Der Gemeinderat Rickenbach kündigt Vertrag mit Thurvita trotz sinkender Kosten

Die Gemeinde Rickenbach kündigt die Verträge mit der Anbieterin von Dienstleistungen im Altersbereich Thurvita AG. Ab 2021 will die Gemeinde die Leistungen der benachbarten Regio Tannzapfenland beziehen.

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Thurvita betreibt auch verschiedene Altersheime in der Region Wil.

Thurvita betreibt auch verschiedene Altersheime in der Region Wil.

Bild: Urs Bucher

(red/dh) Der Gemeinderat Rickenbach hat beschlossen, die Vereinbarung für ambulante und stationäre Leistungen per Ende 2020 bei Thurvita zu kündigen. Der Grund sind nicht etwa qualitativ schlechte Leistungen, sondern die zu hohen Kosten bei der Spitex, wie aus dem Mitteilungsblatt der Gemeinde hervorgeht. Sie kündigt an, ab 1. Januar 2021 die Spitex-Dienstleistungen bei der benachbarten Spitex Regio Tannzapfenland zu beziehen und verspricht sich damit eine Kostenreduktion von rund 80‘000 Franken.

Im stationären Bereich bleibe für die Rickenbacher Einwohner alles beim Alten. Ihnen stünden weiterhin sämtliche Einrichtungen der Region offen. «Sehr beliebt bleibt das Alterszentrum Tannzapfenland in Münchwilen, an welchem unsere Gemeinde als Genossenschafterin beteiligt ist», heisst es weiter. Das Aktienpaket, das Rickenbach als Kleinaktionärin der Thurvita AG bei deren Gründung erworben hat, soll zum Nominalwert den weiteren Aktionärsgemeinden angeboten werden.

Spitex-Preise sind gesunken

Thurvita bedauert den Entscheid des Rickenbacher Gemeinderates, wie die Dienstleisterin in einer Mitteilung als Reaktion auf die Ankündigung von Rickenbach schreibt. Die Kosten-Beiträge der Gemeinde pro Spitex-Stunde seien seit 2013 jedoch nicht gestiegen, sondern leicht gesunken. Das höhere Budget 2020 in der Gemeinde Rickenbach erkläre sich durch eine Mengenausdehnung im Vergleich zum Vorjahr.

Das ist die Thurvita AG

Die Gemeinden Wil, Bronschhofen, Niederhelfenschwil, Rickenbach und Wilen verknüpften 2012 bestehende ambulante, teilstationäre und stationäre Dienstleistungen im Altersbereich. Dafür wurde die gemeinnützige Aktiengesellschaft Thurvita gegründet. Seit 2013 erbringt sie die Spitex-Dienste und bietet Betreuung und Pflege für alte Menschen aus Wil, Niederhelfenschwil, Wilen und Rickenbach an. (dh)

Thurvita will Leistungsvereinbarung überarbeiten

Die Thurvita räumt aber ein, dass die Preise der Leistungsvereinbarung nicht den tatsächlichen Kosten entsprechen: Sie sind in den Pflegewohnungen zu tief, bei der Spitex hingegen zu hoch. Bei der Gründung der gemeinnützigen Aktiengesellschaft habe Thurvita die bestehenden Leistungsvereinbarungen unverändert übernommen. Mit den Vertragsgemeinden Wil, Wilen und Niederhelfenschwil ist die Dienstleisterin übereingekommen, die Leistungsvereinbarung gesamthaft zu überarbeiten. Im Wiler Parlament hatte die Thurvita AG angekündigt, mit der Überarbeitung noch in diesem Jahr zu beginnen. «Das Ziel ist, Kostenwahrheit zu schaffen.» Leider habe der Rickenbacher Gemeinderat die wiederholte Einladung zum gemeinsamen Gespräch nicht angenommen.

Mit der Vertragskündigung sind verschiedene Leistungen ab 2021 in der Gemeinde Rickenbach nicht gesichert. «Es ist wahrscheinlich, dass in Rickenbach künftig kein Mahlzeitendienst, keine Nachtabdeckung, kein Spätdienst und keine spezialisierte psychiatrische Spitexleistung zur Verfügung stehen», schreibt die Thurvita. Alles Leistungen, welche die Thurvita-Spitex heute anbietet. Zudem würden die Rickenbacherinnen und Rickenbacher künftig wie die anderen auswärtigen Gemeinden in allen Heimen der Thurvita einen Zuschlag von 300 Franken pro Monat bezahlen.

Die Dienste, welche die Thurvita-Spitex in Rickenbach erbringt, belaufen sich auf 10 Prozent der gesamten Spitexleistungen, wie es weiter heisst. Folglich werde es beim Stellenplan keine nennenswerten Anpassungen brauchen.