Der Hansli wird nicht aufgehängt

Die Probenarbeiten des Momoll Jugendtheaters in der Lokremise sind in der letzten Runde. Am Freitag ist Premiere, das Stück entstammt aus Kurzgeschichten von Peter Bichsel.

Christoph Oklé
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Die Proben des Momoll Jugendtheaters Wil in der Lokremise laufen auf Hochtouren. (Bild: cho.)

Die Proben des Momoll Jugendtheaters Wil in der Lokremise laufen auf Hochtouren. (Bild: cho.)

Noch eine knappe Woche bleibt bis zur Premiere. Seit gut drei Wochen wird intensiv in der Wiler Lokremise geprobt. Und trotzdem macht es Spass. Und das muss es auch. Warum sollte man sonst wertvolle Ferientage dafür einsetzen? Und dazu schon regelmässige Termine seit Ostern. Für die elf Jugendlichen zwischen fünfzehn und einundzwanzig scheint die Rechnung aufzugehen.

Den letzten Schliff geben

Es ist Samstagabend und seit dem Mittag wird konzentriert gearbeitet. Eine kurze Pause ist angesagt. Und während dieser lässt sich ein Sandwich verdrücken. Um Viertel nach sieben geht es weiter – und zwar geschminkt und kostümiert. Dann werden alle Sequenzen, denen am Nachmittag der letzte Schliff gegeben worden war, am Stück gespielt.

Und weil es so viel Spass macht, darf auch der Sonntag noch daran glauben – wie auch die folgenden Abende, denn die Schule hat wieder begonnen oder für die Älteren die Arbeit.

Geprobt wird an dem von Schauspielerin Claudia Rüegsegger und Theaterpädagogin Barbara Schüpbach bearbeiteten und inszenierten Stück «Amerika gibt es nicht» aus fünf Kurzgeschichten von Peter Bichsel.

Spass am Spiel machen die zum Teil recht schrägen Texte und Situation – so zum Beispiel, wenn der König befiehlt, den Hansli aufzuhängen. Dass es nicht zum Baumeln kommt, ist dem etwas trotteligen Colombin zu verdanken, der als Gegenleistung Hofnarr werden soll, obwohl er eigentlich Entdecker werden will.

Die Texte sitzen bereits, doch an Mimik und Bewegung gibt es noch allerhand zu tun.

Mit fast stoischer Ruhe nehmen die acht Mädchen und drei Jungs die Anweisungen von Regisseurin Claudia Rüegsegger nicht nur entgegen, sondern setzen sie gleich um. Ab und zu scheint es recht kleinlich zu und her zu gehen, doch sie wissen: wenn man so viel Zeit und Mühe investiert, soll die vierte Eigenproduktion des Momoll Jugendtheaters Wil schliesslich auch perfekt daherkommen.

Routiniers und Einsteiger

Für den 17-jährigen Samuel Gander ist es bereits die dritte Produktion, für Adam Keel (15) und Stephanie Klein (15) die erste. «Zwar ist die ganze Sache recht anstrengend, doch lohnt sich der Aufwand, wenn dabei etwas Anständiges herauskommt», finden sie übereinstimmend. Recht intensiv sei der Probenbesuch, da es selten Szenen mit kleiner Besetzung gibt, sondern meistens das gesamte Ensemble zusammen auf der Bühne steht.

Keine grosse Mühe bereite es, die Texte zu lernen, meint Adam, anspruchsvoll hingegen sei deren szenische Umsetzung. Auch wenn es vielfach nur um Halbsätze oder gar ein einzelnes Wort handelt – oder gerade deshalb – ist höchste Präzision gefragt.

Offensichtlich macht den jungen Leuten diese Herausforderung Spass.

Und so gehen sie mit grossem Elan in die Endrunde der Probenarbeit und freuen sich schon jetzt auf die Ernte der Anstrengungen: die Premiere.

Die Premiere findet am nächsten Freitagabend, 13. August, um 20.15 Uhr in der Lokremise statt.

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