Der Gorilla auf dem Vogelsberg

Eine spektakuläre Ausstellung findet zurzeit im Wald auf dem Oberuzwiler Vogelsberg statt.

Michael Hug
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Der Gorilla auf dem Vogelsberg verrät sein Geheimnis erst bei näherem Betrachten.Bild: Michael Hug

Der Gorilla auf dem Vogelsberg verrät sein Geheimnis erst bei näherem Betrachten.Bild: Michael Hug

«Draussen» heisst die Ausstellung der Oberuzwiler Galerie Fafou. Und draussen spielt sie sich auch ab. Um die 22 Bilder im Wald auf dem Vogelsberg zu sehen, muss man zwar nicht unbedingt auf den Vogelsberg gehen, denn die Reproduktionen hängen auch in der Galerie. Nur sind sie da viel kleiner, weniger eindrucksvoll und es fehlt der Kontext – der Wald. Genau den machen sich die Fotografien der 22 Künstlerinnen und Künstler zunutze. «Das Bild wird im Wald dreidimensional,» sagt der Projektleiter der Ausstellung, Daniel Brechbühl. Das Bild hängt im Raum, nicht an der Wand. Der Wald als Projektionsraum und lebendiger Kontext: «Dieser Kontext ist für manches Bild recht frappant», meint Brechbühl weiter.

Kirchenfenster im Wald

In der Tat wirkt manche der auf eineinhalb Quadratmeter vergrösserten Fotografien ziemlich fremd. Zum Beispiel wenn der Oberuzwiler Mischa Baumberger ein Model vor einem Kirchenfenster ablichtet und das Bild in den Wald hängt. Oder der Profifotograf Hanspeter Schiess mit seiner Strandszene «Zweimaltrio» eine surreale Situation zwischen den Fichten des Vogelsbergwalds schafft. Fichten und Fische – das Thema von David Giger. Er «hängt» japanische Kois zwischen die Bäume. Da glibber-glitschige Fische, dort die rauen, groben Tannen. Ein Kontext, der Assoziationen offenlässt. Oder Interpretationen: Ist der Gorilla von James Egli, dem Uzwiler Weltwanderer, echt? Ist seine Konfrontation mit den Touristen auf dem Bild gewollt? Ist die Konfrontation der Touristen auf dem Ausstellungspfad mit den «Gaffern» auf dem Bild gut oder schlecht?

In der Kunst ist nichts grundsätzlich schlecht. Ob das Motiv der Darstellung schlecht ist oder nicht, ist eine andere Sache und dem Betrachtenden überlassen. Ist das Bild der Mutter und ihrem Neugeborenen, das da im Wald hängt, wo jeder und jede und sogar Kinder es sehen können, etwa anstössig? «Der Moment, wo die Mutter ihr Neugeborenes zum ersten Mal hochhebt und in die Arme nimmt, ist ein Moment, der emotionaler und natürlicher nicht sein könnte» titelt Fotograf Patrick Spycher die Szene. «Mutter Natur» heisst sein Bild und er zieht damit die direkte Verbindung zum Kontext des Waldes: Natur pur. Nur kommt dem Bild im Wald jegliche Intimität abhanden. Die Geburt wird öffentlich.

Leitthema Mensch und Natur

Daniel Brechbühl sagt: «Wir haben der Ausstellung das Leitthema Mensch und Natur gegeben. Bewusst weitgefasst, aber auch bewusst in eine bestimmte Richtung.» Brechbühl, selber Hobbyfotograf und Aussteller, ist auch Mitglied des Vereins, der das «Fafou» betreibt. Er habe sich einen langgehegten Wunsch erfüllt mit «draussen», denn: «Für mich müssen Bilder nicht in einer Galerie hängen, sondern dort, wo sie auch entstanden sind. Draussen nämlich.» Nicht nur aus witterungsbedingten Gründen hat Brechbühl die von den Kunstschaffenden eingereichten Analog- oder Digitalfotografien und Montagen auf Meshgewebe aufgezogen: «Dieses fast durchsichtige Gewebe schafft eine besondere Sicht – oder Durchsicht – der Bilder. Sie können, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, mit dem Hintergrund oder eben der Umgebung verschmelzen.»

Hinweis

DRAUSSEN ist frei und jederzeit, auch nachts, noch bis 13. Oktober 2019 zu betrachten. Der Rundgang dauert rund eine Stunde. Die Abzüge der Arbeiten können auch in der Galerie Fafou an der Freudenbergstrasse 1 in Oberuzwil angeschaut werden. In der Galerie liegt ein Plan der Stationen auf.