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Der Heerweiher in Oberuzwil – ein Schandfleck?

Der Heerweiher mitten in Oberuzwil ist ein künstlich angelegtes Gewässer. Er wird seit Stilllegung der HC Färberei Oberuzwil AG nicht mehr für die Produktion benötigt. Auf der Wasserfläche macht sich ein Algenteppich breit.
Philipp Stutz
Der Heerweiher, ein Relikt der Textilindustrie, liegt mitten im Siedlungsgebiet von Oberuzwil. (Bild: Philipp Stutz)

Der Heerweiher, ein Relikt der Textilindustrie, liegt mitten im Siedlungsgebiet von Oberuzwil. (Bild: Philipp Stutz)

Die Wasserfläche des Weihers an der stark befahrenen Wiesentalstrasse bietet einen eher unästhetischen Anblick. Die Oberfläche ist mit Algen übersät. Hinzu kommt allerlei Unrat, der im Weiher «entsorgt» worden ist. Einzelne Plastikflaschen schwimmen an der Oberfläche. Und auch das Ufer ist von Unkraut überwuchert. Ein Anwohner, der in der Zeitung nicht namentlich genannt sein will, ärgert sich. Er spricht von einer Kloake, ja gar von einem Schandfleck.

«Wir wissen, dass der unbefriedigende Zustand des Gewässers die Bevölkerung beschäftigt», sagt Gemeindepräsident Cornel Egger. Er steht denn auch in Kontakt mit dem Eigentümer, dem im Aargau lebenden Industriellen Kurt Müller.

Gemeinde ist nicht bereit, Baulandpreise zu zahlen

«Die Gemeinde wäre nicht abgeneigt, das Areal käuflich zu erwerben», sagt Egger. Doch das sei eine Preisfrage. Dass dieses Gebiet in der zurzeit laufenden Überarbeitung des Zonenplans als Bauland ausgeschieden werden soll, sei ohnehin kein Thema. Und daher sei der Gemeinderat nicht bereit, Baulandpreise zu zahlen.

Der Heerweiher ist als Wasserfläche klassiert, die unmittelbare Umgebung als Grünzone. Eine Umzonung von der Grün- in die Wohn- und Gewerbezone war bereits im Jahr 2004 im Richtplanentwurf vorgesehen. Ebenso war damals von einer teilweisen Überbauung des Areals die Rede gewesen.

Die Wasserfläche ist mit Algen überwuchert. Hinzu gesellt sich allerlei Unrat, der hier «entsorgt» worden ist.

Die Wasserfläche ist mit Algen überwuchert. Hinzu gesellt sich allerlei Unrat, der hier «entsorgt» worden ist.

Die Wasserfläche sollte verkleinert und gegen die Wiesentalstrasse hin überbaut werden. Anwohner sammelten Unterschriften und wehrten sich gegen dieses Ansinnen. Sie wiesen darauf hin, dass diese erhaltenswerte, wertvolle Grünfläche auch eine Bereicherung der Lebensqualität für die Einwohner des Zentrumsgebiets darstelle. Wo-rauf der Gemeinderat einlenkte und beschloss, den Weiher in der Grünzone zu belassen.

Der Heerweiher ist gemäss kommunaler Schutzverordnung kein geschütztes Objekt. Abklärungen bei der kantonalen Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz hatten ergeben, dass das Gewässer wenig ökologische Qualitäten aufweise. Die isolierte Lage mitten im Siedlungsgebiet bringe es mit sich, dass ein ökologischer Ausgleich für wassergebundene Tiere und Pflanzen mit Populationen anderer Lebensräume praktisch ausgeschlossen ist. Die Steilufer des Weihers verhindern das Aufkommen einer wertvollen Ufervegetation weitgehend.

Grüne Oase im Zentrum des Dorfes

«Als grüne Oase im Zentrum des Dorfes geniesst das Gewässer aber einen gewissen Stellenwert», sagt Egger. Auch nicht von der Hand zu weisen ist die kulturhistorische Bedeutung für das ehemals von der Textilindustrie geprägte Dorf. Der Weiher ist Teil der Geschichte, auch wenn das Gewässer und dessen Umgebung nicht als eigentliches Freizeitgebiet brauchbar oder durch einen Rundweg erschlossen sind. Trotzdem wäre aus siedlungsökologischer Sicht eine Aufwertung möglich und wünschbar. Als die HC Färberei Oberuzwil AG (vormals Heer & Co AG) noch in Betrieb stand, bezog sie für den Färbprozess Wasser aus dem Weiher. Das Wasser floss dabei von einem Wehr der Uze an der Gerbestrasse in einer 300 Meter langen Leitung zum zweigeteilten Weiher an der Wiesentalstrasse. Der Heerweiher hat eine Fläche von 3800 Quadratmetern, ist 120 Meter lang, 30 Meter breit und nur 1,50 Meter tief.

Zufluss steht nicht mehr in Betrieb

Der Zufluss von der Uze steht seit zehn Jahren nicht mehr in Betrieb, ist aber laut dem Gemeindepräsidenten noch immer intakt:

«Die technischen Voraussetzungen wären gegeben, um den Weiher weiterhin mit Wasser der Uze zu speisen.»

Im Filterhaus, heute in schlechtem baulichem Zustand, wurden früher die vor allem im Sommer häufigen Algen in einem chemischen Prozess vernichtet und vom Wasser ausgeschieden.

Im Heerweiher tummeln sich nach wie vor Fische. Pächterin des Gewässers ist der Fischerverein mittlere Glatt. «Fischen nur mit gültigem Patent erlaubt», heisst es auf einer Tafel, die am Ufer platziert ist. Übertretungen werden geahndet und können Bussen in Höhe bis 20 000 Franken zur Folge haben.

Hege und Pflege erfordert einigen Aufwand

«Licht, Nährstoffe und Wasser fördern das Wachstum von Pflanzen», sagt der kantonale Fischereiaufseher Christoph Mehr. Der Weiher ist gut besonnt. Karpfenartige Fische lieben solch warmes Wasser. Auch Egli und Hecht sind Fischarten, die in diesem Gewässer vorkommen. «Das Fischen gestaltet sich aufgrund der vielen Algen aber als nicht einfach», betont Mehr. Hege und Pflege erfordere einigen Aufwand, und das setze Sachkenntnis voraus. Der trockene Sommer des vergangenen Jahres hat den Fischen im Heerweiher offenbar nicht zugesetzt. «Ein Fischsterben ist mir nicht bekannt», sagt Christoph Mehr.

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