Der Hausarzt als Türöffner

Mit «Xundart» besteht in der Region Wil, Uzwil, Flawil und Toggenburg ein Ärztenetzwerk, das nach den Grundsätzen von Managed Care und der Einbindung von Hausärzten und Spezialisten schweizweit eine Vorreiterrolle einnimmt.

Deborah Rutz
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WIL. Bundesrat und Parlament haben in der Herbstsession das Modell der hausärztlichen Versorgung Managed Care anerkannt und im neuen Krankenversicherungsgesetz verabschiedet. Wenn sich ein Versicherter für ein Ärztenetzwerk wie «Xundart» entscheidet, verpflichtet er sich, alle Behandlungen durch den von ihm gewünschten Netzwerk-Arzt koordinieren zu lassen. Im Gegenzug profitiert er von einer niedrigen Kostenbeteiligung und von einer Prämienreduktion.

Viele Wiler Ärzte dabei

Der Vorwurf der Managed-Care-Gegner, dass mit Netzwerken den Patienten die freie Arztwahl vorenthalten werde, möchte Paul Germann, Wiler Hausarzt, nicht gelten lassen. «Der Patient wählt seine Hausärztin innerhalb des Netzwerks nach wie vor frei. Er verpflichtet sich aber, keine Behandlungen zu veranlassen, ohne sich mit dem Hausarzt zu besprechen», sagt Germann. Bei einem gut etablierten Netzwerk wie «Xundart», dem zwischen 80 und 90 Prozent der Wiler Ärzte angeschlossen sind, bleibe die Ärztevielfalt für die Patienten bestehen. Diese Wahlfreiheit gilt bei «Xundart» nicht nur bei der Wahl des Hausarztes, sondern ebenso bei der Wahl eines Spezialisten oder eines Spitals.

Folgen für Ärztehäuser

Ein entscheidendes Kernelement der neuen Gesetzgebung ist die Grundlage der Gewaltentrennung zwischen Versicherer und Leistungserbringer. Damit soll die Balance zwischen der wirtschaftlichen Betrachtungsweise der Krankenkasse und dem Qualitätsanspruch der Ärzteschaft unterstützt werden.

Dieser Entscheid hat für Ärztehäuser, die von Krankenkassen geführt werden, wie beispielsweise das Swica-Ärztehaus in Wil, entscheidende Folgen. Solche Zentren wird es in Zukunft in dieser Form nicht mehr geben, da mit der neuen gesetzlichen Grundlage Krankenkassen nach Ablauf der fünfjährigen Übergangsfrist keine eigenen Einrichtungen mehr führen dürfen.

Zudem löst das Netzwerkmodell gerade bei Spezialärzten Verunsicherung aus. Es sei in erster Linie die Angst vor rückläufigen Zuweisungen aus wirtschaftlichen Gründen durch die Hausärzte, die dieser Opposition der Spezialärzte zugrunde liegt, erklärt Karsten Beer, Facharzt für Neurologie. «Zudem besteht die Sorge, dass mit diesem System noch weitere Regulierungen auf die Ärzteschaft zukommen könnten.»

Volksentscheid wahrscheinlich

Das Ärztenetzwerk «Xundart» beweise seit längerem, wie der Austausch zwischen Hausärzten und Spezialisten im Rahmen von Managed Care in der Realität erfolgreich umgesetzt werden kann. «Entscheidend ist, dass bei <Xundart> die Spezialisten bereits von Beginn an in das Netzwerk eingebunden wurden», sagt Yvonne Gilli, Hausärztin und Mitglied der nationalrätlichen Gesundheitskommission. Ob das Managed-Care-Modell nach dem Beispiel von «Xundart» auch national Schule machen wird, ist noch offen. Mehrere Oppositionsgruppen haben bereits ein Referendum angekündigt.

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