Der geliebte Schrittzähler

Seitenblick

Simon Dudle
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Er ist zum treuesten Begleiter geworden. Ohne ihn geht es nicht mehr aus dem Haus: Der Schrittzähler hat sich in der Gesellschaft eingenistet. Ob in der Apple-Watch, der App am Handy oder der Fitbit-Uhr. Doch die Schrittzählerei treibt zuweilen auch komische Blüten. Abends trotz Gewitterregen noch eine mehr oder weniger ausgedehnte Runde ums Quartier drehen, weil das Tagesziel von 12000 Schritten nicht erreicht ist? Selbstverständlich. Auch wenn sich die Nachbarn fragen, wieso der Blick ständig auf die Uhr gerichtet ist.

Aber es macht Spass. Zumindest so lange, bis beim wöchentlichen Gruppenwettkampf nicht jemand dabei ist, der sich Schritte erschleicht. Dies ist ein Leichtes, wenn man ein Pferd ausreitet. Auf diesem sitzend schiesst die Schrittzahl so richtig in die Höhe. Ebenfalls möglich, wenn auch unsinnig, ist, die Uhr dem eigenen Haustier an die Beine binden.

Grundsätzlich macht es aber wirklich Spass. Zumindest so lange, bis man mit jemandem eine Tageswanderung unternimmt, um abends festzustellen, dass er oder sie trotz exakt gleicher Route deutlich mehr Kilometer gemacht hat. Die Grundeinstellung macht es aus. Dort kann die Distanz pro Schritt eingegeben werden. Ein paar Zentimeter machen am Ende des Wandertages einige Kilometer aus.

Aber ansonsten hat der Schrittzähler effektiv seinen Reiz. Zumindest so lange, wie man sich nicht allzu intensiv mit dem Schlaf-Tracker befasst. Dieser zeigt einem schonungslos auf, dass die Anzahl geschlafener Stunden während der Arbeitswoche nicht dem entsprechen, was in der Altersgruppe üblich ist. Und werden tatsächlich mal die geforderten acht Stunden Schlaf erreicht, kommt am anderen Morgen prompt die Meldung, dass man sich doch an eine einheitliche «Zu-Bett-Geh-Zeit» halten solle. Der Biorhythmus lässt grüssen.

Ja, es macht wirklich Spass mit dem geliebten Schrittzähler. Denn am Ende des Tages geht es nur um eines: Nicht um die eigene Gesundheit, sondern um den Sieg im gemeinsamen Wochenwettkampf. Und das natürlich ganz ohne eigenes Pferd und Haustier-Hilfe. Auf ein bewegtes Wochenende.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch