Der harte Kampf um Kunden

Im Automobilgeschäft weht derzeit ein rauher Wind. Der Kampf um Kunden ist noch härter geworden, die Unternehmer sind gefordert. Mit dieser Problemstellung befassten sich 70 Wirtschaftsvertreter in der Liga in Wil.

Hans Suter
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Rund 70 Personen aus Gewerbe, Dienstleistung und Industrie nehmen am Impuls-Apéro in der Liga teil. (Bilder: Hans Suter)

Rund 70 Personen aus Gewerbe, Dienstleistung und Industrie nehmen am Impuls-Apéro in der Liga teil. (Bilder: Hans Suter)

WIL. Bruno Jäger nahm kein Blatt vor den Mund: «Das Autogewerbe ist von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung für die Schweiz. Doch es steht vor grossen Herausforderungen», sagte der Verwaltungsratspräsident der Lindengut-Garage AG (Liga) mit Betrieben in Wil und St. Gallen. Er verdeutlichte in Zahlen: «In der Schweiz gibt es etwa 5200 Garagen. Davon sind 4000 Garagen mit rund 40 000 Mitarbeitenden im Verband AGVS organisiert. Den Gesamtumsatz des Autogewerbes bezifferte er auf 35 Milliarden Franken. «Zählen wir die Transporte hinzu, kommen wir auf 50 Milliarden Franken. Das entspricht rund sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts», sagte Jäger. Inklusive Dienstleistungen, wie Versicherungen, ergebe sich sogar ein Jahresumsatz von etwa 95 Milliarden Franken.

4,3 Millionen Autos

Seit 1960 hat sich der Fahrzeugbestand in der Schweiz vervielfacht. Bei den Personenwagen von knapp 510 000 auf bald 4,3 Millionen, von 55 Transportern auf 308 884 und von 151 Lastwagen auf 52 946, wie Bruno Jäger darlegte. Er schränkte indes ein: «Die Zahl der Lastwagen ist über die vergangenen zwanzig Jahre ziemlich stabil geblieben. Dass wir den Eindruck haben, es gebe immer mehr Lastwagen auf unseren Strassen, liegt an den ausländischen Fahrzeugen, die in und durch unser Land rollen.»

Hohe Fiskalabgaben

Gemäss den Ausführungen Jägers werden in der Schweiz pro Jahr 270 000 bis 330 000 Personenwagen immatrikuliert. Bei den Lieferwagen waren es vergangenes Jahr 30 427, bei den Lastwagen 4015. Die meisten dieser Fahrzeuge sind mit Benzin- oder Dieselmotor ausgerüstet – und benötigen Treibstoff. Diese wiederum sind mit hohen Fiskalabgaben belastet. Bruno Jäger rechnete vor: «Pro Liter Benzin werden gegenwärtig 81,46 Rappen und pro Liter Diesel 91,37 Rappen an Fiskalabgaben erhoben. Gesamthaft kommen dem Bund im Jahr 2011 an Strassen- und Autosteuern fast 9,5 Milliarden Franken zu.»

Verdrängungswettbewerb

Die Liga macht mit mittlerweile elf Markenvertretungen einen Umsatz von rund 60 Millionen Franken und verkauft etwa 1400 Fahrzeuge pro Jahr, sagte Geschäftsleiter Peter Altherr. «Für uns stellt sich täglich die Frage, wie wir Kunden dazu bringen, sich uns anzuvertrauen.» Doch wie gut ist die Liga positioniert? Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, wurde ein Experiment durchgeführt. Alle Teilnehmenden markierten mit Punkten, welche Marke und Klasse sie fahren und weshalb. Überdies wurde abgefragt, weshalb sie bei einer Garage Kunde sind. Die Gegenüberstellung der Resultate zeigte: Die Liga kann zu einem hohen Prozentsatz bieten, was der Kunde wünscht.

Ein Anlass des JUZ

Eingeladen zu diesem praxisnahen Wirtschaftsanlass hatte das Jung-Unternehmer-Zentrum (JUZ). Dieses unterhält Niederlassungen in Wil, Flawil, Wattwil und Gossau und begleitet Jungunternehmerinnen und -unternehmer auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. Gekommen sind rund 70 Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter aus Handel, Gewerbe, Dienstleistung und Industrie. Zu Beginn der Veranstaltung sagte Präsidentin Monika Scherrer: «Im Automobilgewerbe ist die Nähe zum Kunden die Basis.» Sie sollte recht bekommen, wie sich im Lauf des Abends herausstellte.

Die Teilnehmenden geben ihre Wertung zu Automarken und Präferenzen ab – mit verblüffendem Resultat.

Die Teilnehmenden geben ihre Wertung zu Automarken und Präferenzen ab – mit verblüffendem Resultat.