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Der Hausarzt - ein Auslaufmodell: Andere Berufsgruppen haben Zukunft

Wie sehen Personen verschiedener Berufsgruppen ihr künftiges Berufsbild? Vier Referenten blicken in die Zukunft.
Andrea Häusler
Über die Branchen hinweg sind sich die Referenten einig: Der Roboter wird den Menschen nicht ersetzen. Alte Berufsbilder werden sich jedoch ändern, neue Berufe hinzukommen. Zu den grossen Herausforderungen zählt der Berufsnachwuchs. (Symbolbild: Andrea Plüss)

Über die Branchen hinweg sind sich die Referenten einig: Der Roboter wird den Menschen nicht ersetzen. Alte Berufsbilder werden sich jedoch ändern, neue Berufe hinzukommen. Zu den grossen Herausforderungen zählt der Berufsnachwuchs. (Symbolbild: Andrea Plüss)

Geht ein Hausarzt in Rente, gestaltet sich die Nachfolgeregelung schwierig. Kaum ein junger Allgemeinmediziner träumt mehr von der eigenen Praxis. Markus Preuss, Medizinischer Leiter der MedBase Gesundheitszentren Uzwil, St.Gallen und Flawil ist Hausarzt und sagt: «Ich bin ein Auslaufmodell». Ob er seinen Beruf noch bis zur Pensionierung ausüben kann? Preuss hofft es. Trotz des rasanten, von der künstlichen Intelligenz getriebenen Umbruchs in der Medizin.

Maschinen, die bei wenig komplexen Fragestellungen heute schon sicherer diagnostizieren als Fachärzte oder millionenfach genutzte Selbstdiagnose-Apps wie «Ada» sind Beispiele dafür, in welche Richtung die Digitalisierung führt. Ob uns tatsächlich irgendwann ein virtueller Hausassistent über unsere Befindlichkeit aufklärt, der Badspiegel die Körpertemperatur misst und aufgrund der erhobenen Daten automatisch ein Arzttermin fixiert?

Markus Preuss bleibt die Antwort schuldig. Tatsache sei jedoch, sagt er, dass Google, Apps und Hotlines den Weg zum Arzt verlängerten. Deshalb rät er:

«Hüten Sie Ihre Daten. Es greifen viele danach, die sie nicht besitzen sollten.»

Noch keine selbstständig bauenden Roboter

Das Positive vorweg: Wie in der Medizin, wird es auch auf der Baustelle der Zukunft nicht ohne den Menschen gehen. «Digitale Hilfsmittel können Fähigkeiten wie Kreativität oder Improvisationstalent nicht ersetzen», weiss Jürg Affentranger, Geschäftsleitungsmitglied der Brühwiler AG, Oberbüren. Sie befreiten die Mitarbeitenden aber von lästiger Fleissarbeit. «Die Baustelle wird papierlos, nicht aber planlos.»

Affentranger nennt künftige, für Jugendliche attraktive neue Berufe wie Drohne-Operator oder BIM-Koordinator, macht aber deutlich, dass sich die Entwicklung dahin langsam vollziehe: «Nur sechs Prozent der Bauunternehmen setzen heute auf vollständige Digitalisierung.» Die Krux des Fortschritts: «Es wird kaum gelingen, alle Mitarbeitenden ins Boot zu holen.»

Weg vom Schrauber, hin zum Autospezialisten

Ölfleckiger Blaumann, schmutzige Hände: Das gängige Bild des «Automech» ist überholt. Dies spätestens seit der Markteinführung der Gas- und Elektroantriebe. Die Entwicklung wird sich fortsetzen – in den nächsten zehn Jahren schneller als im halben Jahrhundert zuvor. Davon ist der Betriebsleiter der Larag St.Gallen, Roger Nagel, überzeugt.

Zwar seien vollautomatisierte Fahrzeuge noch Zukunftsmusik, doch werde bereits in fünf Jahren teilautonom gefahren – zumindest auf Autobahnen. «Solche Systeme müssen unterhalten werden, das ist anspruchsvoll», sagt Nagel. Für die Mechatroniker von heute bedeute dies Weiterbildung, für die KMU Kosten. Die grösste Herausforderung sieht er aber in der Lehrlingsrekrutierung.

«Mathematik- und Physiktalente finden nur selten den Weg in die Garage.»

Wichtiger noch als heute würden die persönlichen Kontakte. Denn, laut Nagel, änderten auch die Kundenbedürfnisse: «Ein Auto zu besitzen ist für viele zunehmend weniger wichtig, als dessen optimale Nutzung.»

Technisches Grundwissen bleibt essenziell

Alejandro Aranda, ist Maschinenbauingenieur und Werksleiter bei der Firma Magnet Schultz in Oberrindal. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Memmingen beschäftigt 2700 Mitarbeitende. Der digitale Wandel hat hier bereits vor 20 Jahren eingesetzt und die Berufe verändert, wie Aranda sagt. Wo früher Facharbeiter an Produktionsstrassen montiert hätten, stünden heute Techniker und Ingenieure. Insbesondere die Qualitätssicherung sei wichtiger und anspruchsvoller geworden. Nichtsdestotrotz bleibe technisches Grundwissen essenziell, ist Alejandro Aranda überzeugt.

«Maschinen müssen ja gebaut und unterhalten werden.»

Allerdings würden die heutigen Berufsbilder mit zusätzlichen (digitalen) Inhalten gefüllt. Was die Quantität und Qualität des Berufsnachwuchses betrifft, geht er mit Larag-Betriebsleiter Nagel einig: Es wird schwierig. «Da sind Schulen und Politik gefordert.» Aranda verhehlt nicht, dass die Schere zwischen qualifizierten und nicht qualifizierten Berufen grösser wird. Jedoch fehlt auch ihm eine Antwort auf die Frage, was mit jenen geschieht, die mit dem Wandel nicht Schritt halten können.

Schule soll Freude machen

Wenn es um den Berufsnachwuchs der Zukunft geht, ist die Schule gefordert, aber nicht abschliessend gerüstet. «Das Schweizer Bildungssystem ist das Beste unter den Schlechten», sagt Marco Frauchiger, Rektor des Berufs- und Weiterbildungszentrums Wil-Uzwil (BZWU), einer der Pilotschulen des nationalen Projekts «Berufsbildung 2030». Um Ziele wie Gesellschaftsfähigkeit und Arbeitsmarktfähigkeit zu erreichen, brauche es eine andere Grundsystemsystematik. Damit meint er nicht nur die Aufhebung von Klassen oder Lektionen. Frauchiger kritisiert:

«Der heutige Unterricht orientiert sich mehr an Defiziten, statt an individuellen Begabungen»

Und: «Über die Hälfte der Kinder verliert in den ersten neun Schuljahren den Spass an der Schule.»

Die Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Schule referierten am Mittwoch auf Einladung der FDP Uzwil, Oberuzwil und Oberbüren im Brühlackersaal in Oberbüren. Die Thematik wurde in einer anschliessenden Podiumsdiskussion vertieft.

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