump 1995 beim Sirnacher «Boccaccio» mit dabei; als Helfer des Chef-Inspizienten Georg Flammer. Drei Jahre später, bei Jacques Offenbachs «La Périchole», trug er die Hauptverantwortung. Wenn er die Gegenwart mit den Anfängen vergleicht, so «hat sich einiges geändert». Zum einen seien die Abläufe viel professioneller. «Heute haben wir viele Gesangsprofis in Sirnach, die wissen, auf was es in Sachen Bereitschaft bei einer Vorstellung ankommt.» Früher war das anders: «Einmal musste ich sogar ins Untergeschoss rennen und die Künstlerin an ihren Auftritt erinnern, den sie ansonsten verpasst hätte», schmunzelt Stump. Dass er dabei keinen Namen nennt, ist Ehrensache. Eine wirkliche Katastrophe hat Ernst Stump als Inspizient aber noch nie erlebt. «Mein ganz persönliches Horrorszenario wäre es, wenn die Vorstellung nach der Pause wieder begänne und ich vergessen hätte, die ‹Pause›-Tafel auf der Bühne zu entfernen. Aber das ist, Gott sei Dank, noch nie passiert.»

Wie ein Schiedsrichter beim Fussball

Auch wenn dies nun nach seinem Ermessen seine letzte Saison als Inspizient sein wird, geniesst Stump das Dabeisein hinter der Theaterbühne sehr. «Es ist ein Erlebnis, wenn man bei einer solchen Produktion mitwirken kann. Der Geist in der Truppe ist sehr gut, sodass es einfach grossen Spass macht», lobt Stump seine Kolleginnen und Kollegen auf und hinter der Bühne.

Gerne erinnert Stump sich an die beiden Auswärtsvorstellungen, welche die Operette Sirnach in der Spielzeit 2001 im Kongresshaus Zürich gab. «Das war ein Riesenerfolg für uns.» Dass bei all den glänzenden Aufführungen in den letzten zwei Jahrzehnten niemand ausserhalb des Ensembles Notiz von seinem Wirken nahm, ist Ernst Stump dabei ganz recht. «Ein Inspizient ist wie ein Schiedsrichter beim Fussball: Er erledigt seine Arbeit gut, wenn er nicht auffällt.»

6666. Besucherin empfangen

Die Bühnenabstinenz von rund zwei Wochen wurde mit der Aufführung am 8. März gebrochen: Der «Ball im Savoy» lädt wieder zum Besuch in den Dreitannensaal. Am Wochenende startete die Operette Sirnach nach der Fastnachtspause in die zweite Hälfte der diesjährigen Spielzeit. Die Aufführung vom 10. März bescherte den Veranstaltern ein fast ausverkauftes Haus – und die 6666. Besucherin. Die Sirnacherin Jahelle Rogg besuchte, im Gegensatz zu ihren Begleiterinnen, erstmals eine Vorstellung der Operette Sirnach. Denn Oma, Mutter und Tante zählten allesamt bereits zu langjährigen Operettengängerinnen. «Entsprechend gespannt bin ich auf meine heutige Premiere. Vorfreude und Spannung sind auf alle Fälle sehr gross», sagte die 16-Jährige. Das gesamte Ensemble der Operette Sirnach hofft, dass die Erwartungen von Jahelle Rogg mehr als erfüllt wurden. Denn: Der Vorstellungs-Countdown für den «Ball im Savoy» läuft. Bis zur Dernière am 6. April stehen nur noch neun Vorstellungen an.
Tickets sind unter www.operette-sirnach.ch erhältlich. (pd)